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Unsere Tochter schläft zu wenig

Von Dr. Andrea Koschier | Sie zeigt aber auch keine Anzeichen von Müdigkeit.

Familie N. schreibt: „Wie viel Schlaf ist normal?“

Hallo!
Wir haben eine Frage zum Schlaf unseres Babys. Unserer Meinung nach schläft unsere Tochter einfach zu wenig. Gleich nach Maries Geburt fiel uns auf, dass sie im Vergleich zu ihrer gleichaltrigen Cousine etwa drei Stunden weniger schlief. Es waren wahrscheinlich nie mehr als 13 Stunden. Gleich danach nahm der Schlaf noch weiter ab. Mit vier Monaten „brauchte“ sie unter tags nur noch zwei Nickerchen mit ca. 20 Minuten und nachts schlief sie nie mehr als zehn Stunden.

Jetzt ist unsere Tochter neun Monate alt und – wir haben es gemessen – sie kommt mit weniger als neun Stunden Schlaf aus. Was uns überrascht ist, dass sie auch keine Anzeichen von Müdigkeit, wie etwa Augenreiben oder schlechte Laune, aufgrund von Übermüdung zeigt. Sie braucht ein wenig Hilfe zum Einschlafen, aber das ist okay. Für uns ist es natürlich anstrengend, dass sie kaum mehr schläft als wir selbst. Wir haben so kaum einmal eine Pause. Bitte sagen Sie uns, ob das normal ist. Danke!“

Meine Antwort:
Liebe Familie N.!
Das Schlafverhalten ihrer Kindern stellt für viele Eltern eine enorme Herausforderung dar. Es ist daher seit langem Gegenstand intensiver Forschungen. Mittlerweile wissen wir einiges über Quantität und Form des Schlafes. Der kindliche Schlaf hat zumindest zwei Besonderheiten: Erstens unterliegt er besonders in den ersten zwei Lebensjahren vielfachen Veränderungen, und zweitens schläft kein Kind so wie das andere: Beispielsweise schläft das durchschnittliche

Lebenswert

Neugeborene 16 Stunden, „Wenigschläfer“ kommen mit zehn Stunden aus, während „Murmeltiere“ – und deren Eltern – 22 Stunden Schlaf genießen. In dieser Zeit ist der Schlaf mit ca. sechs bis acht Wach-Schlaf-Zyklen noch gleichmäßig auf Tag und Nacht verteilt. Im Unterschied zum Erwachsenen schlafen Neugeborene „leichter“ – insgesamt scheint der Schlaf störungsanfällig.

Mit ca. drei bis vier Monaten schlafen Babys durchschnittlich 15 Stunden, wobei der Schlaf schon großteils in die Nachtstunden verlegt wird. Mit neun Monaten schlafen Babys etwa 14 Stunden pro 24 Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt reagiert der kindliche Schlaf auf folgende Faktoren: auf Dunkelheit (mit drei Monaten), auf die Reifung des Gehirns und die Ausschüttung des Hormons Melatonin, auf Körpertemperatur (mit sechs Wochen) – und auf Gewohnheiten. Weiters auffällig ist, dass viele Kinder im ersten Lebensjahr in der ersten Nachthälfte besser schlafen als in der zweiten. Dies kann damit erklärt werden, dass in der ersten Nachthälfte hauptsächlich Tiefschlaf und in der zweiten Nachthälfte hauptsächlich der unruhige REM-Schlaf stattfindet.

Um ihre Frage nach der Normalität zu beantworten: Ihre Tochter schläft im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters wenig. Sie selbst scheint jedoch mit wenig Schlaf gut auszukommen, somit kann nicht wirklich von einer Schlafstörung gesprochen werden. Was jedoch bleibt, ist die hohe elterliche Belastung durch die fehlenden Pausen. Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, gönnen sie sich immer wieder eine Auszeit und nehmen Sie Entlastungsangebote an, damit sie sich weiterhin mit viel Liebe und Energie ihrer Tochter widmen können.