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Frauenbilder und gebildete Frauen

Von Alev Topcu-Sahin | Sie kennen in Tirol eine beruflich erfolgreiche Akademikerin mit muslimischem Migrationshintergrund? Herzlichen Glückwunsch!

Wie definiert sich heute eine Frau? Stehen ihre Intelligenz und ihre beruflichen Fähigkeiten im Vordergrund oder doch körperliche Attribute und ihre Qualitäten im Haushalt? Was meinen Sie, liebe Tirolerinnen und Tiroler, was macht eine Frau zu einer Frau?

Wenn eine Frau gut für das leibliche Wohl ihrer Familie sorgen kann und noch dazu den Haushalt mit Bravour schmeißt, macht das aus ihr eine bessere Frau? Oder wäre sie dann „nur“ Hausfrau und Mutter? Daraus resultiert sich für mich die nächste Frage: Ist jede Mutter dieselbe Frau? Sind Powerfrauen besser als familienbezogene Frauen? Oder doch umgekehrt?

Das Ganze ist, scheint mir, selbst für westliche Frauen immer noch nicht so einfach und selbstverständlich, wie es in Frauenzeitschriften gern dargestellt wird. Noch viel komplizierter wird es aber, wenn man den Frauen noch einen Migrationshintergrund dazu addiert. Ich kenne viele Musliminnen, die sich gerne weiterbilden würden, es aber nicht können, weil das in ihrem kulturellen Umfeld ein Tabu ist. Diejenigen, die es dann doch wagen, werden meist belächelt, quasi nach dem Motto: Was sucht die jetzt noch nach Abenteuern?

Aktuell dazu der Terroranschlag auf eine Schule

Meinung

in Pakistan. Diese Schule war den islamistischen Taliban ein Dorn im Auge, weil dort auch Mädchen unterrichtet wurden. Unvorstellbar? Weit hergeholt, weil hier bei uns ja selbstverständlich auch islamische Mädchen zur Schule gehen? Ich sehe oft genug: Dass junge Musliminnen zur Schule gehen, wird wird von ihrem Umfeld bestenfalls geduldet, und das auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Sobald eine junge Frau verheiratet ist und ihren Bildungsweg dennoch fortsetzen will, wird das zu einem fast unmöglichen Hürdenlauf mit ihrer Familie.

Entsprechend selten machen Frauen mit einem Migrationshintergrund Karriere. Manche werden jetzt sofort einwerfen: Aber ich kenne doch eine Akademikerin… Schon. Aber verrechnen Sie diese eine Akademikerin einmal mit der absoluten Zahl der jungen Migrantinnen, speziell der Türkinnen, in Tirol! Einen guten Ehemann und mindestens einen Sohn zu bekommen, spricht immer noch mehr für sie als ihre Zeugnisse. Wenn es dann einmal eine Frau trotzdem schafft, zu studieren und beruflich erfolgreich zu sein, wird sie von Männern schlicht nicht mehr ernst genommen.

Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen gilt: Als Türkin bist du entweder verheiratet und eine gute, liebende Mutter oder eine Karrierefrau und allein.