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Film-, Fernseh-
und Theaterperlen

Von Harald Mayr | Die Tipps vom 20. September bis zum 3. Oktober 2014.
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Im Fernsehen:

Sonntag | 21. September | PULS4 | 20:15-22:30 | Das perfekte Verbrechen
Mit Werbepausen! Nachdem Anthony Hopkins seine Frau ermordet hat, scheint für Staatsanwalt Ryan Gosling ein klarer Fall vorzuliegen, doch dann lösen sich seine Beweise in Luft auf. Gut konstruierter, vorzüglich besetzter Thriller, der vertraute Genremuster unterhaltsam und solide aufbereitet.
Sonntag | 21. September | DAS ERSTE | 21:45-23:45 | Liebe
Wunderbarer Film über das Altern und das Sterben vom österreichischen Regisseur Michael Haneke. Oscarwürdige schauspielerische Glanzleistungen von Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant.
Montag | 22. September | ZDF | 0:50-2:20 | Fremdgehen
„Sie wollen einen Kuss von Ihrer türkischen Putzfrau?“, fragt Meryem. Nikolas will mehr als das. Er will mit ihr zusammenleben, weil er sie aufregender findet als seine Ehefrau Lilith, der er nicht mehr viel zu sagen hat.
Dienstag | 23. September | 3SAT | 20:15-21:40 | Riskante Patienten
Sehr interessante Story. Aus einem Heilpraktiker-Weichei wird ein Verbrecher. Besonders gut Corinna Kirchhoff, die wunderbare Theaterschauspielerin.
Donnerstag | 25. September | SWR | 23:45-1:10 | Whatever Works
Eine sehenswerte Liebeskomödie auf höchstem Niveau von Woody Allen, die gekonnt mit Klischees und Wahrnehmungen spielt. Ein exzentrischer älterer Mann aus Greenwich Village lässt sich auf eine Serie von Liaisons ein, die ihn schließlich mit Melodie, einem frechen jungen Mädchen aus dem Süden, und ihren Eltern in Kontakt bringen. Allerdings verläuft dieses Aufeinandertreffen wenig harmonisch, da jeder ein Problem mit dem anderen hat.
Samstag | 27. September | BAYERN | 20:15-21:45 und 22:00-23:30 | Der Turm (Zweiteiler)
Ich empfehle Uwe Tellkamps Geschichte über eine Dresdner Familie vor dem Mauerfall zum x-ten Mal. Bei einem Dresden-Besuch sollte man in das Villenviertel „Weißer Hirsch“ gehen, wo dieser Film spielt. Es ist beim Bombardement im Jahre 1945 weitgehend unversehrt geblieben. Der „Turm“ erzählt vom Niedergang der DDR, von einer bildungsbürgerlichen Familie, die zwischen Opportunismus und Trotz nach Nischen im realen Sozialismus sucht. Der Zweiteiler nach Tellkamps Roman zeigt, wie Ideale an den Mauern der ideologischen Diktatur zerschellen.
Samstag | 27. September | BAYERN | 23:30-1:00 | 12 heißt: Ich liebe dich
Großartiger Film aus der ehemaligen DDR. Liebe zwischen Täter und Opfer. Ein Stück mit zwei tollen Schauspielern: Claudia Michelsen und Devid Striesow. Ein Kammerspiel nach einer wahren Begebenheit. Es gab Proteste der Opferverbände gegen die Ausstrahlung.
Montag | 29. September | ZDF | 20:15-21:45 | Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter
Wieder die DDR, aber sehr interessant. Ein Mordfall aus DDR-Zeiten soll 1999, ein Jahr vor der Verjährungsfrist für alle ostdeutschen Straftaten vor der Wende, noch einmal überprüft werden. Eine Wessi-Polizistin und ein Ossi-Kollege stoßen auf Ungereimtheiten.
Montag | 29. September | ARTE | 20:15-22:10 | In einer besseren Welt
Wunderbarer Film meiner Lieblingsregisseurin Susanne Bier. Anton ist ein Arzt ohne Grenzen, der in einem afrikanischen Flüchtlingscamp Leben rettet. Doch sein eigenes Leben in der dänischen Heimat hat er nicht im Griff. Seine Ehe steht vor dem Aus, worunter sein zehnjähriger Sohn Elias leidet. Die Situation verschlimmert sich noch, als dieser sich mit dem neuen Mitschüler Christian anfreundet, dessen Mutter gestorben ist. In den Augen der Klassenkameraden werden die Freunde zu Außenseitern. Aus Frust wird bald blanke Wut.
Donnerstag | 2. Oktober | NDR | 22:00-23:30 | Letzter Moment
Sehr guter Film, jedoch der Altersunterschied zwischen dem Liebespaar Matthias Habich und Ulrike C. Tscharre ist mir einfach zu groß, um diese Beziehung glaubhaft zu vermitteln.
Freitag | 3. Oktober | 3SAT | 20:15-22:35 | Buddenbrooks
Der Film, exzellent gemacht, fußt auf dem bekannten Roman von Thomas Mann, natürlich mit hervorragenden Schauspielern wie Armin Mueller-Stahl, Jessica Schwarz und Mark Waschke. Da ich das Buch sehr liebe, finde ich auch den Film sehr gut.
Freitag | 3. Oktober | ZDF | 22:15-23:55 | Barbara
Sehr gute Arbeit, wieder über die DDR – 1980, also vor der Wende. Die spröde Heldin Nina Hoss wird einem nahe gebracht. „Barbara“ ist kein Film über die „böse“ DDR. Es ist ein ästhetisch feinsinniger Film, der vieles angenehm in der Schwebe hält.
Freitag | 3. Oktober | ZDF | 1:30-3:50 | Ray
Der Film zeigt die Kindheit von Ray Charles, seine Erblindung und den Beginn seiner musikalischen Laufbahn im Jahr 1947. Er befasst sich mit seinem Aufstieg, seiner einzigartigen Karriere, seiner Heirat, den Kindern, den Geliebten und mit seiner Heroinsucht. Der Film endet kurz nach seiner Entziehungskur Ende der 70er Jahre. Oscar für den großartigen Hauptdarsteller Jamie Foxx.

