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punktierte Linie

Keine La Ola für Heinz Fischer

Von Irene Heisz | Der Regierung sportlich die Daumen zu drücken, wäre ähnlich effektiv, wie eine Strache-Puppe mit Voodoo-Nadeln zu bearbeiten.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

herzlichen Dank für Ihre mitreißende Neujahrsansprache (hier zu finden)! Besonders Ihre dringliche Aufforderung, die österreichische Bundespolitik sportlich zu betrachten, hat mich so begeistert, dass ich schon spontan aus meinem Fernsehsessel aufspringen und Ihnen eine Solo-La-Ola spendieren wollte… Aber dann dachte ich: Das wär‘ doch nicht nötig gewesen. Und ich meine: Wirklich nicht!

Super-Witz über Fairness (im Sport? In der Politik?!), erstklassige Pointe, ich musste wirklich herzlich lachen. Aber das mit dem Vertrauensvorschuss ist so eine Sache. Ich erkläre es gern mit einer sportlichen Analogie, weil Ihnen das volkstümliche Themenfeld so am Herzen liegt: Selbst als in der Wolle gefärbte Schwarz-Grüne (nein, nein, langsam: nicht was Sie jetzt denken!) habe ich schon zu Beginn dieser Fußball-Bundesligasaison nicht darauf gewettet, dass Wacker Innsbruck Meister wird. Nun, nach Abschluss der Herbstsaison, ist sogar ernsthaft zu bezweifeln, dass meine Wacker-Buben nächsten Herbst überhaupt noch in der Bundesliga mitspielen dürfen. Sie haben den ersten Teil der Saison vergeigt, so gründlich, dass nur noch ein Wunder helfen könnte.

Obwohl der Wacker sogar – im Gegensatz zur Regierung – den Trainer ausgetauscht hat. Und einen Sportdirektor installiert hat, der fast so, sagen wir: unverbraucht ist wie unser Außenminister. Jetzt unverdrossen Vertrauen vorschießend darauf zu setzen, dass Wacker im Frühjahr alles ganz anders und neu und besser machen und doch noch mindestens einen Europa-League-Startplatz erreichen wird, wäre eine therapiebedürftige Form von Realitätsverweigerung. Da sind wir uns doch einig, Herr Bundespräsident, nicht wahr?

Werner Faymann und Michael Spindelegger stehen auch gerade am Beginn ihrer Frühjahrssaison.

Meinung

Wir wissen, was Sie in ihrer Herbstsaison, den vergangenen fünf Jahren, getan haben, und genau das ist das Problem. Wie hoch, unter uns gefragt, ist die Chance, dass der Bundes- und der Vizekanzler mit Teams, die in den Schlüsselpositionen unverändert sind, und mit einem Spielkonzept, das nicht einmal ansatzweise neue Ideen oder frischen Mut erkennen lässt, mehr zusammenbringen als bisher? Woher sollte unsereins plötzlich die Hoffnung nehmen, dass die Rot-Schwarzen über Nacht einen visionären Spielaufbau zu beherrschen gelernt haben und einen zwingenden Zug zum Tor entwickeln? Dass sie einander nicht mehr gegenseitig im Weg herumstehen und laut „Abseits!“ brüllen, wenn einer ihrer eigenen Leute nur so viel wie den großen Zeh in Richtung Tor ausstreckt?

Seien wir ehrlich: Das Einzige, das sich drastisch verändert hat und weiter verringern wird, ist die Zahl der Fanclub-Mitglieder der Rot-Schwarzen.

Ich fürchte, Herr Bundespräsident, den Herren und Damen der Regierung die Daumen zu halten und „You’ll never walk alone!“ zur neuen Bundeshymne zu erklären, hätte einen ähnlich überschaubaren Effekt, wie einer Strache-Puppe mit Voodoo-Nadeln zu Leibe zu rücken. Während es nämlich keinerlei ernsthaften Einfluss auf mein Leben und meine grundsätzliche Fußballleidenschaft hat, ob Wacker Innsbruck in der Bundesliga oder eine Klasse darunter kickt, hat es sehr wohl etwas mit meinem Leben zu tun, in welcher Liga die österreichische Bundesregierung spielt. Deshalb halte ich einen satten Misstrauensvorschuss für absolut angemessen und abergläubische Gesten und Beschwörungsformeln für überflüssig. Denn Wunder sind in der Politik noch seltener als im wirklichen Leben und im Fußball. Und ein blaues Wunder möchte ich lieber nicht erleben.

Mit freundlichen Grüßen und den allerbesten Wünschen für 2014, eine Staatsbürgerin.