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Film-, Fernseh-
und Theaterperlen

Von Harald Mayr | Die Tipps vom 10. Jänner bis zum 23. Jänner 2015.
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Im Fernsehen:

Samstag | 10. Jänner | MDR | 20:15-21:45 | Tatort: Fakten, Fakten
Wer das Team aus Münster Axel Prahl und Jan Josef Liefers gerne sieht, liegt bei diesem launigen Krimi richtig.
Sonntag | 11. Jänner | ORF1 | 22:10-0:25 | Der fremde Sohn
Ein guter Film von Clint Eastwood, der unter die Haut geht, mit Angelina Jolie. Der Inhalt ist interessant und ungewöhnlich.
Montag | 12. Jänner | ARTE | 20:15-22:05 | Vier Minuten
Das ist einer meiner Lieblingsfilme mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung. Ein internationaler Festivalhit. Eine Klavierlehrerin gibt einer jugendlichen Mörderin im Gefängnis Klavierunterricht.
Mittwoch | 14. Jänner | ORF2 | 23:50-1:40 | Die Fremde
Eine berührende Geschichte über eine türkische Familie mit der hinreißenden Sibel Kekilli. Diese harmonische Familie lässt sich durch althergebrachte Traditionen zum sogenannten Ehrenmord treiben.
Donnerstag | 15. Jänner | ATV2 | 20:15-22:35 | Das Konzert
Ein französischer Kinohit, der viele Preise errungen hat. Ein ehemaliger Bolschoi-Dirigent weigert sich, jüdische Musiker aus dem Orchester zu entlassen und wird von den Kommunisten zur Putzkraft degradiert. Er trommelt daraufhin seine ehemaligen Musikerkollegen für ein ergaunertes Gastspiel in Paris zusammen.
Freitag | 16. Jänner | EINS FESTIVAL | 20:15-21:45 | Schuld sind immer die Anderen
Ein sehr ambitionierter Film. In einer Einrichtung des freien Strafvollzuges trifft der Täter auf eines seiner Opfer.
Dienstag | 20. Jänner | WDR | 23:15-0:40 | Über uns das All
Ein hochprämierter Film mit der wunderbaren Sandra Hüller in einer interessanten Story.
Dienstag | 20. Jänner | DAS ERSTE | 0:20-2:30 | Im Winter ein Jahr
Diesen Film habe ich erst kürzlich zu Weihnachten gesehen. Er hat meiner Gattin und mir sehr gut gefallen. Ich empfehle ihn daher sehr gerne. Karoline Herfurth spielt die Hauptrolle. Sie ist eine faszinierende, wandlungsfähige Schauspielerin. Für mich war das bisher ihre beste Rolle.
Donnerstag | 22. Jänner | NDR | 22:00-23:30 | Der verlorene Sohn
Der Film behandelt ein aktuelles Thema. Die Konvertierung eines Burschen zum Islam und der Versuch seiner Integration in die deutsche Gesellschaft.
Donnerstag | 22. Jänner | 3SAT | 22:25-0:15 | So viele Jahre liebe ich dich
Ein wunderbarer Film, den man unbedingt aufnehmen sollte. Er hat den Europäischen Filmpreis bekommen. Dieser Film ist der Grund dafür, dass ich Kristin Scott Thomas so liebe. Sie spielt eine Frau, die aus dem Gefängnis entlassen wurde und mit Hilfe ihrer Schwester resozialisiert werden soll.
Freitag | 23. Jänner | ZDF KULTUR | 20:15-21:45 | Waffenstillstand
Ein guter Film über Medikamententransporte im Irak und die ständige Konfrontation mit der tödlichen Gefahr. Matthias Habich spielt sehr glaubhaft einen idealistischen Arzt.

Oper, Ballett und Schauspiel im Fernsehen:

