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punktierte Linie

Soziale
Intelligenz

Von Nikoletta Zambelis | Eine Hochschulleiterin studiert an ihrer eigenen Schule.

Es lässt sich auf hochakademischer Basis sicherlich vortrefflich, ausladend und facettenreich darüber diskutieren, ob sich die Vizerektorin der PHT in der von ihr mit geleiteten Hochschule wieder auf die Schulbank setzen darf. Auf die realen Herausforderungen herunter gebrochen, bringt sie damit sich selber und ihre Lehrpersonen, die, wenn sie nicht gerade die Schulbank drückt, ihr unterstellt sind, in folgende Situationen: Eben noch legt sie bei einer ihr untergebenen Lehrperson eine Prüfung ab, die sie womöglich nicht besteht, und morgen führt sie mit derselben Person ein Gespräch zu deren Leistungsbeurteilung. Wie sachlich richtig, inhaltlich korrekt und emotional unbeeinflusst kann man da handeln?

Oder aber, sie vereinbart den Stundenplan mit Lehrerinnen und Lehrern. Aus welcher Rolle heraus

Meinung

macht sie das? Als Studierende, die einen bestimmten Lehrer lieber nicht im Sachunterricht sehen möchte, oder als Leitungsorgan, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten bestmöglich einsetzen soll?

Andere, aber auch sich selber, in derart unauflösbare Dilemmata zu manövrieren und Grenzen zu verletzen, zeugt entweder von Unwissenheit oder von einem Mangel an sozialer Intelligenz. Beides darf für eine Einrichtung, die sich mit dem Motto „Wir bilden Menschen mit Verantwortung“ schmückt, als untragbar bezeichnet werden.

Und beides muss für Lehrpersonen ebenso wie für Leitungspersonal in verantwortungsvollen Auswahlverfahren ausgeschlossen werden können.