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Übernahme von Bestattungskosten

Von Christine Pernlochner-Kügler | Bei uns in Österreich muss kein Angehöriger, auch nicht das leibliche Kind, Bestattungskosten übernehmen.

Liebe Christine,

bin ich als Verwandter verpflichtet, die Bestattungskosten eines verstorbenen Familienmitgliedes zu übernehmen? Konkret: Muss ich nach dem Ableben meines Vaters die Beerdigungskosten übernehmen, auch wenn ich seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte? Beziehungsweise: Wenn jemand keine Verwandten hat, wer übernimmt dann die Kosten?

Danke, für deine Antwort!

Roland

Lieber Roland,

die Antwort lautet ganz klar: Nein, du musst nicht. Bei uns in Österreich muss kein Angehöriger, auch nicht das leibliche Kind, Bestattungskosten übernehmen, egal ob das Verhältnis zu den Eltern gut, schlecht oder nicht vorhanden war.

Sehr häufig empfinden es Kinder oder Angehörige als moralische Pflicht, die Bestattungskosten zu übernehmen, wenn im Nachlass kein Geld da ist, rechtlich ist die moralische Verpflichtung aber ohne Belang. Wer Bestattungskosten übernimmt, kann sie derzeit bis zu 4000 Euro als besondere Belastung steuerlich absetzen.

Zwei Szenarien zum besseren Verständnis:
•  Ein Sterbefall tritt ein und es ist genügend Geld im Nachlass, um die Bestattungskosten zu begleichen: Wenn Ehepartner oder Kinder kein Verfügungsrecht beziehungsweise keine Vollmacht über Ersparnisse oder Konten des Verstorbenen haben, kann auch nichts mehr behoben werden. Sobald die Bank über den Sterbefall informiert ist, wird das Konto gesperrt. Alle Ersparnisse wandern in die Verlassenschaft. In diesem Fall wird das Bestattungsunternehmen den Auftraggeber (den Partner, einen Sohn, eine Tochter oder wer immer auch der Auftraggeber ist) bitten, die Kosten bis zur Abwicklung der Verlassenschaft zu übernehmen. Die Abwicklung der Verlassenschaft dauert oft Monate und kein Unternehmen kann so lange in Vorleistung gehen. Der Auftraggeber ist in diesem Fall der Rechnungsträger, trägt vorübergehend also die Kosten, übergibt dem zuständigen Notar dann die Rechnung und erhält die Bestattungskosten aus dem Nachlass zurück.

Haben Angehörige selbst Schwierigkeiten, die Bestattungskosten vorübergehend zu finanzieren, ist es wichtig, mit dem Bestatter offen darüber zu sprechen. Wir beraten gerne dahingehend, welche Möglichkeiten es gibt, ein Begräbnis preislich möglichst günstig und doch feierlich zu gestalten und erstellen einen Kostenvoranschlag. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Man vereinbart mit dem

Lebenswert

Bestattungsunternehmen eine Ratenzahlung oder man nimmt einen Kredit über die zu erwartende Summe auf. Mit dem Kostenvoranschlag des Bestattungsunternehmens und der Information, dass entsprechend Geld in der Verlassenschaft vorhanden ist und es um eine Überbrückung der Situation bis zur Abhandlung der Verlassenschaft geht, ist ein solcher Kredit erfahrungsgemäß kein Problem.

In jedem Fall wäre es wichtig, innerhalb einer Familie Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine große finanzielle Belastung einzelner Familienmitglieder ausschließt. Besonders Ehepartner sollten die gegenseitigen Vollmachten bei der Bank so gestalten, dass es im plötzlichen Todesfall eines Partners zu keinen finanziellen Engpässen kommt. Gibt es keinen Partner, wäre es wichtig, diese Angelegenheit rechtzeitig mit einem Kind, einer Person des Vertrauens oder mit einem Rechtsanwalt zu ordnen.

•  Ein Mensch verstirbt mittellos, es ist kein Geld da, um die Bestattungskosten zu begleichen: Derzeitiges Prozedere in Innsbruck: Wenn sich niemand – also kein Kind, Verwandter oder sonst jemand — bereit erklärt, die Bestattungskosten zu übernehmen, wird das Bestattungsunternehmen einen Antrag beim Gesundheitsamt Innsbruck auf Kostenübernahme stellen. Das Gesundheitsamt überprüft dann, ob der Verstorbene Sozialhilfeempfänger war, in diesem Fall übernimmt das Sozialamt in der Regel die Kosten für ein einfaches Begräbnis. Wenn das Sozialamt die Kosten nicht übernimmt, wird sie das Gesundheitsamt übernehmen – auch in diesem Fall handelt es sich um ein einfaches Begräbnis. Ein einfaches Begräbnis ist eine Feuerbestattung und die Beisetzung der Aschenkapsel im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit für die Angehörigen in einem Sammelgrab auf dem Pradler Friedhof. So ist jedenfalls derzeit die Situation in Innsbruck, es gibt aber immer wieder Änderungen. In anderen Städten beziehungsweise in den Bezirken gibt es eventuell andere behördliche Wege, zum Beispiel kann es sein, dass der Antrag auf Kostenübernahme zunächst direkt über das Sozialamt läuft und nicht über das Gesundheitsamt. Über diese Wege weiß aber das ortsansässige Bestattungsinstitut Bescheid und übernimmt diese auch gerne. In jedem Fall ist es aber so, dass Angehörige in Österreich gesetzlich nicht verpflichtet sind, Bestattungskosten zu übernehmen, es sei denn, sie haben die Bestattung selbst beauftragt und sind Rechnungsträger.

Lieber Roland, ich hoffe, ich habe deine Fragen verständlich beantwortet und wünsche dir alles Liebe und Gute!
Christine