Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 2:05 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Ich teile Niki Laudas Meinung nicht

Von Manfred Schiechtl | Ich liebe es,
im Kreis zu fahren.

Damit jetzt niemand auf falsche Gedanken kommt: Nein, ich verbringe nicht den ganzen Tag im Auto. Dennoch widme ich mich auch in Episode 02 der „Alltagsdinge“ dem Straßenverkehr. „Ich will nicht mehr im Kreis fahren“, hatte Österreichs Formel-1-Legende Niki Lauda denkwürdig als Grund für die Beendigung der Karriere 1979 angegeben. Wie der Stand bei Lauda heute ist (für sein Comeback 1982 machte er ja offensichtlich eine Ausnahme), weiß ich nicht. Für mich gilt es jedenfalls nicht. Ich liebe es, im Kreis zu fahren. Sofern es sich dabei um einen Kreisverkehr des öffentlichen Straßennetzes handelt. Für mich gibt es daher – derzeit – keinen Grund meine Autofahrerkarriere zu beenden. Mag auch damit zusammenhängen, dass es mir unpraktisch erscheint, längere Distanzen zu Fuß zurückzulegen.

Wie so vieles wurde der Kreisverkehr in den USA erfunden. In New York durften die Menschen 1904 erstmals einen derartigen „straßenbaulichen Verkehrsknotenpunkt“ am Columbus Circle bewundern. 1907 folgte der riesige Kreisverkehr am Triumphbogen in Paris. Wann die ersten Tiroler diese Weltneuheit zu sehen bekamen, ließ sich leider nicht eruieren. Allerdings scheint man in Tirol bzw. in Österreich, an dessen Straßenverkehrsordnung man sich auch im Land am Inn zu halten hat, einen gänzlich anderen Zugang zur Thematik zu haben. Während man in Deutschland oder in der Schweiz mit einem einladenden blauen Hinweisschild einen Kreisverkehr freundlich ankündigt, wird der Autofahrer hierzulande alarmiert, wenn ein derartiger Verkehrsknotenpunkt auf seiner Route liegt: mit einem roten Gefahrenschild.

Meinung

Ich muss zugeben, dass sich die Ansicht jenes Verantwortlichen, der dies entschieden hat, mit meinen Erfahrungen deckt. Warnung tut Not. Zwar will ich nicht behaupten, dass Deutsche oder Schweizer besonnenere Autofahrer wären, aber anscheinend teilen viele Tiroler gewisse Gene mit der Tiroler Rennfahrerikone Gerhard Berger. Vor allem, wenn es sich um zweispurige Kreisverkehre handelt. Wenn gerade kein Formel-1-Grand-Prix im Fernsehen übertragen wird, bietet sich ein Zuschauerplatz an einem heimischen Kreisverkehr als adäquates Ersatzprogramm an. Da wird gedrängelt, ausgebremst, auf der Innenspur überholt, dass man am liebsten auch noch die Helmpflicht als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme für die Durchquerung eines Kreisverkehres einführen möchte. Für das gesetzeskonforme Setzen eines Blinkers haben viele Mini-Bergers auch keine Hand frei. Zu sehr sind sie damit beschäftigt, beidhändig am Lenkrad zu drehen um, ja keinen Meter Raum zu verschenken.

Ich kenne einige Menschen, die vor wenig Angst haben, aber genau aus den genannten Gründen Kreisverkehre fürchten. Ich kann dies verstehen. Diese Furcht verleitet zudem zu übervorsichtigem Handeln, was wiederum die Mini-Bergers zu noch mehr Einsatz anzustacheln scheint. Die gegensätzlichen Handlungsweisen verstärken sich – ein ewiger Kreislauf… Aufmerksame Leserinnen und Leser werden sich jetzt mit einem spitzbübischen Grinser fragen, warum ich dann eingangs mein Herz für den Kreisverkehr gestanden habe. Ganz einfach, und das wissen all jene, die bereits Episode 01 der „Alltagsdinge“ gelesen haben – es ist eine Kreuzung ohne Ampel.