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Ich liebe Weihnachten

Von Nikoletta Zambelis | Und wehe dem, der mir Weihnachten abschaffen wollte!

Was wäre, wenn Weihnachten plötzlich abgeschafft würde? Ich meine natürlich nicht das kirchliche Fest, sondern das weltlich-wirtschaftliche.

Planen wir doch, als kurzes Gedankenexperiment, Weihnachten Neu. Tun wir einen Moment lang so, als ob Gastronomie, Wirtschaft und Handel anstelle des 24. Dezember einen neuen Lieblingskonsumtag erkoren hätten, irgendwann Anfang Juni. Was geschähe dann im Dezember?

Vermutlich gäbe es keine Weihnachtsmärkte. Aber ganz ehrlich, dafür ist es eh zu kalt und es gibt immer nur dasselbe. Man fände deutlich weniger Süßigkeiten, Champagner und andere schenkbare Artikel in den Geschäften. Die Preise wären niedriger, weil es ja keinen Grund zum Schenken gäbe. Zu Fronleichnam käme ja auch keiner auf die Idee, Geschenke zu verteilen. Demnach gäbe es deutlich weniger Trubel in der Stadt, weniger Verkehrschaos und keine Schlangen an den Kassen.

Christbäume müssten vielleicht trotzdem aufgestellt werden, denn irgendwo will ja die Krippe, als kirchlicher Bestandteil von Weihnachten, untergebracht werden.

Bleiben noch die Lebensmittel, mit denen man sich während der beiden Feiertage vor dem

Meinung

Verhungern schützen muss. Das behandeln wir hier einfach so, wie jedes andere verlängerte Wochenende.

So, Weihnachten Neu ist fertig designt. Wir haben Baum und Krippe, einen gefüllten Kühlschrank und winterliche Ruhe. Doch jetzt kommt die spannende Frage: Was wäre dann? Könnten wir uns dann so über Weihnachten freuen, wie damals als wir Kinder waren? Müssten wir dann nicht mehr sagen „Ich bin froh, wenn Weihnachten vorbei ist“. Oder würden wir es sogar ganz vergessen und am 24. Dezember angesichts der ZiB 2 sagen: „Schatz, heute ist ja Weihnachten. Das haben wir ganz verschwitzt“. Vermutlich würde nichts von dem geschehen. Viel wahrscheinlicher wäre, dass wir klagen: „Früher war Weihnachten viel netter!“

Da haben wir den Salat, denn dieses „früher“ ist heute. Genau genommen in wenigen Tagen. Und der ganze Trubel und überhaupt alles, worüber seit Mitte November geklagt wird, sähe aus der fiktiven Zukunftsperspektive „viel netter“ aus. Ich bin ganz ehrlich zu Ihnen: Ich finde es, so wie es ist, nicht nur viel netter, sondern ich liebe es so. Ja, Sie haben schon richtig gelesen. Ich liebe Weihnachten, trotz mancher Hektik und obwohl ich auch seit ein paar Jährchen weiß, dass nicht das Christkind die Geschenke bringt. Und wehe dem, der mir Weihnachten abschaffen wollte!