Ländliche Idylle? Der schüchterne Räuber mit dem Trommelrevolver

Erstaunliches, Spannendes, Kurioses und Berührendes findet man in alten Zeitungen. Für Zauberfuchs blättert der Historiker Stefan Dietrich in den Gazetten längst vergangener Tage.

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Alles wird immer unsicherer, die Kriminalität nimmt überhand. Früher, da war das ganz anders. Da konnte man die Haustüre unversperrt lassen und auch abends ohne Angst auf die Straßen gehen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Beteuerungen wie diese sind immer wieder zu hören. Allerdings: Sie haben letztlich nichts mit der Realität zu tun. Die Zeitungen früherer Jahrzehnte sind voll von Berichten über Diebstähle, Einbrüche, blutige Schlägereien und schlimmere Straftaten. Als Beispiel willkürlich herausgegriffen ist die hier wiedergegebene Meldung der Tiroler „Volkszeitung“ vom 25. September 1933 über einen versuchten Raubmord.

Ausgerechnet im ländlichen Idyll Osttirols, wo es nach allgemeiner Meinung in der „guten alten Zeit“ weder Sünde noch Verbrechen gegeben haben dürfte, ereignete sich der dramatischer bewaffnete Übergriff, der nur durch Zufall glimpflich abging.

Das Erstaunlichste dabei: Heute würden die Medien wohl tagelang in großer Aufmachung über eine so

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spektakulären Gewalttat berichten und die Sicherheitskräfte wären mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Damals war der Vorfall der Zeitung gerade eine einspaltige Meldung von 22 Zeilen wert. Nichts besonderes also im Tirol der Zwischenkriegszeit…

Faksimile-Artikel: Volkszeitung (25. September 1933)