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punktierte Linie

Ein Chaffeur
hat‘s schwör

Von Nikoletta Zambelis | Die zwei Seiten der Globalisierung.

Ausgerechnet während des Hahnenkammrennens schlug in der Gamsstadt die Globalisierung erbarmungslos zu: Nicht genug damit, dass sich Sportler, Fernsehsender und VIPs aus allen Länder der Kleinstadt bemächtigten, nein auch Taxibetreiber aus fernen Regionen des Landes naschten in Kitzbühel am Hahnenkamm-Kuchen mit. Nun sind die Kitzbühler Taxifahrer sauer. Es kann ja schließlich nicht so sein, dass sie selber das ganze Jahr die Stadt bedienen, und just dann, wenn es etwas zu verdienen gibt, auch andere ihr Gerstl einstreifen wollen. Es darf auch dann nicht sein, wenn der andere dafür extra die Mühsal einer 50 Kilometer langen Anreise aus Zell am See auf sich nimmt, ob extra dafür, oder weil er ohnein gerada auf dem Weg war, ist da wohl wirklich unerheblich. Ein Gebietsschutz muss her.

Zugegeben, das klingt nach einem verlockenden Zustand: Ein Gebietsschutz, der es allen Mitbewerbern im Umkreis von 15 Kilometern verbietet, im eigenen Gewässer zu fischen. Nach dem Motto „Ich war zuerst da“ gibt es künftig für alle ein angestammtes Recht auf den eigenen

Meinung

Markt und dessen Schutz durch die Obrigkeit. Auf den ersten Blick wäre das das reine Paradies. Auf den zweiten Blick, wenn man ihn denn riskieren möchte, sähe das dann so aus: Das Hahnenkammrennen darf nur mehr vom heimischen Sender übertragen werden. Champagner – ach, was sag‘ ich – Wein gibt es keinen mehr, denn der Markt eines ortsnahen Getränke- und Bierproduzenten ist ja dann auch geschützt. Bierbrezen, so sie der lokale Bäcker hergestellt, könnte es noch geben. Sattelt der jedoch auf Knäckebrot um, dann wird man zu den Weißwürsten, die hoffentlich ein geschützter Metzger noch stopfen wird, künftig knabbern. Es könnte also still um das Großereignis werden.

Und wie stünde es dann um die Taxifahrer in Kitzbühel? Sie stünden beschäftigungslos, aber immerhin geschützt auf ihren Standplätzen herum, würden Zigaretten aus heimischem Tabakanbau rauchen und dürften ihre Jause auch nur mehr beim Traditionswürstelstand beziehen. Denn die Pizzeria des neu zugezogenen Italieners gäb’s im Gebietsschutz natürlich auch nicht mehr.