Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:20 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Ein Test für die Staatsbürgerschaft

Von Nikoletta Zambelis | Was tun mit einer Österreicherin, die ihn nicht bestanden hätte?

Um Ihnen zu beweisen, dass Schreiberlinge nicht nur in fremder Leute Wunden Salz streuen können, sondern auch in die eigenen, stelle ich Ihnen mein aktuellstes Würzerlebnis zur Verfügung:

Der Randartikel in einer Tageszeitung motivierte mich dazu, meine Österreichtauglichkeit zu testen. Und so machte ich mich dran, den Online-Übungstest zur Vorbereitung zur Staatsbürgerschaft (so heißt er wirklich) zu absolvieren. Was soll ich Ihnen sagen. Beinahe wäre er völlig danebengegangen, von 27 Fragen beantwortete ich drei falsch. Vielleicht kann man mir zugutehalten, dass ich ihn freihändig, also ohne Vorbereitung, ausgefüllt habe. Und vielleicht gilt als weiterer mildernder Umstand der, dass ich ein bisschen in Eile war. Aber genug der Ausreden, es waren eben nur 89 Prozent der Fragen richtig beantwortet. So kreuzte ich z.B. mögliche Antworten auf die Frage: „Die Revolution von 1848 betraf auch das Kaiserreich Österreich. Was waren

Meinung

wesentliche Forderungen in der Revolution von 1848?“ falsch an.

Was macht man nun aber mit einer, die österreichische Staatsbürgerin ist und sich offensichtlich in der Geschichte ihrer Heimat nicht so richtig auskennt? Zurück auf die Schulbank? Das wäre sicher spannend, zumal leicht sein könnte, dass ich dort auch keine Antworten auf die gestellten Fragen erlernen würde. Ausweisen? Aber wohin? Welches Land würde mich schon nehmen. Und wenn ich schon die eigene Geschichte nicht g’scheit kenne, dann wird’s wohl mit der Kenntnis über andere Länder auch nicht weit her sein. Dann bleibt nicht mehr viel, außer schämen. Ja das tu ich, wirklich. „Ich schäme mich. Und ganz besonders dafür, dass wir heimatsuchenden Mitmenschen die Frage stellen: „Was kennzeichnet die Menschenwürde?“ Denn dieser Test als Kriterium für eine Staatsbürgerschaft kennzeichnet die Menschwürde ausgesprochen nicht.