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Finde den
Fehler!

Von Irene Heisz | Österreichs Seilbahner schreiben einen Preis für Nachwuchsjournalisten aus. Das ist lustig. Und ein Intelligenztest für junge Kolleginnen und Kollegen.

Anständiger Journalismus ist in Österreich jetzt nicht unbedingt etwas, was als man als geistiges Grundnahrungsmittel bezeichnen müsste. Umso erfreulicher, wenn Institutionen, deren vollkommen uneigennützige Gutmütigkeit ohnedies ständig an der Grenze zur Trottelhaftigkeit dahin schlittert, auch noch die wahrlich schwere Aufgabe schultern, die Qualität des Journalismus und die Integrität der Journalistinnen und Journalisten in diesem Lande zu fördern.

Der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, zum Beispiel. In Person des Tirolers Franz Hörl hat die Seilbahnwirtschaft unglücklicherweise einen notorisch schüchternen Fachverbandsobmann, der kaum einmal den Mund aufbringt, noch seltener in den Medien vorkommt und gar nie nicht in unbezahlten PR-Artikeln, die notdürftig als redaktionelle Beiträge getarnt werden, erzählen darf, wie echt total super die österreichische Seilbahnwirtschaft … also, na ja… eben Menschen auf Berge befördert.

Höchste Zeit also, diesem unbefriedigenden Zustand ein Ende zu setzen. Soeben haben die Seilbahner also erstmals einen „Preis für Nachwuchsjournalisten“ ausgelobt, die über Seilbahnen schreiben, Seilbahnen filmen und Seilbahnen fotografieren. „Nachwuchs“ geht hier bis 36, aber das ist nicht das Bemerkenswerteste

Meinung

an diesem Journalistenpreis. O-Ton von Fachverbandsobmann Hörl laut Aussendung: „Mit gut recherchierten Berichten und Hintergrundgeschichten liefern Journalistinnen und Journalisten einen wertvollen Beitrag, um die Leistungen der heimischen Seilbahnwirtschaft transparent zu machen.“

Es deutet nichts darauf hin, dass die Seilbahner das nicht ernst meinen.

In der idealen Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten wäre so ein Preis selbstverständlich ein klassischer Fall für die Aufforderung: „Finde den Fehler!“ Und man würde junge Kolleginnen und Kollegen dringend davor warnen, ihre Intelligenz beleidigen und sich auf derart plumpe Weise anfüttern zu lassen.

Im wirklichen Medienleben freilich wird sich bestimmt irgendwo ein unterbezahlter Nachwuchsjournalist des einen oder anderen Geschlechts finden, der hintergründig, aber total wertvoll eine Seilbahn samt Schneekanonen fotografiert. Und kann, fixnoamal, bitte endlich jemand die Leistungen der heimischen Seilbahnwirtschaft transparent machen und schreiben, dass Tirol, wenn nicht überhaupt das christliche Abendland, rettungslos verloren ist, wenn der Kalkkögel-Brückenschlag nicht genehmigt wird?