„…auf selbst mittelmäßig steilen Bergen kaum zu verwenden“: Ski-Test anno 1892

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Für uns ist es keine Frage, dass das Skifahren mit Tirol und den Alpen so untrennbar verbunden ist, wie die Gämsen und das Edelweiß. Aber das heute so populäre Wintersportgerät in Brettlform hat es weder immer schon in Tirol gegeben noch wurde es hierzulande erfunden. Die Ski kamen als Import aus Skandinavien zu uns und man kann sogar recht genau sagen, wann das war.

Eine interessante Quelle über die Anfänge des Skisports in Tirol ist ein Bericht aus den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 24. März 1892 über die Erprobung norwegischer „Schneeschuhe“ durch Alpenvereins-Mitglieder. Bemerkenswert ist dieser Artikel nicht nur wegen seines sportgeschichtlichen Werts, sondern auch durch seine kuriosen Fehleinschätzungen und Fehlprognosen in Bezug auf die Zukunft dieses neuen Sports. Fehleinschätzungen, die heutigen Skifahrern und Tourengehern mehr als nur ein Schmunzeln entlocken dürften. Hier die Kernpassagen dieses „Expertenberichts“:

„Auf ebenen oder nur sanft geneigten Schneefeldern leisten „Ski“ treffliche Dienste, rasch und gefahrlos geht die Fortbewegung von statten, besonders bei „harschem“ Schnee. Dagegen ist das Abfahren über stark geneigte Hänge, z. B. von 20°-35° Neigung und gefrorenem Schnee nicht harmlos; einmal in Bewegung, geht es mit ungeheurer Schnelligkeit dahin, bremsen mit dem Stocke bleibt völlig wirkungslos. Droht Gefahr, an ein Hindernis geschleudert zu werden, so kann man nur dadurch, daß man sich zu Boden wirft, der rasenden Fahrt Einhalt thun. Das Aufwärtsgehen über abschüssige Hänge ist mühevoll und zeitraubend. Gänzlich unbeholfen fühlt man sich, wenn man auf den Rücken fällt; ohne wenigstens einen Schuh abzuschnallen, ist das Wiederaufstehen fast unmöglich. Ein plötzlicher Ruck während der Fahrt abwärts bewirkt ausnahmslos einen Sturz gegen vorne. Freilich dürften sich manche dieser Uebelstände durch

Aus Uropas Zeitung

öftere Uebungen beseitigen lassen. Aus dem Gesagten lässt sich folgern, daß die „Ski“ hauptsächlich für das Flachland geeignet sind, dagegen auf selbst mittelmäßig steilen Bergen kaum zu verwenden sein werden. Es ist nicht anzunehmen, dass es selbst der gewandteste „Skiläufer“ wagen würde, von einem unserer Berge, z. B. vom „Hafelekar“ mittelst dieser Schneeschuhe herabzufahren.“

Faksimile-Artikel: „Innsbrucker Nachrichten“ (24. März 1892)