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Umtauschen
ist geil

Von Nikoletta Zambelis | Ja genau. So muss Weihnachten eben sein.

An die Stelle der gefürchteten „Geiz ist geil“-Mentalität tritt ab dem 27. Dezember die „Umtauschen ist geil“-Manie. Kaum öffnen nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag die Pforten der Einkaufstempel, herrscht in ihnen dasselbe Chaos wie noch wenige Tage zuvor, mit einem Unterschied: Nun hetzen die Beschenkten und nicht mehr die Schenker. Eigentlich ist das nur gerecht.

Dabei mag es natürlich durchgehen, dass die höflicherweise in Größe 36 geschenkte Hose in Wirklichkeit eine gute Vierziger hätte sein sollen. Auch verständlich scheint, dass defekte, abgelaufene oder während der Feiertage verstorbene (Kuschelhaustier-) Geschenke wieder zurückgebracht werden. Doch wieso tauschen Menschen Mobiltelefone in Kaffemaschinen, Nagellacke in Duschgele oder Sektgläser in Badezimmervorleger um? Kann es denn sein, dass

Meinung

sich Schenker tatsächlich so wenig Gedanken darüber machen, womit sie ihren Mitmenschen eine echte Freude machen? Oder ist das „Du kannst es jederzeit umtauschen“-Geschenk der neue Gutschein? Statt also nur ein zweidimensionales Kuvert zu überreichen, gibt es doch wieder ein richtiges, dreidimensionales, buntes Päckchen, aber eben nur als Joker für irgendetwas.

Oder aber: Umtauschen ist einfach geil. Denn erstens kann man so die Zeit der Einkaufstouren in die Länge ziehen (schließlich waren die meisten Beschenkten ja auch einmal Schenker). Zweitens darf man sich nun endlich selber aussuchen, was man wirklich haben will. Und damit kann man, drittens, dem Schenker gleichzeitig noch ausrichten „Du kennst mich ja gar nicht, denn sonst wüsstest du, was mich freut“. Ja genau. So muss Weihnachten sein.