Die Lawinentragödie im Jahre 1930:
Tod im Zugspitzgebiet

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Jetzt beginnt die Jahreszeit in der wir – leider – wieder von Lawinenunglücken lesen werden, denen Skifahrer auf der Piste oder auf Touren zum Opfer fallen. Um das vorherzusagen braucht man kein Prophet zu sein.

Lawinenunfälle beim Tourengehen sind allerdings kein Phänomen unserer Zeit. Es gibt sie schon länger, als man vielleicht annehmen würde. So berichtete etwa der „Tiroler Volksbote“ vom 9. Jänner 1930 von folgendem tragischem Ereignis, das sich kurz vor dem Jahreswechsel im Außerfern zugetragen hatte.

„Ehrwald. (Lawinenunglück im Zugspitzgebiet.) Der Winter mit seinen bezaubernden Schönheiten, aber auch mit seinen lauernden Gefahren, forderte hier am Sonntag, den 29. Dezember, sein erstes Todesopfer. Der Hörer der Technischen Hochschule in Wien, Karl Haas, der einzige Sohn des Betriebsleiters der Zugspitzbahn Ingenieur Haas, unternahm mit seinem Freunde, seiner Schwester und deren Freundin eine Skipartie von der Zugspitze zur Knorrhütte und wollte von dort über das Gatterl nach Ehrwald gelangen. Doch bereits in der Nähe der Knorrhütte ereilte ihn das Geschick. Bei dem herrschenden Tauwetter löste sich eine Lawine und riß Haas mit in die Tiefe. Er kam zwar nur eineinhalb Meter unter den Schnee zu liegen und hat den geringen Verletzungen nach noch einige Zeit gelebt. Da man jedoch in der ersten Aufregung zu wenig planmäßig vorging, konnte der Verunglückte erst nach Stunden aus seiner Lage befreit werden, es war aber bereits zu spät. Haas war schon tot. Erst in den späten Abendstunden kam die Kunde von dem Unglück ins Tal. Sofort machte sich eine

Aus Uropas Zeitung

Rettungsgruppe, bestehend aus Gendarmeriebeamten und einer Anzahl Bergführer auf den Weg. Unterdessen war aber Haas schon von der Knorrhütte auf die Bergstation der Zugspitzbahn gebracht worden. Er wurde am anderen Tage mit der Zugspitzbahn zu Tal gebracht und wird am Neujahrstage auf dem hiesigen Friedhof beerdigt werden. Der auf so tragische Weise verunglückte stand im 23. Lebensjahre.“

Was den Hergang des Unglücks betrifft, kann man sicher auch heute noch jederzeit Ähnliches lesen. Allerdings darf man berechtigt hoffen, dass das Opfer jetzt, im Zeitalter von Handy und Rettungshubschrauber und angesichts der verbesserten Kenntnisse und Ausrüstung der Tourengeher, wohl größere Überlebenschancen gehabt hätte.

Faksimile-Artikel: „Tiroler Volksbote“ (9. Jänner 1930)