Wandern auf den Spuren der Geschichte Trift Brandenberg

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte: Holztrift auf der Brandenberger Ache | Durch die Kaiserklamm bis zur Erzherzog-Johann-Klause

Spurensuche: Da staunte selbst der Kaiser, wie findige Tiroler Baumstämme über „Waldautobahnen“ tanzen ließen

Zum Start der Serie „Spurensuche“ über das geheimnisvolle Hochzirl (hier zu finden), habe ich eine perfekte Wanderung durch die Tiroler Natur mit einem Besuch in einem Nobelgasthaus verglichen: Auch wenn die Hauptspeise ausgezeichnet ist, dann ist das Mahl nur perfekt, wenn auch die Beilage passt. Und als exquisite „Beilage“ zum tollen Naturerlebnis bezeichnete ich die spannenden Geschichten, die sich entlang von Wanderrouten einst abspielten. Die zustimmenden Leser-Reaktionen über „Wandern auf den Spuren der Geschichte“ lassen wiederum nur eine Reaktion von Zauberfuchs zu: Nachschlag.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 6:30 Minuten  (Erklärung hier)

Unsere Zeitreise führt uns Wanderer diesmal in die einsame Gegend des hinteren Brandenberg-Tales im Rofan knapp vor der bayerischen Grenze. Dort spielte sich jahrhundertelang dutzende Male im Jahr ein ganz besonderes Spektakel ab, das einst selbst Kaiser und Staatsmänner als Zaungäste und staunende Beobachter anlockte. Etwa Erzherzog Johann von Österreich oder Kaiser Franz Joseph. Ein Spektakel, das europaweit seinesgleichen suchte – die Holztrift von Brandenberg. Europaweit eine der größten ihrer Art, die laut historischen Aufzeichnungen mehr als 600 Jahre durchgeführt und erst 1966 eingestellt wurde. Schauplatz waren die Brandenberger Ache, entlang der wir wandern werden, historische Stauanlagen wie die Erzherzog-Johann-Klause und ein Rechen bei Kramsach, der schon 1404 bestanden haben soll.

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Gegend beim Kaiserhaus an der Brandenberger Ache am Eingang der Kaiserklamm. Auch per Postbus-Linie erreichbar (die Haltestelle befindet sich direkt beim Kaiserhaus). Das Ziel ist die Erzherzog-Johann-Klause, vom Kaiserhaus etwa zwei Stunden Gehzeit entfernt. Die Wanderung führt uns durch die imposante Kaiserklamm und entlang der zuvor idyllisch dahinfließenden Ache. Die Erzherzog-Johann-Klause ist eine historische Stauanlage kurz vor der bayerischen Grenze. Sie war Ausgangspunkt einer genialen Infrastruktur für die Holztrift.

Die Holztrift. Als noch keine Forststraßen Tirols Wälder erschlossen hatten und keine Lkw für den mühelosen Abtransport von Nutzholz zur Verfügung standen, ersannen findige Förster eine geniale Methode, große Mengen geschlagener Baumstämme aus der Wildnis in die Zivilisation zu bringen. Sie nutzten die „Autobahnen der Natur“ in unseren Wäldern, die Flüsse. Klingt einfach, war aber sehr kompliziert. Es genügte nicht, einen Baumstamm einfach in eine Ache zu werfen und zu warten, bis er in einer Ortschaft wieder anlandete. Der Baumstamm wäre schnell auf einer Sandbank, an großen Steinen oder in einer Engstelle hängen geblieben. Es musste eine wasserbauliche Infrastruktur erschaffen werden, die den Transport bis an das Ziel garantierte. Und dies funktionierte folgendermaßen: Als erstes wurde eine Staumauer errichtet und viel Wasser aufgestaut. Zum Trift-Start wurde der Stausee samt auf ihm treibendem

Wandern auf den Spuren der Geschichte Trift Brandenberg
Holz geleert. Auf dem künstlichen Hochwasser trieben die Baumstämme im Fall Brandenberg dann bis nach Kramsach, wo sie an einem Rechen eingefangen und geborgen wurden. Bereits 1404 soll laut alten Aufzeichnungen ein derartiger Rechen dort bestanden haben. Die Brandenberger Holztrift besteht also zumindest 600 Jahre. Die Holztrift in Tirol an sich geht auf den im 12. Jahrhundert einsetzenden Betrieb der Berg- und Hüttenwerke zurück. Die Salinen und Hütten hatten einen außergewöhnlich hohen Bedarf an Holz. Dieses musste im großen Stil geschlagen und transportiert werden.

