Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 3:00 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Monströser
Skandal

Von Irene Heisz | Das kaufmännische Talent oder Willkommen in der Anstalt!

Schon das Wort klingt leicht anrüchig und nach etwas, wo man im Leben sicher nicht hineingeraten möchte: Anstalt. Dennoch will die österreichische Bundesregierung die Hypo Alpe Adria nun einer „Anstaltslösung“ zuführen, was im Klartext heißt: Wir Bürgerinnen und Bürger sollen für das wahrscheinlich 19 Milliarden Euro teure Totalversagen der jetzigen und der vorigen Regierung, der Österreichischen Nationalbank sowie der Kärntner Landesregierungen mit und nach Jörg Haider zahlen. Aber nicht etwa, weil Österreich zahlungsunfähig würde, wenn man die Hypo Alpe Adria in Konkurs gehen ließe, sondern weil sonst die großen Anleihen-Kunden, die dadurch Verluste erleiden würden, echt sauer auf Österreich wären und „das Vertrauen in den Finanzplatz“ verlören. Wir werden also in aller Dreistigkeit dazu aufgefordert, die übelriechende braune Masse, welche die oben genannten Herrschaften hingebungsvoll auf unseren Köpfen platziert haben, auch noch eigenhändig kräftig zu verreiben. Geht klar, überhaupt kein Problem! Wenn es nur ums Vaterland ginge, müssten wir uns das schon gründlich überlegen. Aber für den Finanzplatz machen wir das doch gern! Schließlich wurden bereits 3,6 Milliarden Euro von unserem Geld in das schwarze Kärntner Loch gepumpt, da kommt es auf weitere 19 Milliarden auch nicht mehr an. Selbst der Bundespräsident kommt nicht umhin, eine gewisse „Verärgerung“ des Volkes bis in die Hofburg zu spüren.

Frage: Wer trägt die Verantwortung für den monströsen Skandal? Antwort: Praktischerweise so viele, dass mit großer Sicherheit nicht einmal ein einziger übrigbleiben wird, den die Hunde beißen könnten. Abgesehen von uns Steuerzahlern, natürlich.

Jörg Haider, der größenwahnsinnige Provinz-Sonnenkönig, hat sich an der Kärntner Hypo wie an einem privaten Sparstrumpf bedient und die Bank dann an die Bayern LB verscherbelt, ist aber aus bekannten Gründen außer obligo. Der damalige Finanzminister Josef Pröll hat sich bei der lächerlichen Inszenierung der „Notverstaatlichung“ der Bank von eben jener Bayern LB böse über den Tisch ziehen lassen und dann in die so genannte Privatwirtschaft, sprich: ins Raiffeisen-Imperium, verkrümelt. Josef Prölls Nachfolgerin im Finanzministerium, Maria Fekter, war zwar nie um einen reschen Spruch, wohl aber um eine, wenigstens irgendeine Hypo-Lösung verlegen und tat zwei Jahre lang – nichts. Ewald Nowotny,

Meinung

Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und damit Aufsichtsorgan, erinnert sich jetzt daran, dass er Fekter eh immer gewarnt habe. Merkwürdig nur, dass der Hypo Alpe Adria unter Nowotnys Ägide öffentlich immer bescheinigt worden war, dass schon alles so weit in Ordnung ist oder zumindest kommen wird.

Der aktuelle Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser wiederum hat einst Jörg Haiders aberwitzige Luftschlösser bestaunt, zwölf (!) Milliarden Euro Landeshaftungen für die Hypo ungeschaut mitgetragen – und bettelt den Rest Österreichs jetzt weinerlich an, nicht alle Kärntner für völlig und hoffnungslos deppert zu halten. Und Michael Spindelegger, dem es nach der jüngsten Nationalratswahl endlich gelungen ist, seinen mit viel Macht ausgestatteten Lieblingsjob, das Finanzministerium, zu übernehmen? Äh. Ja. Eh. Lassen wir das. Zu Michael Spindelegger fällt mir nichts ein. Werner Faymann, auf dessen Bürotür „Bundeskanzler“ steht, wiederum fällt zum Hypo-Desaster nichts ein. Immer noch nicht.

„Verärgerung“? Nein, das ist nicht einmal annähernd der richtige Ausdruck für das, was das Steuerzahlervolk empfindet. Dieser Tage ist viel vom Februar 1934 und den bürgerkriegsartigen Zuständen damals im Land die Rede. Heute führt die Regierung eine Art Krieg gegen die Bürgerinnen und Bürger. Das einzige Glück dieser so genannten Elite ist, dass der Österreicher an sich nicht (mehr) dazu neigt, in Scharen Parlamente und Parteizentralen zu besetzen und sich dort festzukrallen, bis Neuwahlen ausgerufen werden. (Allerdings: Was käme dann? Ein Bundeskanzler Strache, weil sich die Bürger in ihrer abgrundtiefen Empörung nichts Besseres wissen, als die Pest mit der Cholera zu therapieren?).

Was also tun mit all diesen Genies, die angeblich mit ganzer Kraft für Österreich arbeiten, aber nicht einmal gratis Zahnregulierungen für Kinder zusammenbringen? Sie mit nassen Fetzen aus ihren Ämtern jagen, in einer Anstalt zusammentreiben und ihnen nie wieder mehr Verantwortung als für einen Pack Spielgeld in „Das kaufmännische Talent“ übertragen? Dafür müsste man der Herrschaften, insbesondere des Herrn Bundeskanzlers, erst einmal habhaft werden. Zuletzt gesichtet wurde Faymann, als er auf irgendwelchen VIP-Tribünen in Sotchi mit einer österreichischen Flagge in der Hand herum hopste wie ein leicht überspannter Teenager.