Aus Uropas Zeitung

Touristische Sensationen 1954: Im Hubschrauber zur Skipiste und – TV!

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Die Luxuswelt der Superreichen ist in den Medien immer ein Thema. Das war auch vor Jahrzehnten schon so. Aufschlussreich ist da etwa ein Artikel der „Tiroler Nachrichten“ vom 30. 11. 1954. Es geht um Schloss Itter im Bezirk Kitzbühel, in dessen historischen Mauern bald ein exklusives Nobelhotel seine Tore öffnen sollte.

Zum Teil können wir das, was dem staunenden Tiroler Zeitungsleser hier als Extravaganz für Luxustouristen vorgeführt wird, auch heute noch als solche betrachten. Etwa, dass geplant war, die Hotelgäste mit dem Hubschrauber vom Flughafen zum Hotel und von dort weiter zu den Skipisten in Kitzbühel zu transportieren. Wobei man wissen muss, dass dieses Fluggerät damals etwas völlig neuartiges war und ein Flug mit dem Hubschrauber für den Durchschnittstiroler von 1954 etwa so exotisch war wie für uns ein Weltraumausflug mit dem Spaceshuttle. In den „Nachrichten“ heißt es dazu: „Ab Juni nächsten Jahres wird ein Hubschrauberdienst München-Schloß Itter eingerichtet. Die Gäste steigen in München aus dem silbernen Vogel, der sie aus allen Weltteilen an die Isar bringt. Ein Sammelhubschrauber amerikanischer Herkunft, der zehn Personen faßt, bringt anschließend die Fremdengäste nach Itter. 18 bis 20 Minuten dauert der Höhenflug über die herrliche Bergwelt. Mit der Selbstverständlichkeit, mit der man z. B. aus einem Taxi steigt, setzt der Gast nach einigen Minuten Fahrzeit seinen Fuß auf den Boden von Itter.

… Unter dem Motto „Gäste buchen in New York und fliegen direkt in das Skigebiet“ wird der Hubschrauber nach kurzer Zwischenlandung, wenn die Menschenfracht „ausgespien“ ist, unmittelbar nach Kitzbühel weiterfliegen, wo Guido Reisch die Organisation der „Entladung“ bewältigt. Die Einrichtung des Hubschrauberdienstes dürfte im Fremdenverkehrsgewerbe Österreichs wohl eine Novität sein.

Die Ära der Hubschrauber als Zubringerdienst für Urlaub und Erholung ist angebrochen. Heute wohl

vorerst nur mit Dollars erschwinglich, in einiger Zeit – beim rapiden Fortschritt der Technik – aber vielleicht auch schon mit dem immer stabiler werdenden österreichischen Schilling keine Zukunftsmusik mehr…“

Dass das, was man als Luxus betrachtet, einem starken zeitlichen Wandel unterworfen ist, zeigt sich allerdings, wenn man den sechs Jahrzehnte alten Artikel weiterliest. Als „zweite Sensation“ und sozusagen Gipfel des Luxus kündigt der Reporter ein weiteres exotisches Vergnügen an, mit dem die Hotelgäste auf Schloss Itter verwöhnt werden sollen: Fernsehen! Über den geplanten Einzug des damals noch ganz und gar neuartigen Mediums in Itter und Tirol heißt es:

„Im Nobelhotel wird man auch erstmals in Tirol fernsehen können. Das Schloß liegt auf einem vorgeschobenen Plateau in 800 Meter Seehöhe; wie ein kleiner Adlerhorst auf einer Gletscherzunge. Das Tal breitet sich weit aus und bietet einen wunderbaren Wellenbereich für das Fernsehen. So ist es möglich, das bayrische Fernsehprogramm aus Deutschland zu erhalten, was zum Beispiel in Kitzbühel, das von verschiedenen Gebirgsketten umschlossen ist, nicht der Fall ist. Aus dem Fauteuil, bequem und abgeschieden in der Stille des Hotels, wird der Gast alle Großereignisse der hastenden Welt auf den Bildschirm projiziert erhalten. Eine tausendjährige Romantik wird bei der anheimelnden Gemütlichkeit der offenen Kamine mit den modernsten technischen Errungenschaften verbunden.“

Wie im Artikel anklingt, kannte man Fernsehen in Österreich damals nur vom Hörensagen. Denn während etwa Großbritannien, die Bundesrepublik Deutschland und sogar die DDR das neue Medium schon 1952 eingeführt hatten (die Schweiz und Italien ein Jahr später), startete in Österreich der neugegründete ORF erst am 1. August 1955 mit Versuchsprogrammen. Und darüber hinaus: Der regelmäßige Sendebetrieb begann erst am 1. Jänner 1958.

Faksimile-Artikel: Innsbrucker Nachrichten (30. November 1954)