Aus Uropas Zeitung Episode

Kriegsinserate: Soldaten-Wolle für fronttaugliche Socken

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Wenn vom Leben der Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkrieges die Rede ist, hört man oft von der „Militarisierung des Alltages“. Was heißt: Nicht nur das Leben der Soldaten an der Front, auch das der Daheimgebliebenen, war ganz und gar geprägt und durchdrungen vom unseligen Geist dieses ersten „totalen Krieges“.

Dass das kein Schlagwort ist, zeigt bereits ein oberflächlicher Blick in den Anzeigenteil damaliger Zeitungen. Alle Inserate, die hier wiedergegeben sind, stammen von einer einzigen (!) Anzeigenseite der „Innsbrucker Nachrichten“ vom 30. Jänner 1915.

Es ist vor allem Kriegspropaganda – patriotische Bilder der Majestäten, Postkarten und Bücher –, die hier für gutes Geld angeboten wird. Geworben wird aber etwa auch eine „Kriegs-Versicherung“ bei der „Wiener Lebens- u. Renten-Versicherungsanstalt“ oder für graue und schwarze „Soldaten-Wolle“, mit der man garantiert fronttaugliche Socken stricken konnte. Denn der Krieg war offenbar auch ein ausgezeichneter Nährboden für neue Geschäftsideen…

Aus Uropas Zeitung

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Faksimile-Artikel: Volks- und Schützenzeitung (3. Mai 1859)