Immer wieder verfingen sich trotz künstlichem Hochwasser auf der langen Trift-Strecke über die Brandenberger Ache Baumstämme in Engstellen. Vor allem in der Kaiserklamm. Diese Staus mussten in gefährlicher und mühevoller Handarbeit gelöst werden. Spektakuläre Bilder, die selbst den österreichischen Kaiser als Zuschauer faszinierte. Der heutige Wanderweg durch die Kaiserklamm wurde übrigens bereits vor hunderten Jahren angelegt, damit die Holzarbeiter überhaupt an diese Staustellen herankamen, um sie dann auch auflösen zu können. In derartige Gefahr begeben wir uns auf unserer Wanderung nicht. Der Steig ist heute bestens gesichert und gut ausgebaut. Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis wir die beeindruckende Schlucht hinter uns gelassen haben. Danach verbreitert sich die Klamm zum Tal und es geht an der beschaulich dahinfließenden Brandenberger Ache weiter nach Norden. Ein bestens präparierter Waldweg lässt uns ruhige Natur erleben. Mit etwas Glück einen Salamander beobachten oder Einzian auf einer der Wiesen am Rande kleiner Bäche betrachten.

Nach eineinhalb Stunden erreichen wir die Erzherzog-Johann-Klause. Eine letzte Kurve und die imposante Staumauer steht plötzlich direkt vor uns. Wie eine Krone „schwebt“ die fast 200 Jahre alte Hubertsukapelle auf einer Klippe über dem historischen Bau. Und dahinter lädt der Klausen-Gasthof knapp oberhalb der Ache zu einer verdienten Pause mit Jause ein. Kredenzt wird beispielsweise – dem Ort perfekt entsprechend – auch Forelle.

Ausgeruht und gestärkt geht es dann auf den Rückweg. Wer Abwechslung sucht, nimmt nicht den gleichen Weg, sondern wählt die alternative Runde über die Rumpfalm über die Hochleger östlich der Ache. Also der totale Gegensatz zur Klammwanderung. Der „Umweg“ dauert nur rund eine Viertelstunde länger (genaue Wegbeschreibungen der verschiedenen Routen siehe unten in der Infobox).

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

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Wandern auf den Spuren der Geschichte - Brandenberger Holztrift

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Weg von und zur Kaiserklamm: 47.570277, 11.884797
Erzherzog-Johann-Klause: 47.581655, 11.888144
Rumpfalm: 47.571884, 11.894796
Brandenberger Ache: 47.575909, 11.881643

WEGBESCHREIBUNG FÜR EINE GELUNGENE SPURENSUCHE
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  • Wanderroute zur Erzherzog-Johann-Klause: Startpunkt der Wanderung ist der Parkplatz oberhalb der Kaiserklamm (hinteres Ende). Dorthin gelangt man von Kramsach aus kommend, wenn man den Wegweisern zum Kaiserhaus/Kaiserklamm folgt. Kurz vor Erreichen des Kaiserhauses (dort wo die asphaltierte Straße endet), wählt man die Auffahrt, die links abbiegt. Nach wenigen Minuten auf dem Schotterweg erreicht man den Parkplatz (ab hier gilt Pkw-Fahrverbot). Man wandert nun auf dem rechten Weg hinunter zur Brücke über die Brandenberger Ache. Kurz vor der Brücke biegt der idyllische Waldweg nach links ab (alternativ kamm man aber auch die Straße wählen). Bis zur Erzherzog-Johann-
  • Wandern auf den Spuren der Geschichte Trift Brandenberg
Klause (Markierung „2“ in der Zauberfuchs-Karte) ist man rund eineinhalb Stunden unterwegs. Für den Rückweg hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man wandert den gleichen Weg zurück, oder man nimmt die Route über die Rumpfalm über die Hochleger (Markierung „3“ in der Zauberfuchs-Karte). Auf diesem Weg ist man nur etwa eine Viertelstunde länger unterwegs. Dazu nimmt man den beschilderten Weg („Rumpfalm“) unterhalb der Klause, der nach Osten abbiegt. Kurz vor dem Startpunkt erreicht man die Ausgangsroute wieder. Gesamt-Gehzeit rund drei bzw. dreieinhalb Stunden (über Rumpfalm).
  • Wanderroute zur Erzherzog-Johann-Klause inkl. Kaiserklamm: Dieser Wanderung dauert hin und retour etwa eine Stunde länger. Startpunkt ist das Kaiserhaus. Bis hier verkehrt übrigens auch ein Postbus-Service. Vom Gasthaus geht es taleinwärts, nach wenigen hundert Metern erreicht man den Eingang zur Kaiserklamm. Die Klamm-Wanderung ist vor allem bei hohem Wasserstand der Brandenburger Ache sehr spektakulär. Kurz nach dem Verlassen der Klamm steigt man zur Straße hoch und erreicht die oben beschriebene Wanderroute bei der Brücke über die Ache. Gesamt-Gehzeit rund vier bzw. viereinhalb Stunden (über Rumpfalm).

