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Was kostet ein Begräbnis?

Von Christine Pernlochner-Kügler | Eine Bestattungsrechnung setzt sich aus Eigenleistungen, Fremdleistungen und Gebühren zusammen. Verunsicherung durch Zeitungsartikel.

Hermann schreibt:

Liebe Christine, am Wochenende war ja Allerseelen und ich saß nach dem Grabbesuch mit meinen Brüdern und deren Familien beim Törggelen zusammen. Mein Bruder brachte einen recht aktuellen Zeitungsartikel mit, in dem der Innungsmeister der Tiroler Bestatter angibt, dass ein Begräbnis durchschnittlich 2000 Euro kostet. Als im Sommer unser Vater gestorben ist, machte die Rechnung vom Bestatter aber über 4000 Euro aus. Dazu kam noch die Rechnung vom Friedhof mit Beisetzungsgebühren, Friedhofs- und Grabnutzungsgebühren. Dann musste noch eine Nischenplatte mit Beschriftung beim Steinmetz in Auftrag gegeben werden und — schwupp! — waren es dann um die 6000 Euro, die das Ganze ausmachte. Dabei hatten wir eine ganz normale Verabschiedung in der Kirche, anschließend die Einäscherung und eine Urnenbeisetzung im engen Kreis. Sind wir beim falschen Bestatter gewesen? Wir haben uns dann ehrlich die Frage gestellt, ob wir abgezockt worden sind und nun Schritte einleiten sollen. Da ist mir der Trauerfuchs eingefallen und ich dachte, ich schreibe dir, weil es vielleicht vielen so geht wie uns.

Lieber Hermann, ich kann mich an den Artikel erinnern und mir ist auch aufgefallen, dass die Realität der Rechnungslegung darin durch unklare Angaben stark verzerrt wurden. Ich nehme an, dass Herr Klocker (Innungsmeister der Tiroler Bestatter) lediglich von den Eigenleistungen spricht, wenn er angibt, dass ein Begräbnis durchschnittlich 2000 Euro kostet. Ich glaube sogar, dass er hier nur den Netto-Preis angibt.

Eine Bestattungsrechnung setzt sich aber aus Eigenleistungen, Fremdleistungen und Gebühren zusammen. Mit diesen Fremdleistungen (Kremation, Traueranzeige in der Tageszeitung, musikalische Gestaltung, ev. Blumenschmuck) reichen 2000 Euro in den allerwenigsten Fällen. Außerdem sieht es im städtischen Bereich oft ganz anders aus als auf dem Land.

Auf dem Land sind es häufig noch die Nachbarn oder Gemeindearbeiter, welche den Kondukt stellen und den Sarg versenken. In der Stadt müssen Bestatter hierfür Personal bereitstellen, das angemeldet und versichert werden muss. Das schlägt sich natürlich ganz anders auf der Rechnung nieder als ein paar Trinkgelder. In manchen Gebieten auf dem Land ist es Tradition, die Partezettel per Postwurf zu verteilen. Das führt zu wesentlich höheren Kosten bei den Drucksorten als in der Stadt. Im städtischen Bereich bestellen und verschicken Angehörige im Schnitt zwischen 20 und 100 Parten. Auf dem Land und mit Postwurf werden es schnell Hunderte. Im städtischen Bereich gibt es auch deutlich mehr Kremationen,

Lebenswert

auch das macht einen Unterschied. Stadt und Land sind schwer zu vergleichen und auch die Traditionen in den unterschiedlichen Regionen sind so unterschiedlich, dass man zum Beispiel das Ötztal schwerlich mit dem Unterland vergleichen kann. Ich stelle ja schon große traditionelle Unterschiede in den Dörfern rund um Innsbruck fest, was sich natürlich auf die jeweiligen Rechnungen auswirkt.

Ich spreche jetzt einmal für Innsbruck: Es gibt tatsächlich Gesamtrechnungen, die um die 2000 Euro ausmachen, es gibt sogar Bestattungen, die im Gesamten noch wesentlich günstiger sind. Dabei muss aber auch deutlich gesagt werden, dass der Kunde dafür kein ortsübliches Begräbnis bekommen kann, sondern dass in solchen Fällen einfach auf bestimmte Leistungen verzichtet wird: keine Todesanzeige, keine Partezettel, keine Versorgung des Verstorbenen, kein Angebot der Verabschiedung am offenen Sarg, keine öffentliche Feierlichkeit, keine Sargbegleiter, kein Kondolenzbuch. Das günstigste Angebot, das wir anbieten können, beläuft sich derzeit auf 1150 Euro brutto. Dieser Betrag umfasst die Abholung des Verstorbenen tagsüber im Ortsgebiet, den Transport in einem einfachen Verbrennungsarg direkt ins Krematorium, die Kremation und die feierliche Sammelbeisetzung in einem Gemeinschaftsgrab, die bei uns einmal im Jahr stattfindet.

Die wenigsten Angehörigen wollen aber eine derart reduzierte Form der Bestattung. Wenn auch Feierlichkeiten immer öfter im kleinsten Kreis stattfinden, so will dieser Kreis dennoch die üblichen Leistungen inklusive Zierurne, Blumenschmuck, Drucksorten, Traueranzeige in der Zeitung, individuell gestaltete Trauerfeier und immer öfter auch die Verabschiedung des Verstorbenen am offenen Sarg. Und egal, ob dann 20 oder 100 Menschen an der Feier teilnehmen, diese Leistungen führen dann in der Regel zu einer Rechnung des Bestattungsinstitutes, die unterm Strich zwischen 3000 und 4500 Euro inklusive Mehrwertsteuer ausmacht. Wie du richtig schreibst, kommen da aber dann noch die Friedhofsgebühren und die Steinmetzarbeit dazu.

Ich müsste mir natürlich eure Bestattungsrechnung ansehen, um mir ein genaues Bild über die tatsächlich erbrachten Leistungen machen zu können, bin mir aber ziemlich sicher, dass ihr nicht „abgezockt“ wurdet. Es war eher der Zeitungsartikel, der mehr zur Verunsicherung als zur Klärung beigetragen hat.

Alles Liebe und Gute und ich hoffe, dass ihr trotz der Verunsicherung zu Allerseelen noch ein paar gemütliche Stunden im Familienkreis hattet!
Christine