Richtiger Pflanzenschnitt

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Warum Pflanzenschnitt durchgeführt wird | Optimale Zeitpunkte für den Pflanzenschnitt | Wann Pflanzen nicht beschnitten werden sollen | Wo die Schere oder die Säge beim Baumschnitt angesetzt werden muss

Wer einige Regeln beachtet, kann beim Pflanzenschnitt nichts falsch machen

Pflanzenschnitt kann zur Wissenschaft ausarten. Doch wer sich nicht in die Tiefen der Materie stürzen möchte, der kann nur bedingt etwas falsch machen, wenn er sich an einige Grundregeln hält. Wer wiederum auf der Suche nach dem perfekten Schnitt ist, sollte sich Fachliteratur besorgen oder an einem Schnittkurs teilnehmen.

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Grundsätzlich braucht es keinen Pflanzenschnitt. In der freien Natur kommen Pflanzen bestens ohne Schnitt klar. Es gibt dennoch Gründe, die für einen Pflanzenschnitt sprechen. Und zwar um einer Pflanze eine schönere Form zu geben, bei fruchtenden Pflanzen um den Ertrag zu steigern oder über den Pflegeschnitt zu unterstützen (Entfernung von „Totholz“, um die Anfälligkeit für Pilzbefall oder Astbruch zu senken).

Grundsätzlich ist auch, dass – außer bei Frost – zum Auslichten oder Formen jederzeit geschnitten werden kann. Dies heißt allerdings nicht, dass „jederzeit“ der optimale Zeitpunkt ist. Prinzipiell sind das Frühjahr und der Herbst ideal (Details siehe Infobox). Radikalschnitte sollte man kurz vor dem Beginn des Austreibens im Frühjahr durchführen. Dies hat einen ganz simplen Grund: der Zeitraum, in dem die Pflanzen unnatürlich aussehen, ist aufgrund der anstehenden Wachstumszeit nur kurz.

Rücksicht sollte auf folgende Einschränkungen genommen werden: Im Frühjahr nicht schneiden, wenn der Saft steigt, also die Pflanze

auszutreiben beginnt. Dann besteht nämlich die Gefahr des Ausblutens. Wobei nicht alle Pflanzen gleich anfällig sind. Im Spätsommer sollte man ebenfalls besser nicht die Schere oder Säge zur Hand nehmen. Man könnte damit Neutriebe auslösen, die dann nicht mehr rechtzeitig vor dem ersten Frost ausreifen (Gefahr von Frostschäden). Dann lieber auf den Herbst warten. Und – hat nichts mit den Pflanzen an sich zu tun – zur Brutzeit von Vögeln sollte man auf diese Rücksicht nehmen und nicht schützende Äste zurückschneiden und den Tieren damit die Deckung nehmen.

Für den Baumschnitt ist es am besten, diesen durchzuführen, wenn der Baum das Laub verloren hat. Er hat dann seine Säfte zurück in den Stamm und die Wurzel transportiert und verliert am wenigsten Nährstoffe. Nadelbaumschnitt ist sehr heikel, denn fast alle Nadelbäume treiben nur an den Spitzen der Äste aus. Unfachmännisch durchgeführt, steht man schnell vor einem Baumgerippe. Ganz anders bei Laubbäumen: jeder Schnitt ist ein Wuchsanreiz. Es entstehen zwei bis drei neue Triebe.

PFLANZENSCHNITT-WISSEN
punktierte Linie
  • Warum werden Pflanzen geschnitten? In der Regel damit sie dichter austreiben. Bei Fruchtpflanzen dass sie stärker fruchten. Auch Schönheitsschnitt kann ein Grund sein. Wo ein Ast abgeschnitten wird, wachsen in der Regel zwei bis drei neue Äste nach (gilt für Laubpflanzen).
  • Wann werden Pflanzen geschnitten? Für die meisten Pflanzen ist die richtige Zeit das zeitige Frühjahr (bevor die Pflanze austreibt und kein Frost mehr droht). Alternativ ist der Herbst eine Möglichkeit. In diesem Fall sollte man allerdings darauf achten, den Schnitt rechtzeitig vor dem ersten Frost durchzuführen, damit die Schnittwunde noch verheilen kann. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Frost in das Gewebe eindringt und es zerstören kann. Wenn Topfpflanzen für die Überwinterung an einen geschützten Ort verlegt werden (beispielsweise von der Terasse in den Keller), ist der Herbst ein guter Zeitpunkt. Aus praktischen Gründen – es ist eine weniger voluminöse Pflanze zu transportieren. Faustregel: Frühblüher sollten nach der Blüte oder im Herbst, Spätblüher im Frühjahr geschnitten werden. Denn Pflanzen, die im Frühjahr blühen, tun dies am vorjährigen Holz. Spätblüher am neuen Holz, das erst im Frühjahr wächst.
  • Wie schneidet man Bäume richtig? Immer an der vom Stamm oder Hauptast abgewandten Seite eines „Auges“ schneiden. „Augen“ sind kleine Astverdickungen. Vorrangig diese haben nämlich die Fähigkeit zum Austrieb. Schnittwunden sollten anschließend versiegelt werden (Paste aus dem Pflanzenmarkt). Dies schützt Wunden vor Fäulnis und Pilzbefall.
  • Was sollte man unbedingt schneiden? Das Entfernen von so genanntem „Totholz“ ist das Minimum, das man durchführen sollte. Also abgestorbene Astteile, die leicht zu erkennen sind (keine Blätter oder Früchte mehr, vertrockneter Eindruck). Bist zur nächsten Astgabel oder bis zum Stamm zurück – je nach Ausprägung. An „Totholz“ droht ansonsten Pilzbefall oder bei Sturm Astbruch. Äste, die im Wind aneinander reiben, sollten ebenfalls zurückgeschnitten werden, denn ansonsten entstehen Verletzungen der Rinde.
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