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Kochen im
Ramadan

Von Alev Topcu-Sahin | In der Fastenzeit wird in türkischen Küchen noch viel aufwändiger gekocht als sonst.

Vor ein paar Tagen hat die islamische Fastenzeit, der Ramadan, begonnen, und mich wundert immer wieder, wie Gläubige es jeden Tag so lange – nämlich zwischen Sonnenauf- und -untergang – ohne Essen und besonders ohne Wasser aushalten. Dazu kommt ,dass zu dieser Zeit noch viel aufwändiger gekocht und gebacken wird als sonst. Und mit Hunger und Durst lässt es sich halt schwerer kochen. Es gibt jeden Tag, den ganzen Ramadan lang, richtige Vier-Gänge-Menüs. Und die Zutaten sind sehr wichtig, weil fast nur traditionell gekocht wird.

Es gibt einige türkische Supermärkte in Innsbruck, der wohl bekannteste findet sich im Olympischen Dorf. Dort gehe auch ich regelmäßig einkaufen, weil man alles bekommt, was das türkische Herz begehrt. Für uns sind frisches Gemüse und Fleisch das A und O beim Kochen. Ich möchte nicht das ganze Sortiment auflisten, aber es gibt dort Tomaten in Zehn-Kilo-Steigen, die gibt’s sonst nirgends: richtig rot, und die duften…! Ich mache daraus Tomatensauce mit Kräutern, die ich dann in Gläsern aufbewahre. So hab ich immer hausgemachte Sauce für meine Pasta.

Meinung

Ein fester Bestandteil der türkischen Küche ist Bulgur, also Weizengrütze. Es gibt ihn in den verschiedensten gemahlenen Größen, wir verwenden ihn für Salate, Füllungen und als Beilage. Aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch Wasch- und Putzmittel auf Türkisch gibt es dort – und nicht zu vergessen: unsere traditionellen kleinen Teegläser.

In der Fastenzeit wird auch viel Wert auf die Nachspeise gelegt, die sonst nicht unbedingt Tradition in unserer Esskultur ist (außer man steht auf Süßes, so wie ich). Türkische Süßspeisen sind oft sehr schwer und sehr süß. Eine der berühmtesten Nachspeisen ist Baklava, die sagenhafte 500 Kilokalorien pro Stück hat!

Wozu das Fasten gut sein soll? Ich interpretiere es so, dass Muslime zum Nachdenken gebracht werden sollen, ob sie ihre Pflichten in Sachen Nächstenliebe und Erbarmen auch wirklich erfüllen. Ob sich mit dem Ramadan in ihm oder ihr tatsächlich etwas zum Besseren ändert, muss jeder und jede Gläubige wohl für sich selbst beantworten.