Günstiges Flugticket

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Vor- und Nachteile von Flugportalen | Stolperfallen bei Online-Flugbuchungen | Der sicherste Weg zum günstigsten Flugticket | Wie Flugpreise entstehen

Absturz bei der Schnäppchenjagd: Der harte Weg zum günstigen Flugticket

Fast schon wie die berühmten Pilze schossen in den letzten Jahre Flugportale aus dem Internet-Boden, die mehr oder weniger eines versprechen: Den günstigsten Ticketpreis für eine Flugverbindung zu finden. Dementsprechend der Zulauf, den diese Portale erfahren. Aber können derartige Versprechen überhaupt eingehalten werden?

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Wenn man sich einmal genauer damit auseinandersetzt, wie Flugpreise bei den meisten Airlines heutzutage zustande kommen (siehe Infobox), dann ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Eine gute Preisvergleichssoftware kann für ein Flugportal nur den zum Zeitpunkt der Abfrage günstigsten Preis bei allen Fluggesellschaften, die die gesuchte Strecke anbieten, ermitteln. Aufgrund der Komplexität der Flugpreisgestaltung kann dieser momentan günstigste Preis allerdings beispielsweise eine Stunde später schon nicht mehr der billigste Tarif sein. Also Vorsicht! Außerdem unbedingt den durchs das Portal vorgeschlagenen „billigsten“ Flugpreis im Buchungscomputer auf der Internetseite der durchführenden Fluglinie gegenchecken. Es kommt immer wieder vor, dass die Fluglinie das gleiche Ticket noch günstiger anbietet. Wichtig ist auch folgendes zu wissen: Sollte man dennoch bei einem Flugportal buchen, versenden einige Anbieter vorerst nur eine „Eingangsbestätigung“ für die erfolgte Buchung. Diese ist rechtlich nicht bindend! Nur eine als „Buchungsbestätigung“ deklarierte Verständigung ist als fix zu betrachten.

Aber wie geht man nun vor? Um sich einen groben Preisüberblick zu verschaffen, kann man sich durchaus in einem ersten Schritt auf von Konsumenten gut bewerteten Flugbuchungswebseiten einen Preis-Überblick verschaffen. Checkfelix wird in diesem Zusammenhang immer wieder positiv genannt. Als nächstes benötigt man viel Geduld. Es gilt herauszufinden, welche Fluglinien die gewünschte Strecke bedienen (Tipp: die Trefferliste einer

Buchungsabfrage bei einem Flugportal wirft die Kandidaten aus). Anschließend geht man einzeln auf die jeweilige Internetbuchungsseite dieser Fluglinien und macht eine Buchungsabfrage zur gewünschten Strecke am gewünschten Datum, um die jeweils aktuellen Preise herauszufinden. Diesen Vorgang kann man nun, je nachdem wieviel Zeit man hat, in Abständen wiederholen. Bleibt aber anzumerken, dass natürlich auch Glück dazugehört, die Abfrage im richtigen Moment, durchzuführen. Mit dieser Methode werden aber die Chancen erhöht.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich an ein Reisebüro zu wenden. Reisebüros haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie bei Charterflügen manchmal Zugriff auf günstige Kontingente haben, die man selbst über das Internet nicht buchen kann. Manche Charterstrecken diverser Fluglinien können sogar nur über das Reisebüro gebucht werden. Außerdem spart es Arbeit.

Bei manchen Fluggesellschaften ist unbedingt zu bedenken, dass Zusatzleistungen (beispielsweise Übergepäck, Sperrgepäck, Verköstigung an Bord, Ausdruck der Bordkarte beim Check-in, etc.) einen Aufpreis kosten können. Da kann das zuvor billigste Ticket in der Endabrechnung plötzlich nicht mehr das günstigste sein. Mit Vorsicht sind auch die während des Buchungsvorgangs angebotenen Versicherungen zu betrachten. Sie können eine zusätzliche Preisfalle darstellen. Wer unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung benötigt, ist meist beim Versicherungsberater seines Vertrauens besser aufgehoben.

SO ENTSTEHEN FLUGPREISE
punktierte Linie
  • Die Berechnung und laufende Nachjustierung von Flugpreisen wird bei fast allen Fluggesellschaften vollautomatisch von einer Art Prognosesoftware übernommen. Dabei versucht die Software einen Balanceakt, möglichst den höchsten Verkaufspreis zu erzielen, aber dabei nicht mit dem Preis so über das Ziel hinauszuschießen, dass niemand mehr zu teure Tickets kauft. Bei den meisten Airlines beginnt dieser Vorgang meist ein Jahr vor dem aktuellen Flug. Laufend fließen verschiedene Parameter in diese Preismaximierung ein. Etwa täglich das aktuelle Passagieraufkommen dieser Verbindung. Es täuscht Sie also nicht, sollten Sie dies einmal beobachtet haben, dass ein und derselbe Flug innerhalb einer Stunde (oder Tagen) plötzlich teurer oder auch billiger sein kann. Manuelle Eingriffe durch Menschen finden selten statt, beispielsweise aber, wenn zu bestimmten Flugzeiten am Zielort potenziell nachfragesteigernde Großveranstaltungen stattfinden. Die oft beworbenen günstigen „Ab-Preise“ betreffen nur wenige Plätze – von rund zehn Prozent bis hin zu nur einigen Einzelplätzen. Je nach Fluggesellschaft.
  • Maschinen werden auch bewusst überbucht, damit die Fluggesellschaft durch spätere Stornierungen nicht auf leeren Plätzen sitzen bleibt. Die Software kalkuliert je nach Flugroute, wieviele Passagiere nach Erfahrungswerten nicht auftauchen werden und überbucht um diese Zahl. Sollte die Anzahl der verfügbaren Sitze durch diesen Vorgang einmal nicht mit der Anzahl der verkauften Tickets übereinstimmen, also zu viele Tickets verkauft worden sein, versuchen Fluglinienangestellte am Gate Passagiere zu finden, die für eine Prämie auf einen späteren Flug umbuchen.
  • Sollten in den Tagen vor dem Abflug noch Plätze frei sein, werden diese mittlerweile nicht mehr – sozusagen im Schlussverkauf – günstig abgegeben. Man vertraut eher darauf, dass sich noch Vollzahler finden werden. Wenn Sie also einmal etwas von Last-minute-Aktionen hören, ist dies meist nur ein Werbegag. Schnäppchen gehören somit immer mehr der Vergangenheit an bzw. sind sehr schwer zu bekommen.
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