Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 2:00 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Die Glaubenskriege um Konsum-Götzen

Von Manfred Schiechtl | Die modernen „Kreuzzüge“ sind für mich die erste „Sportart“, wo es immer zwei Sieger gibt.

Wenn man sich die Kommentare unter bestimmten Artikeln auf Newsportalen durchliest oder an sogenannten Stammtischen ganz aufgeregten Diskussionen lauscht, dann möchte man manchmal glauben, dass unsere Konsumgesellschaft neue „Religionen“ hervorbringt. Da wird jedes Gespräch zum Duell, als ob es um eine verbale Boxweltmeisterschaft geht. Foren-Diskussionen zu regelrechten Kreuzzügen. Als Zaungast ist das für mich oft spannender, als der beste Thriller im Kino. Ganz aufgeregt verfolge ich die spektakulären Duelle.
Aufwärtshaken, Jab, dann in den Infight und am Ende das Knockout. Und als Sieger fühlen sich dann erstaunlicherweise alle Kontrahenten. Es ist für mich die erste „Sportart“, wo es immer zwei Sieger gibt.

Die Lager der neuen „Religionen“ stehen sich ebenso unerbittlich gegenüber, wie fundamentalistische Kreise in althergebrachten, richtigen Relgionen. Mit dem einzigen Unterschied, dass Konsum-Götzen angebetet werden. Sei es durch die Fanboys, so der Name dieser „Gläubigen“, aus dem Lager von Apple oder Android in Form von Smartphones der verschiedenen Hersteller oder aus den Fan-Lagern von McDonalds oder Burger King, ernährungstechnische Kalorienbomben betreffend. Und alle lassen es verbal ordentlich krachen, wenn es Lager gegen Lager, Produkt-Götze gegen Produkt-Götze geht. Argumenten wird kein Glaube geschenkt, ketzerische Untergriffe stehen an der Tagesordnung, nur unterbrochen von missionarischen Überzeugungsversuchen. Bekehrungen sind allerdings auszuschließen.

Meinung

In diese Fan-Kreuzzüge eingeschaltet hat sich nun in Norwegen eine der angebeteten Glaubensrichtungen, nämlich die US-Fast-Food-Kette Burger King. Und zwar mit einer erstaunlichen Idee. Um nur Jünger des eigenen „Glaubens“ in der „Kirche“ zu versammlen, hat man den eigenen Facebook-Fans Gutscheine für ein Essen beim Rivalen McDonalds angeboten. Ziel war es, die wahren Fans von den falschen zu trennen – und nur die loyalsten Kunden auf eine neue Fanpage mitzunehmen. Rund 30.000 McDonalds-Fanboys nahmen das Angebot an, für einen Big Mac nicht auf die neue Burger-King-Seite zu wechseln. Nun nehmen nur noch die wahren Burger-King-Gläubigen an der Facebook-„Messe“ teil und huldigen der Götze namens Whopper.

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich verehre ein iPhone, ein iPad und einen iMac und ich mag weder Big Mac noch Whopper – dafür sind die Pommes frites bei Burger King um Klassen besser. Und dennoch: Nie im Traum würde mir einfallen religiösen Fanatismus zu entwickeln, wenn es um meine Marken-Götzen geht.

Ich halte viel von dem klugen Spruch des Menschenfreundes und Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer: „Wer glaubt, ein Gläubiger zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

Also – zurück auf den Boden. Weg mit Fanatismus. Oder wollt ihr ein Smartphone oder ein Burger sein? Ich mit Sicherheit nicht – ich möchte ja, dass Sinnvolleres aus meinem Mund kommt, wenn ich ihn öffne – nicht nur ein lustiger Klingelton 😉