Ur-Opas Zeitung Episode 005
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Deutsche Gründlichkeit: Wie bastelt man sich eine Hakenkreuzfahne?

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Der „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 brach wie ein Unwetter herein. Quasi über Nacht waren die zuvor verbotenen und verfemten Nazis die Herren des Landes. Beim Betrachten alter Fotos und Filme fällt auf, dass schon kurz nach der Machtübernahme – und vor allem in den Tagen vor der sogenannten „Volksabstimmung“ am 10. April – viele Orte Österreichs und Tirols in ein Meer von Hakenkreuzfahnen getaucht waren. Woher kamen alle diese Flaggen so plötzlich?

Diese Frage, die ebenso interessant ist wie jene, wohin die vielen Fahnen 1945 verschwanden, lässt sich durch einen Blick in die Zeitungen beantworten: Der Anzeigenteil z. B. der „Innsbrucker Nachrichten“ ist im März 1938 voll von Inseraten, in denen Firmen aus dem „Altreich“, aber auch heimische Anbieter alles anpreisen, was das „völkische“ Herz begehrt: Hakenkreuzfahnen aller Größen, Wimpel, Armbinden, Aufstecker und anderes mehr. Ein alter Grundsatz gilt auch hier: Wo ein Geschäft zu machen ist, findet sich auch jemand, der es macht.

Weniger gern gesehen war offenbar die pflichteifrige Selbsthilfe der neuen „Volksgenossen“. Zumindest wollte man das Werken der Hobby-Fahnenschneider in die vom Regime vorgegebenen Bahnen lenken. Das zeigt ein Artikel der „Innsbrucker Nachrichten“ vom 21. März 1938 mit dem Titel „Die Anfertigung von Hakenkreuzfahnen“. Darin werden die „Ostmärker“ mit deutscher Gründlichkeit belehrt, wie man’s richtig macht, um nicht gegen die Vorschriften zu verstoßen. Unter

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anderem erfährt man:

„Der Spiegel (die weiße Fläche unter dem Hakenkreuz) soll stets kreisrund sein. Seine Größe richtet sich nach dem Längen- und Breitenverhältnis der Fahne; sein Durchmesser wird am besten mit zwei Drittel der Fahnenbreite angenommen. Der Mittelpunkt des Spiegels soll im Schnittpunkt der in der Fahne gedachten Diagonale liegen, auf keinen Fall tiefer als dieser Schnittpunkt. Nun zum Hakenkreuz: Seine Umrißlinien sollen ein gedachtes Quadrat genau ausfüllen; die Hakenbalken müssen also bis in die Ecken des gedachten Quadrates reichen (man sieht häufig zu kurze Balken!). Balken und Kreuz müssen genau so breit wie der weiße Zwischenraum sein; also nicht schmäler oder breiter. Das Hakenkreuz ist im Spiegel so anzubringen, daß es auf der Spitze steht; seine Ecken stoßen an den Rand des Kreises.“ Alles klar?

Artikel aus den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 21. März 1938.