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Können Tests Lügner entlarven?

Von Dr. Andrea Koschier | „Gibt es psychologische Tests, die erkennen, ob ich lüge?“

Herr O. schreibt:

Hallo Frau Koschier!
Meine Freunde und ich haben kürzlich über psychologische Tests diskutiert. Einer – er musste schon einmal zum so genannten „Psychotest“ – ist der Ansicht, es gebe psychologische Tests, die erkennen, ob man lügt. Ich halte das für unmöglich – wie soll denn ein Test wissen, ob ich lüge?
Vielen Dank für Ihre Antwort,
Max O.

Hallo Herr O.!

Lassen Sie mich ein wenig ausholen: Die meisten psychologischen Tests werden in Form eines Fragebogens durchgeführt. Dieser besteht aus einer bestimmten Anzahl von Fragen (Items), die später zu Skalen zusammengefasst werden. Eine solche Skala kann z.B. Extrovertiertheit sein. Viele Fragebögen enthalten aber auch Offenheits- oder Lügenskalen, um herauszufinden, ob eine Person sich im Test verstellt und sozial erwünschte Antworten gibt. Natürlich weiß ein Test nicht, ob einzelne Fragen wahrheitsgetreu beantwortet

Lebenswert

wurden. Doch ein guter Test erkennt, ob eine Tendenz vorliegt, die Wahrheit zu verschleiern. Und: Er lässt sich nicht durchschauen, das heißt, die Testperson erkennt nicht, ob eine bestimmte Frage ein so genanntes Persönlichkeitsmerkmal oder die Tendenz zu lügen testet.

Ich darf Ihnen ein Bespiel nennen: Der MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory) ist der Rolls Royce unter den Persönlichkeitstest. Er umfasst sehr viele kurze Fragen, die mit einem einfach Ja oder Nein beantwortet werden müssen. Solche Fragen könnten lauten: „Mögen Sie jeden Ihrer Bekannten?“ oder „Sind Sie noch nie mit dem Auto zu schnell gefahren?“ Weiters werden einige Fragen im Laufe des Tests wiederholt oder es werden sehr ähnliche Fragen gestellt. Haben Sie bei mehreren Fragen nicht die Wahrheit gesagt, könnte es bei 567 Fragen am Ende ganz schön schwierig werden, sich die „Lügen“ zu merken. Am Ende könnte also der Versuch, sich gut zu präsentieren arg in die Hose gehen.

Viele Grüße,
Andrea Koschier