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Das Königshaus
und das Bier

Von Karin Lukas-Eder | Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit der Flamen.

Ihnen allen ein Frohes Neues Jahr 2014! Vor dem Ausblick auf das Jahr 2014 lassen Sie mich kurz auf das vergangene Jahr zurückblicken. Für Belgien in einer Hinsicht ein ganz besonderes Jahr: Das Land bekam einen neuen König. Die schweren Anschuldigungen hinsichtlich seiner Affäre und unehelicher Tochter sowie sein schlechter gesundheitlicher Zustand haben König Albert II dazu bewogen (gezwungen?), den Thron an seinen Sohn Philippe zu übergeben. Es war eine Krönung der anderen, bescheidenen Art. Keine Anwesenheit von Vertretern anderer Königshäuser, sondern eine Kombination der „fast beiläufigen“ Krönung mit den Feierlichkeiten des belgischen Nationalfeiertages. Zur Verfügung stehendes Budget (für beides): 500.000 Franken – das sind etwa 12.395 Euro.

Glauben Sie mir: es war ein rauschendes Fest, mit Glamour, wie es die belgische Bevölkerung mag. Strahlendes Wetter, eine tolle Parade, Gänsehaut beim Erscheinen der neuen Königsfamilie am Balkon des Regierungspalastes (wenn auch viel zu kurz!). Viel Jubel, Trubel, Heiterkeit, viel Nähe zum neuen Königspaar beim Fest im Stadtpark (König und Königin zum Angreifen!) und ein herrliches Abschlussfeuerwerk. Werfen Sie noch einmal einen Blick auf das verwendete Budget…

Kommen wir zum Jahr 2014. Der neue König hat es nicht leicht. In seiner Weihnachtsrede überzeugte er uns von seinem positiven Denken und seinem Vertrauen in sein Land. Nichtsdestotrotz schwebt das Damoklesschwert „Wahljahr“ über Belgien.

Die Wahlen zum Europaparlament (wo bedauerlicherweise nur maximal die Hälfte der Wahlberechtigten ihr Wahlrecht nutzt – aber vielleicht wird es dieses Jahr ja anders?) möchte ich jetzt nicht kommentieren. Ich spreche über die Wahl des belgischen Parlaments Ende Mai 2014. Zu tief sitzt immer noch der Schock hinsichtlich der vergangenen Wahlen, wo es erst nach eineinhalb Jahren gelang, eine neue Regierung ins Amt zu bringen. Das Wahlergebnis spiegelte deutlich den

Meinung

immer stärker werdenden Konflikt zwischen Flamen und Wallonen wieder.

Dies hat heutzutage vor allem wirtschaftliche Gründe. Früher war das landwirtschaftliche Flandern noch das Armenhaus des Landes, die Wallonie die „reiche“ Region aufgrund der Kohle- und Stahlindustrie. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Flamen haben es verstanden, in andere Industriezweige zu investieren. Sie verfügen heute über ein Bruttoinlandsprodukt, welches um rund ein Drittel höher ist als in der Wallonie. In Flandern gibt es nur halb so viele Arbeitslose wie in der Wallonie. Ich selbst bevorzuge Handwerker aus Flandern, da sie bessere und exaktere Arbeit verrichten. Dafür war ich aber gezwungen, mir die flämische Sprache anzueignen. Kein Flame spricht Französisch. Und wie sollte ich ohne die flämische Sprache unseren Rauchfangkehrer oder Elektriker bestellen?

Jeder besteht auf die eigene Sprache! Im Gegensatz zu Kärnten in Österreich, stellt dies bei verwaltungstechnischen und organisatorischen Belangen seit jeher in Belgien kein Hindernis dar: Straßenschilder, Geschäftsnamen, Formulare und Hinweise – alles in zwei bzw. drei Sprachen – deutsch gehört auch noch dazu.

Das große Problem haben die Flamen jedoch mit dem jährlichen Finanztransfer in Milliardenhöhe zugunsten des ärmeren Südens. Und hier sind wir beim heiklen Punkt: Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit der Flamen. Die kommenden Wahlen stellen das Land vor die Zerreißprobe. Der Neu-Flämischen Allianz wird ein deutlicher Wahlsieg vorausgesagt. Das Thema Spaltung des Landes wird wieder durch die Medien gehen.

Aber in belgischen Kreisen heißt es, dass zwei Sachen das Land dennoch zusammenhalten: Das Königshaus und das Bier. Die Leidenschaft für das belgische Bier ist ungebrochen, der neue König steht vor seiner ersten großen Herausforderung.