Schatzsuche anno 1863: Wurde Raubgut beim Innsbrucker Löwenhaus vergraben?

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Wie wäre es mit einer kleinen Schatzsuche mitten In Innsbruck? Die Anregung dazu könnte ein Zeitungsartikel aus den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 9. April 1863 liefern. Es geht um Kriegsbeute aus dem Jahr 1809, bestehend aus Paramenten (das sind reich bestickte Messgewänder) sowie anderen wertvollen Kirch- und Messgegenständen, die angeblich beim Innsbrucker Löwenhaus vergraben waren. Oder noch sind? Aber lesen Sie selbst…

„Beim Löwenhaus werden neuerlich Nachgrabungen gemacht auf die dort im Jahre 1809 von zwei bayerischen Soldaten vergrabenen Kirchenparamete. Es wurde jedoch bisher kein Resultat erzielt. Die Paramente, eine Monstranze, Kelche ec. Wurden von den beiden Soldaten in Schwaz geraubt und beim Löwenhaus am Tag der Schlacht am Berg-Isel vergraben. Der eine fiel in der Schlacht, der andere entkam glücklich und lebte später als Baumeister in F. in Baiern. Auf dem Todbette machte er noch über jene Vergrabung eine Mittheilung, die zu den Nachgrabungen, welche jetzt wieder aufgenommen werden, die

Aus Uropas Zeitung

Veranlassung gab. Er hatte den betreffenden Ort als ,20 Schritte vom Thor gegen den Inn’ bezeichnet. Da aber die Löwenhausgebäude mehrere Thore haben, so ist jene Mittheilung eine sehr unbestimmt.“

Bemerkenswerterweise findet sich in den nachfolgenden und auch späteren Ausgaben der „Innsbrucker Nachrichten“ nichts mehr über die „Nachgrabungen“. Da ein Erfolg sicher gemeldet worden wäre, darf man wohl davon ausgehen, dass nichts gefunden wurde.
Also könnte der geraubte Kirchenschatz noch an Ort und Stelle liegen — vorausgesetzt, dass die abenteuerliche Geschichte stimmt und er jemals dort war…

Faksimile-Artikel: „Innsbrucker Nachrichten“ (9. April 1863)