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Handwerker aus Belgien: alles Profis!

Von Karin Lukas-Eder | Lustige und weniger lustige Erfahrungen mit belgischen Handwerkern.

Haben Sie sich auch schon über Handwerker hinsichtlich Terminvereinbarungen oder deren Arbeit geärgert? Beruhigen Sie sich. Nachdem Sie meine Kolumne gelesen haben, werden Sie womöglich glücklich sein, in Österreich zu leben und die hohe Qualität der österreichischen Handwerkerzunft zu schätzen wissen.

Auf die Idee dieser Kolumne hat mich die Messe der Handwerker aus der deutschsprachigen Gemeinschaft (an der belgisch-deutschen Grenze) gebracht. Deutschsprachige Handwerksbetriebe bieten dort den in Brüssel und Umgebung lebenden deutschsprachigen Personen ihre Dienste an. Denn Sie werden verstehen, dass es einfacher ist, in der Muttersprache zu kommunizieren als in einer fremden Sprache und die Handwerker dieser Gemeinschaft sind eher deutsch als belgisch und arbeiten auch anders.

Aber eigentlich will ich Ihnen einige lustige und weniger lustige Erfahrungen mit belgischen Handwerkern präsentieren.

Als absolut gewöhnungsbedürftig gilt die Terminvereinbarung. Man kann keinen Termin vereinbaren, sondern nur ein Datum (9-18 Uhr). Hat man ein Datum, so muss man den ganzen Tag frei halten und zu Hause zu warten, bis der Handwerker kommt (man bemerke, mein Mann und ich sind berufstätig). Im schlechtesten Fall kommt niemand. Wie geschehen vor 2 Wochen, wo ich auf den Tischlermeister gewartet habe, ich mir am Nachmittag – nach bereits mehreren Stunden Wartezeit – erlaubt habe, im Sekretariat der Tischlerei anzurufen und man mit dann einfach so mitteilte, dass ich lange warten könne, da der Tischlermeister ja krank sei. Aha. Kein weiterer Kommentar dazu.

Hinsichtlich des Termins zur Wartung der Gasheizung hatte ich mehr Glück. Dachte ich. Der kompetente Mann ist gekommen, auch gleich in der Früh um 8 Uhr. Schon nach 1 ½ Stunden Wartungsarbeiten hat dieser unser Haus wieder verlassen und ich konnte doch noch fast einen ganzen Arbeitstag im Büro verbringen. Umso ernüchternder war die Feststellung am darauffolgenden Tag, wo die Anzeige der Heizungsanlage auf „Störung“ hinwies. Man bemerke: Vor der Wartung hatte die Heizung

Meinung

einwandfrei funktioniert. Wir beobachteten die Störungsmeldungen, aber nach regelmäßigem Auftreten dieser, war es an der Zeit, die Heizungsfirma erneut zu kontaktieren. Terminvereinbarung gestaltete sich wieder als schwierig. Nichtsdestotrotz kam derselbe Heizungstechniker 2 Wochen später erneut. Er warf einen Blick auf die Störungsmeldung und fragte mich dann nach der Gebrauchsanweisung (!) der Heizungsanlage. Ich lasse dies jetzt im Raum stehen, es bedarf keines weiteren Kommentars!

Dann hätten wir noch die „Profis“! Unsere Küche soll gestrichen werden. Der sympathische junge Mann nahm seinen Malerberuf auch sehr ernst und begann mit Engagement mit dem Anstrich. Als ich jedoch mittags nach Hause kam, um nach dem Rechten zu sehen, musste ich feststellen, dass er den teuren Mahagoni-Holz-Boden nicht abgedeckt hatte und sich darauf bereits zahlreiche Farbkleckse befanden. Ich wies ihn auf diese Tatsache hin, worauf er mir versicherte, dass „er ein Profi“ und alles kein Problem sei. Nur dass er nach dem Anstrich noch 2 Stunden gebraucht hat, um die Farbe vom Boden wegzuputzen. Kein weiterer Kommentar.

Aber: Schlimmer geht immer! Zu spät haben wir bemerkt, dass insbesondere die Belgische Telefongesellschaft Belgacom es mit allergrößter Vorsicht zu genießen gilt. Mit einem Anruf eines Mitarbeiters der genannten Firma wurde uns mitgeteilt, dass das Unternehmen das Netz umstellt und dadurch eine kleine Veränderung bei unserem Anschluss im Hause notwendig sei. Es handle sich nur um eine Kleinigkeit, dauert nur 5-10 Minuten und ein Mitarbeiter würde in der nächsten Woche vorbeikommen. Er kam, arbeitete und machte innerhalb von 10 Minuten die gesamte Telefon- sowie Klingelanlage des Hauses kaputt. Reparaturkosten danach 1500 EUR. Vielen Dank auch für den prompten Service. Kein weiterer Kommentar.

Sicherlich gibt es auch positive Beispiele, nur die sind hier in Belgien leider selten. Glücklich ist der, wo alles funktioniert und man so lange wie möglich keinen belgischen Handwerker benötigt. Oder man werkt besser selber. Dann hat man es, im schlimmsten Fall, wenigstens selbst kaputt gemacht.