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Das „heimliche“ Wahrzeichen der Stadt Brüssel

Von Karin Lukas-Eder | Wahrzeichen hat die Stadt Brüssel genug: allen voran das Atomium (von der Expo 1958), gefolgt von der berühmten „Grande Place“ (Großer Markt) mit seinen Zunfthäusern und den zahlreichen Jugendstil-Häusern, über die ganze Stadt verteilt und echt beeindruckend. Dennoch: es gibt ein „geheimes“ Wahrzeichen der Stadt: die „Frittenbude“!

Pommes Frites haben hier eine besondere Bedeutung. Man isst sie ohne oder mit Soße. Oder zu sämtlichen Hauptgerichten (berühmt: Moules-Frites = Muscheln mit Pommes). Die Buden, an denen sie verkauft werden, haben aufgrund der Vielsprachigkeit in Belgien verschiedenste Namen: Die Flamen sprechen von frituur, frietkraam, frietkar und frietkot. In der Wallonie sagt man friture, baraque à frites oder friterie. Die Frittenbude ist der Spiegel des belgischen Volkes. Sie ist reine Metaphysik, eine Welt im Kleinen, ein Ort der Abenteuer und der Lebenspoesie. Tag für Tag drängen sich die Menschen dort zusammen. Nicht nur um Fritten zu essen, auch um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und die regionalen Angelegenheiten zu kommentieren. Wenn Sie einmal im Nieselregen mit den Rücken zur Wand an einer Bude gestanden haben, verstehen Sie, was ich meine. Sie wollen in Brüssel Frites essen? Na, dann brauchen Sie aber auch Geduld.

Gestern hatte ich mal wieder Lust auf die berühmten frittierten Kartoffelstäbchen und ich machte mich auf den Weg zu „Maison Antoine“ (Haus Anton). Die angeblich beste Frittenbude Belgiens. Und für die besten Fritten stellt man sich am Ende der langen Schlange an. Da wartet man häufig 30 bis 45 Minuten (und hofft, dass es zwischenzeitlich nicht anfängt zu regnen)!

Meinung

Wo liegt das Geheimnis? Die Belgier frittieren die Kartoffelstäbchen zweimal und bei verschiedenen Temperaturen. Der niederländische Dichter J.W.F. Buning schrieb: „Man lasse die frisch geschnittenen Stäbchen in nicht zu großen Mengen in das heiße Frittierfett gleiten und schöpfe sie heraus, wenn sie leicht goldgelb geworden sind. Man lasse sie abtropfen und eine Weile stehen. Dann erhitzt man das Frittierfett etwas stärker und legt die Fritten erneut für kurze Zeit hinein, bis sie noch goldfarbener und knuspriger sind.“ Läuft einem da nicht das Wasser im Munde zusammen?

Diese Prozedur dauert. Ich warte inzwischen 30 Minuten und bin endlich dran. Die Vorfreude ist groß. Ich hatte jetzt ja lange genug Zeit, um darüber nachzudenken, ob ich eine große oder eine kleine Portion nehme und welche Soße ich wähle. Ich entscheide mich für die kleine Portion (welche gar nicht so klein ist) mit Sauce Samourai (scharf). Die zwei Euro sind gut angelegt, denn diese Fritten sind der absolute Genuss. Zufrieden gehe ich mit meiner weißen Tüte davon und werfe noch einen Blick zurück: Da steht eine laaaange Schlange von Menschen, mit Vorfreude auf die typisch belgische Mahlzeit. Und es fängt gerade an zu regnen.

Trotzdem: Guten Appetit!