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Dersim
liegt in Arzl

Von Alev Topcu-Sahin | Wenn Aleviten in Tirol feiern, geht es ausgelassen zu.

Neulich auf dem Picknickplatz in Innsbruck-Arzl: Das Volkshaus Dersim hatte zu einem Fest geladen. Das Gemeindehaus selbst befindet sich in Pradl. Dersim ist der kurdische Name einer Region in der Türkei, die heute Tunceli heißt. Die damalige Regierung änderte 1937 den Namen in das türkische Wort, weil die Existenz der überwiegend alevitischen Bevölkerung in der Religion lange Zeit schlicht geleugnet wurde. Die Bevölkerung verwendet aber bewusst bis heute den Namen Dersim, der „Silberne Tür/Pforte“ bedeutet.

Zweimal jährlich veranstaltet diese Gemeinde ein Fest, zu dem alle Landsmänner und -frauen zusammenkommen. Natürlich wird dieses Fest in Form eines Riesenpicknicks gefeiert. Wie wichtig Picknick für uns ist, habe ich ja schon neulich erläutert (hier zu finden). Obwohl ich nicht aus Dersim komme, ergab sich für mich erstmals die Gelegenheit, an einem solchen Fest teilzunehmen. Und es war fabelhaft.

Als ich mich von weitem näherte, dachte ich, ich bin auf einer Hochzeit, so lustig und munter ging es zu. Es gab Bulgurreis, Salat, Melone, Würstel und ganz

Meinung

viel Fleisch. Zwei ganze Schafe waren für diese Veranstaltung geschlachtet worden – und bis zum Ende hin reichte es trotzdem nicht, so viel war los. Zum Trinken gab es alles von Softdrinks über Kaffee und Tee bis hin zu Alkohol wie Bier bis Raki. Haben Sie diesen starken Traubenschnaps, der mit Anis aromatisiert wird und ein türkisches Nationalgetränk ist, schon einmal probiert?

Wer viel isst, muss auch viel tanzen. Natürlich spielte live eine Band, lauter Mitglieder des Dersim-Vereins, und ein richtiges türkisches Fest geht nicht ohne unsere berühmte Trommel und die Zurna, eine Art Oboe. Wir haben alle zusammen stundenlang Folklore getanzt.

Von Weitem hätte man meinen können, dass eine Hochzeit gefeiert würde, so lustig und ausgelassen ging es zu. Wanderer, die uns vom Weg aus neugierig beobachteten, fragten sich womöglich, was wohl der Anlass dieses tollen Festes war. Tatsache ist: Gefeiert wurde eigentlich nur, dass türkische Regierungen nie mehr wieder eine Minderheit totschweigen oder gar vernichten können sollen.