Aus Uropas Zeitung

Coca-Cola: Auch im Nazi-Reich ein Hit! Und die deutsche Limo namens Fanta

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Wer in den Sechzigerjahren Kind oder Jugendlicher war, wird sich wahrscheinlich an den manchmal militanten Antiamerikanismus erinnern, der damals immer wieder aus Teilen der Elterngeneration zu hören war. Neben Rock’n Roll-Musik und Comics waren es vor allem drei Lifestyle-Produkte, die als Musterbeispiel für die Dekadenz der „entarteten“ Amerikaner herhalten mussten: Kaugummi, Blue Jeans und Coca-Cola.

Unschwer war bzw. ist hinter diesen Verteufelungen das Weiterwirken der NS-Propaganda zu erkennen. Zur Verwirrung der „Kämpfer gegen Schmutz und Schund“ hätte aber wohl eine Anzeige beigetragen, die am 15. April 1942 (!) in der „Wiener Illustrierten“ erschienen ist. Während auf dem Titelbild ganzseitig Adolf Hitler mit zum „deutschen Gruß“ erhobener Hand zu sehen ist, wird auf Seite 12 ganz selbstverständlich für das „herzhafte Erfrischungsgetränk“ Coca-Cola geworben – „zur Erquickung und Belebung“!

Zur Unterscheidung zu Afri-Cola, dem deutschen Konkurrenzprodukt, wird eigens auf die klassische Flasche hingewiesen. „Flaschenform wie Warenzeichen zeigen: Das ist Coca-Cola!“

Im April 1942 herrschte bereits seit mehreren

Monaten Kriegszustand zwischen den USA und Hitler-Deutschland. Warum konnte das von den Nazis als „Negerbrause“ und jüdisches Produkt diffamierte Getränk damals dennoch im Gebiet des „Großdeutschen Reiches“ verkauft und beworben werden? Die Erklärung ist einfach: Auch im Nazi-Reich mussten sich Ideologie und Politik sehr häufig dem wirtschaftlichen Vorteil und dem Profit unterordnen. Die 1929 gegründete Coca-Cola GmbH Deutschland, ein Tochterunternehmen der amerikanischen Coca-Cola Company, produzierte nach der Machtübernahme Hitlers und sogar nach Kriegsausbruch munter weiter.

Dass die Coca-Cola-Erzeugung bald nach dem Erscheinen dieser Anzeige dann doch eingestellt wurde, hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern mit der kriegsbedingten Rohstoffknappheit: Es erwies sich als immer schwieriger, die für die Produktion benötigten Zutaten aufzutreiben.

Die deutsche Coca-Cola-Tochter blieb jedoch auch in den Zeiten des „totalen Krieges“ im Geschäft. Ihre Lebensmittelchemiker hatte schon 1940 eine Alternative zur „Ami-Brause“ entwickelt. So wurde eine neue, rohstofftechnisch leichter zu erzeugende Limonade geboren, die wir auch
heute noch sehr gut kennen:
Fanta!

Faksimile-Artikel: Wiener Illustrierte (15. April 1942)