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Beisetzung von Asche im Garten

Von Christine Pernlochner-Kügler | Wenn man die Asche eines Verstorbenen in ein Gewässer verstreuen will, dann begibt man sich in Tirol eindeutig auf den Weg der Illegalität.

Hallo!

Ich finde Ihre Beiträge ganz toll. Da geht es immer um den letzten Wunsch eines Menschen, der sollte doch eigentlich respektiert werden, aber des lieben Geldes wegen wird er nicht respektiert. Ist das nicht traurig?

Da wird geredet vom Besuch am Friedhof und der Trauerstätte. Ein Mensch kann noch so viel Gutes im Leben getan haben, wenn er dort am Friedhof liegt (wo er zwangsbeglückt wird vom Gesetz…), wird er trotzdem schnell vergessen. Alle zehn Jahre, wenn die Grabverlängerung zu zahlen ist, ist es eine lästige Erinnerung, aber man hat den letzten Wunsch des Menschen, seine Asche zu Hause im Garten zu verstreuen, aus irgendwelchen Hintergründen untersagt.

Was kann man tun, um dem Menschen seinen Wunsch zu erfüllen? Mein Vater ist 95 und hat sein Leben als Fischer am Wasser verbracht, möcht‘ daher gerne am Wasser verstreut werden. Was ist daran so falsch? So viel wird an bösen Umweltgiften in die Luft katapultiert, aber Asche soll schaden?

Mit freundlichen Grüßen
Fanziska

Liebe Franziska,

Asche ist grundsätzlich nicht giftig, es werden im Kremationsprozess ja alle Schadstoffe und Gifte herausgefiltert, das übrig bleibende Kalziumgranulat ist überprüfterweise unbedenklich.

Wenn Sie die Asche Ihres Vaters in ein Gewässer verstreuen wollen, dann begeben Sie sich bei uns in Tirol leider eindeutig auf den Weg der Illegalität. Es gibt freilich immer Wege, das Gesetz zu umgehen, aber man sollte sich das vorher einfach gut überlegen. Die einfachste Möglichkeit, dem Wunsch Ihres Vaters zu entsprechen, würde sich ergeben, wenn er oder Ihre Familie ein Privatgrundstück mit einem Gewässer, z.B. einem Fischwasser hätten, dann könnte man nämlich die Beisetzung der Asche auf diesem Grundstück erwirken, ob die Asche dann dort beigesetzt oder ins Wasser gestreut wird, wird nicht wirklich kontrolliert.

Lebenswert

Hierfür muss ein Antrag bei der Bezirkshauptmannschaft gestellt werden, bei dem alle Grundstückseigentümer eine Einverständniserklärung unterzeichnen und begründen, warum die Asche auf dem Grundstück beigesetzt werden soll. Dem Antrag beizulegen ist ein aktueller Auszug aus dem Grundbuch, sowie eine Kopie des Grundstücksplanes mit einem Vermerk an der Stelle, an der die Urne beigesetzt werden soll. Nach Prüfung der Unterlagen durch die Bezirkshauptmannschaft, ergeht ein Bescheid an die Gemeinde, in der die Urne beigesetzt wird, welche dann die Genehmigung erteilt. Im Grunde genommen ist diese Genehmigung nach Erbringung aller nötiger Unterlagen und der Entrichtung einer kleinen Verwaltungsgebühr ein reiner Formalakt und gestaltet sich in der Regel unkompliziert.

Wer sich für die Beisetzung der Asche auf einem Privatgrundstück entscheidet, sollte sich aber grundsätzlich Gedanken darüber machen, ob es Menschen gibt, denen es wichtig ist, das Grab des Verstorbenen regelmäßig zu besuchen. Ein Friedhof ist leicht zugänglich, ein Privatgrundstück unter Umständen schwer bis gar nicht, wenn die Eigentümer keine Besucher auf dem Grundstück haben wollen.

Gibt es kein Grundstück in Privatbesitz, auf dem die Asche beigesetzt werden kann, dann können Sie mit der Asche ins Ausland ausweichen. In der Schweiz ist das Verstreuen in der Natur zum Beispiel erlaubt. Grundsätzlich gilt es auch hier zu überlegen, ob es Menschen gibt, denen der Besuch eines Grabes wichtig ist. Wird Asche verstreut, gibt es keinen Grabplatz mehr, was unter Umständen für Angehörige eine Erschwernis in der Trauerarbeit bedeuten kann.

Bei uns in Tirol kann man vom Krematorium eine kleine Erinnerungsurne mit etwas Asche befüllen lassen, die man privat aufbewahren darf. Das Verstreuen von dieser kleinen Portion Asche ist zwar streng genommen auch nicht erlaubt, aber es wird nicht kontrolliert, was damit geschieht. Vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit, einen Teil der Asche Ihres Vaters seinem Wunsch gemäß in Tirol zu verstreuen?

Alles Liebe
Christine