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punktierte Linie

Man trifft sich meistens drei Mal

Von Nikoletta Zambelis | Was aber, wenn das zweite Zusammentreffen das Rüpelhafte wird?

Das Sprichwort „Man trifft sich immer zwei Mal im Leben“ will uns vermutlich dazu ermahnen, unsere Mitmenschen pfleglich zu behandeln, denn man könnte ihnen tatsächlich noch einmal begegnen. Wenn man sich also bei der ersten Begegnung höflich, zuvorkommend und respektvoll benommen hat, kann man sich beim zweiten Aufeinandertreffen immer noch entspannt in die Augen blicken.

Was aber, wenn das zweite Zusammentreffen das Rüpelhafte wird? Ist das dann einfach Glück, weil die Gefahr weiterer Begegnungen ohnehin ausgeschlossen ist? Ist damit die Erlaubnis zum „Was ich dir immer schon einmal sagen wollte“ erteilt?

Wie ein Blick in den Zauberspiegel deutlich macht, scheinen unsere beiden Regierungsparteien oder vielmehr deren Häupter genau das anzunehmen. (Koalitions-)Begegnung Nummer eins: Man zeigt sich von der jeweiligen Butterseite, geht mehr

Meinung

oder weniger höflich miteinander um und schmiedet gemeinsame Zukunftspläne. (Wahlkampf-)Begegnung Nummer zwei: Man richtet einander, vorzugsweise über die Medien, aus, was man in Wirklichkeit voneinander hält (nämlich nichts) und schließt eine dritte Begegnung mangels Kompatibilität nahezu aus.

Und dann trifft man sich zum dritten Mal, weil die Wähler das wollten. Das ist wirklich ärgerlich. Auf einmal muss man wieder am selben Tisch sitzen und so tun, als ob alles aus Begegnung zwei nie gesagt worden oder zumindest nicht so gemeint gewesen wäre. Die Kurven, die man so versuchen muss zu kratzen, hinterlassen meistens tiefe und vor allem hässliche Schrammen.

Ersparen könnte man sich all das, indem man einfach die Zahl im Sprichwort anpasst: Man trifft sich im Lebens meistens drei Mal. Oder aber, indem man einander grundsätzlich und immer respektvoll begegnet.