Einmaleins des Heimgartens

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Warum die richtige Erde für Pflanzen wichtig ist | Erde selbst mischen: So funktioniert es | Bestandteile von Pflanzerde und ihre Wirkungen | pH-Wert des Gießwassers mit Erdmischung ausgleichen

Blumenerde ist das Um und Auf
für eine gelungene Pflanzenhaltung

Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, mit welcher Genauigkeit, Detailverliebtheit und Liebe Menschen in einem Fachgeschäft Pflanzen vor dem Einkauf auswählen. Da muss alles stimmen: Proportionen, Gesundheit, Farben. Doch wie steht es darum, dem neuen Schmuckstück zu Hause dann jenes Umfeld zu schaffen, dass das Lebewesen Pflanze seine Schönheit erhält oder gar ausbaut? Denn nur was sich wohl fühlt und gepflegt wird, gedeiht auch.

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DAS SUBSTRAT. Eine Pflanze gedeiht nur, wenn sich die Wurzeln im richtigen Substrat, sprich in der richtigen Erde befinden. Viel zu wenig Augenmerk wird meist auf diesen, fast wichtigsten aller Punkte bezüglich Pflege, gelegt. Nur im richtigen Substrat kann eine Pflanze gesund auch etwaigen Schädlingen trotzen. Zumindest sorgen Mangelerscheinungen nicht für leichtere Anfälligkeit (was Schädlingsbekämpfungsmittel spart). Die Enttäuschung ist groß, wenn die mitunter sehr teure Pflanze sich nicht so entwickelt, wie erwünscht. Oder gar eingeht. Da sind die paar Euro, die man bei der Pflanzerde gespart hat, letztlich ein teurer Fehler. Man sollte sich unbedingt informieren, welche Zusammensetzung die Erde für die jeweilige Pflanze haben soll. Am einfachsten und kostengünstigsten ist es, sich die passende Erde selbst zu mischen. Keine Kunst und auch nicht kompliziert, wenn man ein paar entscheidende Punkte beachtet. Die Pflanze wird es einem später danken.

Die unterste Schicht im Blumentopf sollte unbedingt eine Drainageschicht sein und kann 10 bis 20 Prozent der Topfhöhe ausmachen. Vor allem Blähton, in jedem Pflanzenfachgeschäft erhältlich, eignet sich perfekt. Möglich ist auch Schotter oder Kiesel, was allerdings den Topf später dann unnötig schwer macht. Bei Terassen- oder Balkonpflanzen sollte die oberste Schicht unbedingt Rindenmulch sein. Denn Mulch verbessert den Wasserhaushalt der Erde, liefert durch voranschreitenden Abbau Pflanzennährstoffe und fördert Bodenlebewesen, die für die Humusbildung wichtig sind. Außerdem können Unkräuter nicht ansetzen.

Nun zur Erde: Als erstes gilt es, sich zu informieren, welche Bodenverhältnisse für die Pflanze ideal sind. Braucht sie es sandig oder erdig? Nicht jeder hat Zugriff auf (ideales) Regenwasser für das Gießen und da durch Leitungswassergabe Kalk in die Erde gelangt, wie sieht es um die pH-Verträglichkeit der Pflanze aus? Muss man gleich vorab bei der Erdzusammenstellung gegensteuern bzw. später

reparieren? Die möglichen Grundzutaten zum Mischen sind qualitativ hochwertiger Humus, Torf, Kompost, Rindenhumus, Perlit, Sand, Ton (alternativ Seramis), Pinienrinde oder Holzfasern. Vor allem Billigfertigerde verschlämmt mit der Zeit zu stark. Die Pflanzen stehen dann wie in Beton gegossen (richtig Mischen: siehe Kasten). Tipp: Der Handel bietet auch (zum Teil teure) Fertigmischungen an.

DAS GIESSEN. Wichtigste Regel: Staunässe unbedingt vermeiden (gutes Substrat mit Drainageschicht am Topfboden verhindert dies, siehe oben). Staunässe ist für viele Mangelerscheinungen und kranke Pflanzen verantwortlich, denn bei Staunässe können nur noch bedingt Nährstoffe aufgenommen werden, außerdem kann sich Wurzelfäulnis entwickeln. Substrat außerdem nie auf Dauer zu nass halten (Schimmelgefahr). Die meisten Pflanzen benötigen auch Trockenphasen. Idealerweise verwendet man Regenwasser zum Gießen. Kalkhaltiges Leitungswasser verändert mit der Zeit den pH-Wert in den für die meisten Pflanzen ungünstigen höheren Wertebereich jenseits von 7 (siehe Infobox unter pH-Wert). Statt leicht sauer wird das Substrat basisch, was bei vielen Pflanzen die Aufnahme von Spurenelementen erschwert bzw. unterbinden kann (Symptome: beispielsweise Gelbblattbildung und Blattausfall durch Eisenmangel). Für den, der auf die Gabe von kalkhaltigem Leitungswasser angewiesen ist, wird geraten, dem Substrat einen Anteil Rhododendronerde beizumengen (siehe Infobox unter Mischungen). Damit wird der pH-Wert der Erde herabgesetzt und trotz Gabe von kalkhaltigem Wasser, das den pH-Wert des Substrates sukzessive nach oben in den basischen Bereich verschiebt, bleibt das Substrat länger im leicht sauren, sprich optimalen Bereich. Welchen pH-Wert oder Boden eine Pflanze benötigt, ist meist auf dem Infokärtchen an der Pflanze beim Kauf zu finden. Auch kann der Fachverkäufer Auskunft geben (alternativ lohnt sich auch eine Internetsuche um an diese Informationen zu kommen). Tipp: Die Beimischung von einem Tropfen (bei sehr

