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punktierte Linie

Einer Löwin nie die Babys wegnehmen

Von Manfred Schiechtl | Alte Mode kommt wieder – aber die Postleitzahl? Über ein ungewöhnliches Comeback…

Wenn Frauen sich nicht von einem alten Paar Schuhe, einer Handtasche oder einer Bluse trennen können, es aber aufgrund der aktuellen Mode nicht tragbar ist, dann landet das Teil ganz bestimmt nicht an einem Ort – im Müll. Es kommt erstmal in das ganz persönliche Langzeitlager. Sollte man als Mann einen fragenden Blick aufsetzen, ziehen sich bei der Frau die Augen zu engen, drohenenden Schlitzen zusammen und es folgt der Satz: „Das kommt wieder!“ Ende der Diskussion. Als Mann fügt man sich am besten ganz schnell. Mann kann ja auch einer Löwenmutter nicht die Babys wegnehmen – das Resultat der Reaktion wäre in beiden Fällen das gleiche.

Und es stimmt ja. Viele Sachen kommen wieder in der Mode. Völlig erstaunt war ich allerdings zuletzt immer wieder über das Comeback der Postleitzahlen. Als digitaler Briefeversender habe ich ja nicht viel am Hut mit Kuverts, Briefmarken – und ja, eben mit Postleitahlen. Ein Comeback an völlig ungewöhnlicher Stelle und nicht in Sichtweite eines Postamtes. Beispielsweise im Elektronikmarkt. Immer wieder höre ich die Frage nach der Postleitzahl an der Kasse. Mein fragender Blick, was dies mit einem Einkauf eines Milchaufschäumers zu tun habe, wird von der Kassiererin genauso abweisend behandelt, als ob ich ihre Löwenbabys entwenden möchte. Bleibe ich mit leeren Händen zurück – ohne Löwenbabys (gut so), aber auch ohne Antwort.

Jetzt trifft es sich bestens, dass in meinem Freundeskreis auch ein Marketingexperte anzutreffen ist. Im Gegensatz zur Kassiererin im Elektronikmarkt (warum eigentlich?) habe ich dort keine Skrupel, meine Frage auch verbal zu stellen.

Meinung

Vielleicht weil er ein Mann ist? Die Antwort ist simpel. „Die möchten doch bloß sehen, woher ihre Kundschaft kommt.“ Doch erstens sind simple Antworten selten, zweitens sitzt der Gedanke tief, dass dies noch nicht alles sein kann.

Ich forsche also auf eigene Faust nach und die Antwort ist – frei nach Göthes Faust – teuflisch und am Ende mitunter auch tragisch. Für den, der die Postleitzahl auch nennt. Damit geht man mitunter wirklich einen Pakt mit dem „Teufel“ ein. Das Gold, das Marketingabteilungen gerne schürfen, sind Adressen. Wenn einen nun beispielsweise eine Kassiererin in einem Elektronikmarkt nach der Adresse fragen würde, wer würde diese wohl herausrücken. Niemand. Zahlt jemand mit Bankomat- oder Kreditkarte, hat ein Handelsunternehmen aber schon den ersten wichtigen Teil einer Adresse. Den Namen. Fehlt noch die Anschrift selbst. Und hier kann die Postleitzahl versteckte Schützenhilfe leisten. Name und Postleitzahl ergibt aus einem Adressregister (früher Telefonbuch) eine vollständige Adresse. Bingo! Mittlerweile gibt es sogar Serviceunternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, auf diese teuflische Weise eine Adresse herauszufinden. Die Dienste werden Handelsunternehmen angeboten. Und was geschieht dann mit der Adresse? Da sind wir dann wieder bei der Post – schauen Sie mal in den Briefkasten, welch interessante Angebote ihnen plötzlich – beispielsweise ein Elektronikmarkt – zuschickt 😉

PS: Hier ein interessantes Lesestück, wie es heute in den USA in dieser Causa mittlerweile zur Sache geht. Morgen bei uns?