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Teil 2: Freie Marktwir(r)tschaft

Von Nikoletta Zambelis | Leer stehende Schaufenster zeugen von wenig Gemeinsinn.

Das Bild eines Stadtzentrums wird nicht nur von Sehenswürdigkeiten, sondern zum überwiegenden Teil von auf Augenhöhe befindlichen Schaufenstern und Geschäften geprägt. Wenn hier jedoch anstelle einladender Lichter und glänzender Verführungen verklebte Fenster zu leer stehenden Lokalitäten die Häuserzeilen zieren, ramponiert das das Stadtbild sowohl für Touristen als auch für Einheimische.

Wie der Begriff Stadtbild so deutlich macht, sollte ja die Stadt dafür Sorge tragen können, dass ihr Bild in der Öffentlichkeit ein attraktives ist. Doch die Natur des freien Marktes hat genau das nicht vorgesehen. Ganz im Gegenteil, es gliche einer übergriffigen Enteignung, wollte die Stadtregierung dem Besitzer einer Zentrumsimmobilie ans Herz legen, sein leer stehendes Objekt mit Leben zu füllen. Denn unsere Auffassung von freiem Markt lautet in etwa: „Ich kann mit meinem Hab und Gut machen was ich will.“

Was folglich bedeutet: Ich kann es auch leer stehen lassen, wenn ich nicht die Miete bekomme, die

Meinung

ich mir vorstelle.

Grundsätzlich kann man dem wenig entgegnen, andererseits wird ein gedeihliches Zusammenleben vor einem ansprechenden Stadtbild ja weniger vom Ich als viel mehr vom Wir getragen.

Doch wenn sich Einzelne Ichs nicht um das Wir kümmern, wer tut es dann?

Die Verbeugung vor dem freien Markt und die damit verbunden Unantastbarkeit des individuellen Besitzes macht es fast unmöglich, ein Stadtbild zu wahren, aus dem einen keine leeren Schaufenster wie Zahnlücken entgegen lachen. Daher bedürfte es eines Regulativs, welches Hausbesitzer dazu verpflichtet, über ihrem individuellen Interesse nach hohen Mieteinnahmen ein höheres, allgemeines Gut zu wahren. Doch ein „Besitz mit regulierter Nutzungsfreiheit“ brächte die vermeintliche Ordnung des freien Marktes vermutlich so ins Wanken, dass die Vision vom schönen Stadtbild gleich mit verschüttet würde.