Samstag | 10. Jänner | 3SAT | 20:15-22:25 | Schwanensee
Ballett von Peter Iljitsch Tschaikowsky aus der Wiener Staatsoper 2014. Die ca. 50 Jahre alte Choreografie von Rudolf Nurejew wurde neu ausgestattet und vom derzeitigen Ballettdirektor der Wiener Staatsoper Manuel Legris herausgeputzt. Die Doppelrolle der Odette und Odile tanzt Olga Esina, der derzeitige Star an der Wiener Staatsoper. Es ist eine wunderbare, himmlisch schöne Ballettaufführung auch für Kinder. Ich habe schon viele Schwanenseen (auch live) gesehen, aber diese Vorstellung ragt heraus. Kleiner Minuspunkt ist Vladimir Shishov als Prinz Siegfried, der leider bei dieser Aufzeichnung keinen besonders guten Tag hatte.
Sonntag | 11. Jänner | ORF III | 17:30-19:25 | Die Zirkusprinzessin
Verfilmung der Operette von Emmerich Kálmán aus dem Jahre 1970 mit dem von mir noch immer verehrten Rudolf Schock sowie Ingeborg Hallstein, Jane Tilden und Ernst Waldbrunn.
Sonntag | 11. Jänner | ORF III | 20:15-23:05 | Der Barbier von Sevilla
Oper von Gioachino Rossini aus der Metropolitan Opera New York aus dem Jahr 2007. Es steht Maurizio Benini am Dirigentenpult, mit Joyce diDonato als Rosina, Juan Diego Florez als Almaviva und Peter Mattei als Figaro.
Samstag | 17. Jänner | 3SAT | 20:15-22:45 | Otello
Oper von Giuseppe Verdi von den Salzburger Festspielen 2008. Dirigent: Ricardo Muti, Otello: Aleksandr Antonenko, Desdemona: Marina Poplavskaya, Jago: Carlos Álvarez. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war diese Aufführung trotz Ricardo Muti kein Erfolg. Um einen wirklich guten Otello erleben zu können, wird man warten müssen, bis sich Anna Netrebko und Jonas Kaufmann die Rollen von Desdemona und Otello erarbeitet haben.
Sonntag | 18. Jänner | ORF III | 17:30-19:10 | Der Zigeunerbaron
Verfilmung der Operette von Johann Strauss aus dem Jahr 1975 mit Ellen Shade, Janet Perry, Martha Mödl, Siegfried Jerusalem und Wolfgang Brendel.
Sonntag | 18. Jänner | ORF III | 20:15-22:00 | La Bohème
Oper von Giacomo Puccini von den Bregenzer Festspielen 2001 mit Rolando Villazón als Rodolfo und Alexia Voulgaridou als Mimi. Musikalische Leitung: Ulf Schirmer.

Meine Kulturreise nach Hamburg:

Es ist mir bisher ganz selten passiert, dass ich wutentbrannt eine Vorstellung schon in der Pause verlassen habe. Wo? Im Thalia-Theater Hamburg bei der Vorstellung „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen. Der Regisseur: Jan Bosse.

Von Beginn an überdreht, überkandidelt mit langen Sprechpausen, in denen man meint, die Schauspieler haben einen Texthänger. Es wird gefuchtelt, geschrien, sich kasperlhaft und möglichst unnatürlich benommen, mit Wasser umher gespritzt, sinnlos hin- und hergegangen, sich vier Mal (Achtung Regiegag!) auf dieselbe Art und Weise auf ein Biedermeiersofa gesetzt… Als dann die typisch norwegischen Ibsen-Worte „Nö, wir haben ja ganz doll Zeit“ fielen, hatte ich genug. Für mich war die Zeit gekommen, fluchtartig das Theater zu verlassen.

Übrigens: Ich bin jetzt das vierte Mal zu Weihnachten nach Hamburg zu Schauspielen, Balletten und Opern gefahren. Bis jetzt war ich eigentlich immer ganz angetan… Aber so etwas kann auch passieren.

Am Vortag war ich in „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Das war eine hervorragende Vorstellung, die meine meine Erwartungen ganz erfüllt hat.

Anna Netrebko:

Ich war hingerissen und verzaubert von — Sie werden es nicht glauben! — einer Operette, die konzertant aus der Semperoper Dresden übertragen wurde. Anna Netrebko und Juan Diego Florez in den Hauptpartien sangen und spielten in der Csardasfürstin. So muss Operette gebracht werden. Anna Netrebko hat außer ihrem goldenen Timbre durch die Beschäftigung mit der dramatischen Partie der Lady Macbeth offenbar an Tiefe gewonnen, die ich bei einer Operettendiva noch nie gehört habe. Ihr Brustregister strömt samtig und erotisch auf den Zuschauer zu (Beispiel: „Weißt Du es noch“). Sie tanzt temperamentvoll und schaut so blendend aus, dass man sich rettungslos in sie verlieben muss.

Die Eleganz, Lockerheit und Strahlkraft der Spitzentöne von Juan Diego Florez überträgt sich auch in der Operette, und so ist er für mich trotz Jonas Kaufmann unerreicht. Ob sich dieser Eindruck auch dem Besucher in der Oper so vermittelt hat, kann ich nicht sagen. Es waren sehr viele Mikrophone zur Stimmverstärkung aufgebaut. Überrascht war ich vom Dirigat von Christian Thielemann. Er vermittelt durch seine Ritartandi und große Einfühlung in das Genre pure Operettenseligkeit.

Fazit: Der oftmalige Hinweis vom Publikum, dass man Operette im Gegensatz zur Oper zu leicht befände, ist für mich nicht stichhaltig. Es kommt immer auf die Qualität an.

Schwanensee aus der Wiener Staatsoper. Siehe Operntipps…