Oper, Ballett und Schauspiel im Fernsehen:

Sonntag | 21. September | SERVUS TV | 11:05-12:55 | Rigoletto
Oper von Giuseppe Verdi. Die erste Fernaufzeichnung aus dem neuen Festspielhaus in Erl.
Sonntag | 21. September | ORF III | 16:15-17:30 | Ollapotrida
Ein sehr lustiges Schauspiel von Alexander Lernet Holenia aus dem Jahre 1966. Wenn man sehen will, welch grandiose Schauspielerin Christiane Hörbiger war (und ist), muss man sich dieses Theaterstück anschauen.
Sonntag | 21. September | ORF III | 20:15-23:05 | Die verkaufte Braut
Alter Opernfilm des Werks von Friedrich Smetana aus dem Jahr 1982. Dirigent: Adam Fischer, Regie: Otto Schenk mit Lucia Popp, Siegfried Jerusalem, Erich Kunz, Heinz Zednik und Karl Ridderbusch.
Sonntag | 28. September | ORF III | 21:45-22:55 | Gianni Schicchi
Oper von Giacomo Puccini aus der Wiener Staatsoper mit Leo Nucci und Angelika Kirchschlager.
Dienstag | 30. September | 3SAT | 1:45-4:30 | Manon
Oper von Jules Massenet aus der Wiener Staatsoper mit Anna Netrebko und Roberto Alagna.

Tipps für neue DVDs und Leihfilme (z.B. auf iTunes):

Es sind wunderbare neue DVDs erschienen, die ich mir angeschaut habe.

1. Das Mädchen Wadjda (Aussprache: Wodschda)
Ein berührender Film, der in Saudi Arabien spielt und auch dort gemacht wurde. Ein Mädchen wünscht sich verbotenerweise ein Fahrrad. In diesem Land ist es Frauen untersagt Fahrrad zu fahren. Dafür muss sie sich in einer Religionsgruppe drillen lassen, um bei einem Wettbewerb Prüfungen zu bestehen und Koransuren auswendig rezitieren zu können. Es ist dies der erste saudi-arabische Film. Ein Film aus einem Land, in dem Kinos wie das Autofahren von Frauen verboten sind, ist schon etwas Spezielles. Aber nicht nur aus diesem Grund verdient das mit vielen Preisen belohnte Regiedebüt Aufmerksamkeit. Haifaa Al Mansour wirft einen Blick hinter die von männlicher Macht geprägten Kulissen des Königreichs…

2. Die schönen Tage
Der Regisseurin Marion Vernoux gelingt es in ihrem Film „Die schönen Tage“, die prickelnde Affäre zwischen einer attraktiven Frührentnerin und einem bedeutend jüngeren Mann stilsicher zwischen sommerlicher Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu inszenieren. Wer die charismatische Fanny Ardant so liebt wie ich, wird von diesem französischen Film begeistert sein, obwohl es vielleicht doch eher das ist, was man einen Frauenfilm nennen könnte.

3. Eine andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht
Ein wunderbares Drama um ein Dorf im Hunsrück um 1843, in dem der Leidensdruck zu Träumen vom Auswandern führt. Dieser Schwarzweiß-Film dauert allerdings fast vier Stunden und man muss viel Geduld mitbringen.

Tipp für Opernfreunde, speziell für jene der Wiener Staatsoper:

Ich habe mich entschlossen, Vorstellungen der Wiener Staatsoper live und in wunderbarer Bild- und Musikqualität auf dem Fernsehbildschirm bzw. am Computer mitzuerleben. Seit kurzer Zeit gibt es das Streaming-Angebot von Videoaufzeichnungen und Liveübertragungen der Opern. Ich habe so mit meiner Gattin Arabella und den Fliegenden Holländer miterlebt. Wunderbar.

Es geht so:
•   Sich auf culturall (hier zu finden) mit einem Benutzernamen und einem Passwort registrieren.
•   Wahlmöglichkeit: 1. Live-Programm (kostet 14 Euro) – es gibt auch die Möglichkeit ein Wahlabo mit acht Übertragungen zum Preis von 88 Euro oder ein Jahresabo (ca. 50 Übertragungen) zum Preis von 320 Euro zu erwerben. 2. Videothek (kostet fünf Euro)
•   Kaufen mit Kreditkarte/EPS (electronic Banking) oder Einziehungsauftrag.
•   Nach dem Kauf bzw. der Bezahlung ist dann der Stream in „Mein Bereich“.
•   Ideal wäre den PC mit dem Fernseher durch ein Kabel zu verbinden (es geht auch über Tablet z.B. über iPad).
•   Kopfhörer und miterleben!

Hinweis:
Da es bei Videoübertragungen keine Untertitel gibt, habe ich meiner Gattin und mir das Textbuch (z.B. von Arabella) auf die Tablets geladen und mitgelesen (hier zu finden).

P.S. Das Ganze war für jemanden wie mich, der sich ja das Computerzeitalter erst in gehobenem Lebensalter mühsam erarbeiten musste, nicht einfach. Es lohnt sich aber allemal. Das dortige Personal ist sehr hilfreich und geduldig. Telefon-Hilfe: +43/1/7125400712. Mail-Support: support@staatsoperlive.com