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punktierte Linie

Die Mentalität
„To go“

Von Nikoletta Zambelis | Gibt es da auch ein Ende?

So harmlos sich die „Coffee-to-go“-Welle aufgebaut hatte, so flächendeckend scheint sie jetzt unseren Kontinent zu überspülen. Verbrannten sich anfangs nur Kaffetrinker, denen man mangelnde Kaffeekultur unterstellen konnte, an umweltverschmutzenden Pappbechern ihre Finger, so umwarb mich unlängst eine auf Lifestyle und Genuss getrimmte Kaffeemarke (Sie wissen schon, die mit dem schönen Mann) mit einem Luxusbecher aus doppelwandigem, rostfreien Edelstahl – natürlich „to go“. Selbst für Glühweintrinker, Pizza- und Kebab-Esser sowie Fotobearbeiter und Leseratten steht „to go“ inzwischen für schnell, im Vorübergehen, ohne sich damit über Gebühr beschäftigen zu müssen.

Doch nicht nur für die. Viele Verkäufer haben Kunden „to go“ (schnell, im Vorübergehen, ohne

Meinung

sich damit über Gebühr beschäftigen zu müssen), die meisten Gebrauchsanweisungen behandeln wir „to go“ und wundern uns, wenn wir die Kiste nicht zum Laufen bringen. Arbeitsverhältnisse „to go“ wurden eine Zeit lang sogar als karriereförderndes Merkmal bezeichnet, und Beziehungen „to go“ haben spätestens seit Twitter und Facebook nichts mehr mit dem zu tun, was man früher als Quickie bezeichnete (Sie verzeihen).

Ich frage mich, wie weit diese Mentalität noch ausbaubar ist. Haben wir irgendwann einen Arzt oder einen Coach „to go“? Vielleicht kann man dann auch Jus oder Medizin „to go“ studieren oder einen Professor „to go“ in die Millionenshow mitbringen. Vielleicht füllt ja noch jemand die Lücke Kind „to go“. Doch wenn das geschieht, dann sind unsere Werte „to go“ wohl endgültig dahingegangen.