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punktierte Linie

Don’t play it
again, boy!

Von Irene Heisz | Der „Playboy“ ohne Nackte? Das wäre ja wie Olympische Winterspiele ohne Abfahrt!

Ein altbekannter Witz über den „Playboy“ geht so: Der vife Konsument rechtfertigt sich gern mit dem Argument, er kaufe das Heft nur wegen der Interviews. Die seien nämlich notorisch gut und interessant gemacht. Dass der Mann zwischen den Interviews, Essays und Kurzgeschichten auch nackte Frauenhaut zu sehen bekommt, nimmt der hartgesottene Intellektuelle halt seufzend in Kauf. Oder so ähnlich.

Künftig wird er von diesem Ärgernis verschont bleiben und sich wirklich ganz auf geistige Ergüsse konzentrieren können. Der „Playboy“ schmeißt nämlich die nackten Frauen raus. Beziehungsweise zieht sie an. Da der 1. April weit weg ist, dürfte die Ankündigung ernst gemeint und korrekt wiedergegeben worden sein.

Von vornherein nicht als Witz gedacht, obwohl der Überbringer der Nachricht (Gian-Franco) Kasper heißt, war offenbar die Aussage, dass Abfahrts- und Super-G-Rennen bei den Olympischen Winterspielen zur Disposition stünden. Immerhin hat Peter „Du sollst keinen Skipräsidenten neben mir haben“ Schröcksnadel sofort alarmiert reagiert und originelle Vorschläge zur Rettung der Abfahrt präsentiert. Das muss als Wahrheitsbeweis genügen.

Im Gegensatz zu nackten Frauen in lasziven Posen interessieren so genannte Speed-Skirennen zwar ohnehin praktisch niemanden außer österreichische Männer (und Frauen), aber im Grunde haben traditionelle Männermagazine und Skiabfahrten ein ähnliches Problem: Sie sind teuer und produzieren weitgehend Langeweile. Wozu monatlich ein Heft mit unbelebten Bildern käuflich erwerben, wenn ich im Internet jederzeit gratis alles in Sachen Sex und Erotik Mögliche und vor allem auch Unmögliche in bewegten Bildern konsumieren kann? Und wozu ein Skirennen

Meinung

übertragen bzw. anschauen, bei dem das Spannendste die eingeblendeten Zwischenzeiten sind, wenn ich auch einen Slalom haben kann, bei dem bei jedem einzelnen Tor alles aus sein kann. Oder einen Biathlon, bei dem (nicht) jeder Schuss ein Treffer ist.

Antworten erübrigen sich, weil sie auf der Hand liegen (nein, das ist nicht als Anspielung auf das Lieblingshobby im Werden begriffener Männer gedacht). Da helfen dem „Playboy“ keine noch so raffinierten Photoshop-Künste und der Abfahrt keine noch so fiebrig hyperventilierenden Experten-Co-Kommentatoren. Beide Phänomene zeugen letztlich von einer schal schmeckenden Verzweiflung, und die will der Mensch weder beim Sex noch bei einem sportlichen Ereignis.

Tatsächlich sind beide Probleme auch keine echten Probleme, und nicht nur gemessen daran, was sich sonst so tut in unserer Welt. Ob der „Playboy“ Verluste macht, interessiert die Konsumenten dank überreichlich angebotener Alternativen nicht im Geringsten, und ob sich olympische Abfahrtsrennen werbetechnisch vermarkten lassen, interessiert im Grunde nur die Rennfahrer und deren Sponsoren. Die Neugier darauf, wie die FIS mehr Zuschauer vor deren kinoleinwandbreiten HD-Plasma-Dingsbums-Fernsehgeräten halten will, ist locker auszuhalten, um nicht zu sagen: enden wollend. Die interessantere Frage, mit der in nur leicht abgewandelter Form übrigens in nicht allzu ferner Zukunft auch diverse andere traditionelle Printmedien ganz ohne nackte Frauen konfrontiert sein werden, lautet: Wie nennt man das, wenn ein Männermagazin mit angezogenen Frauen seine Auflage steigern will? Aufgabe des Markenkerns? Eine bis dato nicht einmal im Internet dargestellte Art von Perversion? Oder bloß: Selbstmord aus Angst vor dem Sterben?