Durch Beimengen von Perlit oder Sand (alternativ Blähton) wird die Durchlüftung und Drainage des Substrats verbessert. Durch Beimengen von Kompost oder Rindenhumus wird die die Nährstoffspeicherung erhöht. Durch Beimengen von Ton (Seramis) oder Holzfasern wird das Speichervermögen von Wasser verbessert. Vorsicht: Nur reifen Kompost verwenden, ungereifter ist zu scharf. Bei Sand am besten Aquariensand verwenden. Wer aus Umweltschutzgründen (Moorschutz) auf Torf verzichten möchte, verwendet Humus.
Topfpflanzenerde: 40 % Humus, 20 % Perlit oder Sand, 30 % Rindenhumus oder Kompost, 10 % Ton oder Holzfasern. Balkonerde: 50 % Rindenhumus oder Kompost, 25 % Humus, 25 % Holzfasern. Aussaaterde: 60 % Torf, 25 % Kompost oder Rindenhumus, 15 % Perlit oder Sand. Rosenerde: 30 % Torf, 25 % Humus, 25 % Rindenhumus oder Kompost, 20 % Holzfasern. Rhododendronerde: 40 % Torf, 30 % Rindenhumus oder Kompost, 30 % Holzfasern. Orchideenerde: 75 % Pinienrinde, 20 % Torf.
Die meisten Pflanzen gedeihen am besten in einem leicht sauren Substrat (ph-Wert zwischen 5 und 7). Nur die wenigsten Pflanzen lieben einen ph-Wert klar jenseits von 7 (7 = neutral). Einige Arten (z.B. Rhododendron) verlangen eine Erde mit sehr niedrigem ph-Wert (um 5). Vor allem diese, aber auch die meisten anderen Pflanzen sollten mit kalkarmem Wasser gegossen werden, sonst steigt der ph-Wert des Substrats mit der Zeit an (durch Beimengen von Rhododendronerde können verkalkte Substrate repariert werden).

hartem Wasser zwei) Naturessig pro Liter Gießwasser senkt den pH-Wert des Giesswassers. Der Essig neutralisiert allerdings nicht den im Wasser gelösten Kalk. Das Problem der langfristigen pH-Wert-Veränderung des Substrats bleibt weiterhin bestehen. Der Vorteil: Das von der Pflanze aufgenommene Gießwasser ist weicher.

DIE ERNÄHRUNG. Wer seine Pflanze gerade in frische, hochqualitative Erde gepflanzt hat und auch noch Rindenmulch als Abdeckung spendiert hat (düngende Wirkung des Mulchs durch Auswaschung von Nährstoffen durch Gießwasser bzw. Regen), der kann auf Kunstdünger verzichten. Wer oft umtopft und dabei die Erde wechselt (oder mit Kompost bzw. Rindenhumus auffrischt), wird auch später keinen Kunstdünger benötigen. Bleibt die Pflanze länger im Substrat, sollte man mit der Zeit mit Kunstdünger zusätzliche Nährstoffe und Spurenelemente zuführen. Bei Kunstdünger ist die Dosierung des Herstellers genau zu beachten. Tipp: Nie Überdosieren, das kann zu Schädigungen der Wurzeln durch die Düngesalze führen. Wohingegen eine Unterdosierung im Normalfall nur bewirkt, dass die Pflanze langsamer wächst.

DIE LAGE. Welche Lage für eine Pflanze optimal ist, entnimmt man am besten beim Kauf dem beigefügten Infokärtchen, oder holt den Rat eines Fachverkäufers ein. Die meisten Pflanzen haben kein Problem mit indirekter oder direkter Sonne. Aber Vorsicht: Auch Pflanzen können Sonnenbrand bekommen. Vor allem frisch gekaufte Jungpflanzen aus dem Gewächshaus oder Pflanzen, die schattig überwintert haben und neu austreiben, sind gefährdet. Langsam an direkte Sonne gewöhnen.

Fotos: Shutterstock/iMarin