Kosmetik-Werbung anno 1860:
Kampf dem Damenbart!

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Kennen Sie Leute, die gern darüber klagen, dass es heutzutage so unnötig viele Kosmetika gibt und dass sie selbst so viele überflüssige Wässerchen, Pülverchen und Cremen im Badezimmer stehen haben? Oder sind Sie vielleicht selbst so einer/eine davon?

Falls es Sie beruhigt: Das ist durchaus kein neues Phänomen! Wie diese Anzeige aus den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 18. Mai 1860 beweist, waren schon vor mehr als 150 Jahren – etwa im Bereich Haar- und Hautpflege – Produkte auf dem Markt, die man, vorsichtig formuliert, als nicht unbedingt lebenswichtig bezeichnen muss. Und die Frage nach der Wirksamkeit sollte wohl überhaupt besser ausgeblendet bleiben…

Wir staunen über die „Barterzeugungs-Pomade“, die, täglich angewendet, angeblich „binnen 6 Monaten einen vollen kräftigen Bartwuchs“ erzeugt. Und über das chinesische Haarfärbemittel, dessen „vorzüglich schöne Farben … alles bis jetzt Existierende“ übertreffen. Immerhin, und das klingt irgendwie modern, wird angemerkt: „Diese Composition ist frei von nachtheiligen Stoffen“.

Nicht wenig beeindruckt auch das „Orientalische Enthaarungsmittel“, das unter anderem die „beim schönen Geschlecht bisweilen vorkommenden Bartspuren“ binnen 15 Minuten entfernt. (Man darf sich fragen: Was da wohl drinnen war?)

Und sozusagen zum Drüberstreuen wird in der Anzeige noch das Mittel „Lilionese“ angeboten, das sich gegen „alle Hautunreinigkeiten“ wie Sommersprossen, Leberflecken, Pockennarben, Flechten und „Röthe auf der Nase“ einsetzen lässt.

Aus Uropas Zeitung

Und natürlich sorgt es für jugendliche Frische der Haut. Der Erfolg binnen 14 Tagen wird garantiert, sonst gibt’s das Geld zurück! Außerdem, so ist zu lesen, wurde das Mittel vom königlich preußischen „Ministerium für Medinzinal-Angelegenheiten“ geprüft. Was soll da noch passieren?

Erinnert Sie das alles an etwas? Auch wenn Werbung heute in Fernsehen, Internet und Hochglanzdruck daherkommt und bunter, lauter und schneller ist – ein alte Spruch bewahrheitet sich auch hier: Es gibt nichts Neues unter der Sonne!

Faksimile-Artikel: „Innsbrucker Nachrichten“ (18. Mai 1860)