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Teil 1: Freie Marktwir(r)tschaft

Von Nikoletta Zambelis | Da, wo es darauf ankommt, reguliert der freie Markt Preise nur nach oben.

Freie Marktwirtschaft scheint eine feine Sache zu sein, sorgt doch der Wettbewerb zwischen Anbietern dafür, dass Konsumenten in den Genuss „marktgerechter“ Preise kommen. So weit die Wirtschaftstheorie, denn kurioserweise greift das Regelwerk einzig dort richtig, wo es nicht lebensnotwendig ist. So zum Beispiel bei Handys, Flugreisen oder Hamburgern. Bei Grundbedürfnissen wie Wohnen oder Essen funktioniert es hingegen kaum, und wenn, dann bei eingeschränkter Qualität.

Die Blüten, die dieses Phänomen am Wohnungsmarkt treibt, sehen dann so aus: Herr Pimpelmoser besitzt eine Dreizimmerwohnung, die er, zur Optimierung seines Budgets, an drei Studierende vermietet. Preis pro Zimmer 450 Euro, Preis der Wohnung somit € 1350. Irgendwann ist er die wechselnden Mieter leid und vermietet dauerhaft an eine junge Familie mit Kind. Preis: natürlich 1350 Euro. Unschwer zu erahnen, dass das selbst für ein Doppeleinkommen eine schwer leistbare Belastung ist.

Meinung

Die Mieter suchen also um Beihilfe an, die sie unter großem Aufwand und gefühlter Scham erhalten. Herrn Pimpelmoser kratzt das wenig. Sein freier Markt beschert ihm unveränderte Einnahmen.
Da stellt sich doch die Frage, wie frei der Markt wirklich ist, der erst durch öffentliche Gelder befreit werden muss. Und wenn die öffentliche Hand schon einschreiten muss, dann könnte sie es doch auch gleich an der Wurzel tun. Anstatt den Mietern, deren einzige Unmäßigkeit darin besteht, ein Dach über dem Kopf zu brauchen, Bürden und Scham von Beihilfeverfahren aufzulasten, könnte man das auch dem Vermieter umhängen. Wer meint, mehr als ein angemessenes und leistbares Entgelt für eine Dreizimmerwohnung erhalten zu müssen, möge künftig einen Antrag stellen, dafür im Zweimonatsrhythmus vorstellig werden und sich für sein Anliegen regelmäßig rechtfertigen. Vermutlich würde das die Preise kontinuierlich nach unten korrigieren (denn welcher Vermieter würde sich das schon antun). Doch halt, so käme man ja zu staatlich regulierten Preisen. Und das geht am freien Markt nun wirklich nicht.