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Weihnachten – und einer fehlt…

Von Christine Pernlochner-Kügler | Ich hab so große Angst vor Weihnachten!

In der Zeit vor Weihnachten stellen mir Angehörige nach einem Todesfall immer wieder dieselbe Frage: Ich hab so große Angst vor Weihnachten! Wie soll ich die Feiertage überleben?

Die Tage um Weihnachten und Neujahr sind Zeiten, in denen man sich auf Familie und Freunde besinnt, und gerade da spürt man noch mehr und noch schmerzhafter als sonst, wenn einer fehlt. Die Gestaltung dieser Tage stellt für Trauernde eine große Herausforderung dar. Wer sich planlos in diese Tage hineinfallen lässt, kann leicht in ein emotionales Loch stürzen. Bewusste Gestaltung ist also wichtig, denn Struktur gibt Sicherheit.

Mit Traditionen, die einem nicht mehr guttun, darf man übrigens ruhig brechen. Man kann Weihnachten zuhause verbringen mit vertrauten Ritualen, man darf aber auch Neues probieren oder Weihnachten auch einmal ausfallen lassen. Solange Trauer nicht grundsätzlich verleugnet oder verdrängt wird, sind Ablenkung und Erholung vom Trauerschmerz sogar wichtig! Und wenn man gerade an Weihnachten solche eine Pause braucht, darf man auch in ein fernes Land „flüchten“. Sonne, Licht und ein Tapetenwechsel haben in dunklen Zeiten noch keinem geschadet. Wichtig ist allerdings, dass man in sich hineinhört, was einem guttut und nicht auf das zu hören, was andere oder gar die Tradition für gut befinden.

Wie kann man die Feiertage planen? 1) Die alltäglichen Dinge des Lebens: Mahlzeiten, Spaziergänge oder Hausarbeiten. 2) Zeiträume für Rituale und für bewusste Trauer. 3) Zeiträume für bewusste Erholung durch Dinge, die einem guttun, die ablenken und entspannen. 4) Die Anbindung

Lebenswert

an das soziale Netz: Wen könnte man treffen? Gibt es Freunde, die man besuchen kann? Welche Lokale haben geöffnet, welche Veranstaltung sind interessant?

Für Menschen, die zuhause ganz traditionell feiern, gibt es einen ausgesprochen schönen Brauch: Wenn der Baum geschmückt ist, kann man einen geschmückten Zweig herausschneiden und an das Grab tragen.

Die Lücke im Baum steht einerseits für den Verstorbenen, der einfach fehlt. Gleichzeitig ist es gerade die Lücke, die bewusst spüren lässt, dass der Verstorbene in unseren Gedanken dabei ist. Und egal, woran man glaubt, der Zweig am Grab lässt den Verstorbenen teilhaben.

Gerade wenn Kinder beim Weihnachtsfest dabei sind, werden Erwachsene feststellen, dass sich die traurige Stimmung nicht durchgängig halten lässt. Kinder können Schmerz nicht so lange aushalten wie Erwachsene und vergessen für Momente oder auch längere Phasen den Schmerz und was passiert ist. Auch Erwachsene schwanken in ihrer Trauer zwischen Schmerz und Erholungsphasen hin und her. Dieses Schwanken ist Zeichen für einen gesunden Trauerprozess. Wenn sich die Stimmung an Weihnachten kurzfristig oder längerfristig hebt, wenn es trotz allem gelingt, dass es Momente der Freude und des Lachens gibt, dann bitte – kein schlechtes Gewissen! Die guten Momente sollen zum Durchschnaufen genutzt werden, die nächste Schmerzwelle kommt gewiss! Und wenn sie da ist, kann man darauf vertrauen, dass auch wieder eine Erholungsphase kommt, wenn es zu viel wird.

Ein Tipp für Alleinstehende: Der Verein „Kraft für Leben“ in Innsbruck lädt am 24. Dezember wieder ein zum „Heiligen Abend – gemeinsam statt einsam im KfL““. Similde, Mutter zweier erwachsener Kinder und Psychologin, möchte den Heiligen Abend gerne mit anderen Menschen verbringen, die ansonsten – aus welchen Gründen auch immer – alleine zu Hause sind. Jeder ist eingeladen seine Lieblings-Geschichte (kann, muss aber keine Weihnachtsgeschichte sein!) mitzubringen und im Laufe des Abends vorzulesen. Dies und andere Unterhaltungsimpulse von Similde lassen den Abend zu etwas ganz persönlich von euch Geprägtem werden. Ob das sehr weihnachtlich oder lustig, interessant oder von allem ein bisschen wird, das steht in den Sternen. Wer möchte, kann auch seine ganz persönliche Kerze selbst basteln, sodass die Flamme im gemeinsamen Zusammensein auch daheim noch weiterbrennen kann. Termin: 24. Dezember um 19.00 Uhr. Ort: Verein Kraft für Leben, Speckbacherstr. 30, Innsbruck. Anmeldung: Anmeldungen bis spätestens 20. Dezember (wegen Vorbereitungen). SMS: Kerstin Mika 0699-16202021 oder E-Mail: k.mika@kraftfuerleben.org.