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your teacher

Von Nikoletta Zambelis | Schulleiter dürfen auch weiterhin nicht leiten.

Personalhoheit ist wohl eines der Kernrechte und eine Kernpflicht von Leitungspersonen. Wie sonst soll eine Abteilung oder gar ein Unternehmen erfolgreich geführt werden, wenn der, der führt, nicht selber selektieren darf, wen er letztlich führt! Schulleiter, die bisher so gut wie keinen Einfluss auf die Auswahl der Lehrer in ihrem Hause hatten, sahen sich nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Personalhoheit selten als Leitungspersonen.

Das soll nun anders werden. Im kräftigen Schub in Richtung Schulautonomie sollen sich Schulleiter alsbald ihre Lehrer selber… ja, was eigentlich? Sie dürfen Lehrerprofile auf einer Plattform studieren und mit ihren Favoriten Bewerbungsgespräche führen. Der Schub geht auch noch so weit, dass Schulleiter hierauf eine Empfehlung abgeben dürfen. Doch entscheiden, nein entscheiden dürfen sie nicht, das macht dann der Landesschulrat.

Schwer zu sagen welcher Wunsch hier Vater (oder Mutter) eines Plans war, der Schulleitern auch weiterhin die personelle Entscheidungskompetenz

Meinung

abspricht. Da darf es dann nicht wundern, wenn sie ihre Leitungsaufgaben nicht vollinhaltlich erfüllen können (und wollen). Solange sich des Schulleiters Personalhoheit einzig auf den Schulwart erstreckt, darf es auch nicht überraschen, wenn Lehrer, Schüler und deren Eltern dem Direktor keine Führungskompetenz zugestehen. Ungelöst bleibt damit auch die Frage, wer sich letztlich für derart ausgewählte Lehrer zuständig fühlt. Der Landesschulrat, der die Einstellung entschieden hat, oder der Schulleiter, der eine Empfehlung abgeben durfte? Das Dilemma offenbart sich in all seinen Facetten dann, wenn der Empfehlung des Schulleiters nicht entsprochen wird.

Auch wenn sich Schulen nicht in allem mit Wirtschaftsbetrieben vergleichen lassen, so haben sie doch eines gemeinsam: Eine Leitung, die keine Personalhoheit in ihrem Bereich inne hat, ist keine Leitung sondern eine Verwaltung. Soll Schule und damit Bildung jedoch eine echte Reform erleben, braucht es echte Leitungspersonen mit echter Personalhoheit, denn sonst: Forget your teacher!