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Film-, Fernseh-
und Theaterperlen

Von Harald Mayr | Die Tipps vom 11. Jänner bis 24. Jänner.
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Im Fernsehen:

Sonntag | 12. Jänner | DAS ERSTE | 1:30 | Fremde Haut
Mit der wunderbaren persisch-deutschen Schauspielerin Jasmin Tabatabai.
Montag | 13. Jänner | NDR | 23:15 | Irina Palm
Sehr guter, aber trister Film mit der berührenden Marianne Faithfull.
Freitag | 17. Jänner | ZDF KULTUR | 20:15 | Madonnen
Mit Sandra Hüller, einer wunderbaren Theater-Schauspielerin. Leider auch nicht lustig.
Samstag | 18. Jänner | WDR | 20:15 | Alles auf Zucker!
Endlich! Dieser Film war sehr unterhaltsam.
Sonntag | 19. Jänner | 3SAT | 20:15 | Das weiße Band
Pflichtfilm für jene, die ihn noch nicht gesehen haben. Oftmals prämierte Arbeit des österreichischen Regisseurs Michael Haneke.
Sonntag | 19. Jänner | DAS ERSTE | 23:30 | In einer besseren Welt
Toller Film mit meiner jüdisch-dänischen Lieblingsregisseurin Susanne Bier.
Montag | 20. Jänner | EINS FESTIVAL | 18:30 | Alles auf Zucker!
Wiederholung vom 19. Jänner.
Montag | 20. Jänner | EINS FESTIVAL | 20:15 | In einer besseren Welt
Auch Wiederholung vom 19. Jänner, aber nicht zu nachtschlafender Zeit.
Donnerstag | 23. Jänner | ORF1 | 20:15 | Mein bester Feind
Die Handlung spielt zwar im Dritten Reich, ist aber sehr skurril und zieht nicht so hinunter.

Oper, Ballett und Schauspiel im Fernsehen:

Samstag | 11. Jänner | 3SAT | 20:15 | Der Liebestrank
Oper von Gaetano Donizetti mit Rolando Villazon als Nemorino und als Regisseur, leider nicht mit Anna Netrebko. Ich hege starke Zweifel, ob das gut ist.
Sonntag | 12. Jänner | ORF3 | 20:15 | Lucia di Lammermoor
Oper von Gaetano Donizetti hier mit Anna Netrebko und Piotr Beczala. Dieser Tenor hat sich bei mir schlecht eingeführt. Michelle Breedt, die die fremde Fürstin in der „Rusalka“ im Opernhaus Zürich sang, meinte, ich müsse mir unbedingt Piotr Beczala anhören. Er wäre der legitime Nachfolger des Tenortrios Domingo, Carreras und Pavarotti. Ich fuhr also nach Zürich. Ein Dramaturg trat vor den Vorhang und verkündete, wegen einer Erkrankung könne Piotr Beczala die Rolle des Prinzen heute nicht singen, nur sprechen. Einen anderen Tenor habe man in kurzer Zeit nicht auftreiben können. So hörte ich erstmals eine Oper mit Duetten und Ensembles, wo ein Teil gesungen und gesprochen wurde. Ich fuhr verärgert nach Hause und weiß seit diesem Zeitpunkt, dass ich wegen eines Sängers nirgendwohin mehr fahre. Selbstverständlich bekam man kein Geld zurück.
Sonntag | 19. Jänner | ORF3 | 20:15 | La Cenerentola
Oper von Gioachino Rossini mit Elina Garanca.

Anregungen zum Nachmachen:

Innsbrucker Neujahrskonzert im Congress: Im Gegensatz zum letztjährigen Neujahrskonzert war dies heuer ein glanzvolles Ereignis. Die hohe Qualität und meine Begeisterung gebietet es, die Protagonisten einzeln hervorzuheben. Beginnend mit dem Orchester, das in Hochform spielte unter seinem heurigen Dirigenten Clemens Schuldt, der, wenn auch kein Österreicher, so doch die Walzerseele in Herz und Stab hatte. Die frankokanadische Koloratursopranistin Marie-Eve Munger begeisterte vom ersten Takt an. Sie hatte die technische Brillanz nicht nur mühelos in der „Gurgel“ sondern erfüllte jeden Ton mit Charme, Temperament und Wärme. Nicht zuletzt der Intendant des Tiroler Landestheaters, Johannes Reitmeier, der witzig, sachkundig und sogar auswendig durch das von Operndirektor Roger Boggasch abwechslungsreich zusammengestellte Programm führte.

Kurzbericht einer Vier-Tages-Kulturreise nach Hamburg Ende des Jahres: Hamburgische Staatsoper „Der Nussknacker“, Ballett von John Neumeier, Musik von Peter I. Tschaikowsky. Oh, was für eine wunderbare Vorstellung. So richtig was fürs Herz. Von technischer Perfektion und Präzision will ich gar nicht reden. Ich konnte mich wieder einmal freuen über Arabesque, Attitude, Port de bras usw. und fühlte mich zurückversetzt in Zeiten meiner Liebe zum klassischen Ballett, als ich noch versuchte, die geforderten 32 Drehungen des schwarzen Schwans mitzuzählen. Diese schon 40 Jahre alte, immer noch moderne, klassische Vorstellung sieht man auch an der Bayrischen Staatsoper, aber das Hamburger Ballett unter dem langjährigen, täglichen Zugriff von John Neumeier ist unvergleichlich besser. Ich habe schon verglichen.

Hamburg Thalia Theater – „Platonow“ von Anton Tschechow und die „Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewskij: Diese beiden Stücke waren für mich das Beste an Schauspiel, was ich die letzten Jahre gesehen habe. Jeweils über vier Stunden sitzt man gebannt und aufmerksam auf seinem Platz und vergisst zu atmen. In ähnlicher Qualität, finde ich, kann man so etwas weder in Wien noch in München sehen. So vergehen die Stunden wie im Flug. Die schwierigen Texte kommen den Schauspielern so spontan von den Lippen, dass man meint, sie hätten sich das gerade erst ausgedacht. Mein Lieblingsschauspieler Jens Harzer, der in beiden Stücken die Hauptrollen spielte, wäre für mich ernsthafter Anwärter auf den Ifflandring.

Dazwischen: Stadtrundfahrt, im Portugiesenviertel und in den Collonaden sehr gut Fisch gegessen. Einige Stunden im wunderbaren Tierpark Hagenbeck zugebracht. Kosten (weil ich oft gefragt werde): Bahn Sparschiene (im September geordert) hin und retour 88 Euro. Inter City Hotel, drei Übernachtungen 227 Euro. Ballett, eine Karte (erste Reihe Parkett) 95 Euro. Thalia Theater, zweimal Karten (erste Reihe Parkett) je 35 Euro. Tierpark Hagenbeck mit Tropenhaus, Eintritt 30 Euro. Stadtrundfahrt 15 Euro. Also…