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punktierte Linie

Frühstück bei Spindeleggers

Von Nikoletta Zambelis | Angriff erscheint ihm nun die beste Verteidigung.

So oder so ähnlich könnte es sich zutragen.

„Schatz, wir müssen reden“, beginnt sie ihren Mann hinter seiner Tageszeitung hervorzulocken, während sie klappernd ihren Kaffee umrührt. Umständlich faltet er das Blatt zusammen, runzelt die Stirn und antwortet mit vollem Mund: „Immer fängst du beim Frühstück damit an!“ „Michi, ich muss dich das fragen, im europäischen Rechnungshof reden schon alle darüber.“ Langsam schwant im Übles. „Wie meinst du das, worüber redet man?“ „Na, du weißt schon“, versucht sie zu beschwichtigen, „die Sache mit der Hypo.“

Angriff erscheint ihm nun die beste Verteidigung. „Margit, davon verstehst du nichts, und überhaupt, was geht dich das an?“ Die Hitze, die ihr nun zu Kopfe steigt, kommt nur zum Teil vom Kaffee: „Du weißt ganz genau, dass es meine Aufgabe ist, der Sache auf den Grund zu gehen. Und überhaupt hab‘ ich dir schon hundert Mal gesagt, dass wir im

Meinung

Rechnungshof auch nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen sind. Könntest du das endlich einmal zur Kenntnis nehmen“, bellt sie zurück. Sein Vater hatte ihn vor einer arbeitenden Frau gewarnt. Nun war im klar, warum. „Hättest du dich mehr um mich und um die Familie gekümmert, würd’s uns jetzt ganz anders gehen. Grade jetzt solltest du mich unterstützen“, versucht er ein emotionales Ablenkungsmanöver. Sie wird abwechselnd blass und rot, und während sie tobend vor Wut den Tisch verlässt, brüllt sie: „Wäre ich nicht gewesen, wärst du ein Nichts, ein Niemand. Aber wie du willst! Jetzt werde ich mich um dich kümmern, mehr als dir lieb ist. Und in deinem Büro fange ich damit an. Pah, von wegen, ich versteh nichts davon!“

Als er ihren Wagen über den Kies der Einfahrt rollen hört, greift er zum abhörsicheren Telefon: „Meine Frau ist auf dem Weg in mein Büro. Sind’s doch so gut und verstecken’s den Ordner mit H beim Werner.“