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Die „heiligen“
drei Könige

Von Nikoletta Zambelis | Segen nur bei Vorauskasse?

Wenn die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, singen sie nicht nur für uns sondern erbitten auch den Segen Gottes auf unser Haus und seine Bewohner. Freilich erfordert dies eine kleine Gegenleistung, nämlich eine Spende, die zu leisten, da freiwillig und steuerlich absetzbar, niemandem schwer fallen dürfte. Als sichtbares Zeichen steht seit wenigen Tagen auf den dergestalt gesegneten Türen in Kreide geschrieben: 20+C+M+B+14.

Sollten Sie in Versuchung geraten, mich besuchen zu wollen, gestehe ich Ihnen jetzt schon: Auf meiner Türe steht immer noch 20+C+M+B+13. Vor Ihnen und meinen Nachbarn stehe ich nun da als eine, die beim Besuch der Sternsinger nicht zu Hause war. Oder aber ich war zu Hause und habe nicht geöffnet, oder – was noch viel schlimmer wäre – ich war zu Hause, habe geöffnet, aber nicht

Meinung

gespendet. Da geschieht es mir eh nur recht, wenn der göttliche Schutz heuer ausbleibt.

Meine Sternsinger schienen zu meinen, dass es nicht schaden könne, mir sicherheitshalber dennoch einen Erlagschein da zu lassen. Irgendwann würde ich vermutliche nach Hause kommen oder die Türe öffnen müssen. Nun kann ich natürlich auch ohne Segen eine Spende leisten, keine Frage. Aber hätten nicht auch die „heiligen“ drei Könige segnen können, ohne Spende? Würde nicht gerade das eine äußerst bestechende und motivierende Geste gelebter Barmherzigkeit darstellen? Und wenn man schon auf Nummer sicher gehen wollte, dass ich kein vorauseilendes 14 auf meine Türe bekomme, hätte man mir da nicht wenigstens ein Stück Kreide zum Erlagschein dazu legen können?