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BRANDENBERGER HOLZTRIFT
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  • Die Holztrift: Der Begriff Holztrift  beschreibt den unbegleiteten Transport (im Gegensatz zu Flößerei) von Baumstämmen über Fließgewässer. Das Holz wurde einfach der Strömung überlassen und an Wehren nach dem Transport wieder aufgefangen und aus dem Wasser geholt. In manchen Gegenden, etwa an der Brandenberger Ache bis Kramsach, war diese Art des günstigen Holztransports bis in die 1960er-Jahre üblich. Der Geschichte der Holztrift von Brandenberg, eine der einst größten Triften Europas, widmet sich das Museum Tiroler Bauernhöfe  in Kramsach im Detail. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Kramsach der größte Umschlagplatz für Holz in Tirol. Anfang des 20. Jahrhunderts fanden über 30 Triften pro Jahr statt.
  • Die Erzherzog-Johann-Klause: Die Klause war mehr als hundert Jahre das Herzstück der Brandenberger Holztrift. Dabei handelt es sich um eine heute noch erhaltene Stauanlage am hinteren Verlauf der Brandenberger Ache. Die Anlage ist nach dem österreichischen Feldmarschall Erzherzog Johann von Österreich aus dem Hause Habsburg benannt. Dieser kam erstmals 1800 nach Tirol und lernte das Land lieben. Vom Kaiserhaus aus unternahm er immer wieder Jagdausflüge in die Berge rund um die Brandenberger Ache. Außerdem war er interessierter Beobachter der Holztrift (vor allem den spektakulären Teil in der Kaiserklamm betreffend). Damals erfolgte der Start der Trift noch von der um 1504 errichteten Kaiserklause. Die Erzherzog-Johann-Klause wurde 1833 als Ersatz für die weiter nördlich in der Valepp liegende Kaiserklause erbaut. 1934/1935 wurde sie laut Wikipedia durch den Einsatz von Eisenbeton-Pfeilern verstärkt. 1952/1953 erfolgte ein Ausbau auf eine Stauhöhe von 14 Metern. 1966 wurde der Betrieb eingestellt.
  • Die Steinberger Klause: Die zweitgrößte Klause der Gegend war die nahe gelegene Steinberger Klause. Sie wurde bereits im 18. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Sie staute die Steinberger Ache, die der größte Seitenfluss der Brandenberger Ache ist (mehr Infos dazu hier).
  • Die Hubertuskapelle: Auf einer Klippe oberhalb der Erzherzog-Johann-Klause, angrenzend an den Gasthof, steht die mit Holzschindeln verkleidete Hubertuskapelle. Sie wurde um ca. 1835 erbaut und steht heute unter Denkmalschutz.
  • Kaiserhaus und Kaiserklamm: Die Namen erinnern an den österreichischen Kaiser Franz Joseph, der in der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts immer wieder ein faszinierter Beobachter der Holztriften in der Kaiserklamm war, wenn er wieder auf Jagd-Urlaub in Brandenberg weilte. Das Kaiserhaus wurde bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtet.
Fotos: Google Earth, Schima (9), Wikimedia Commons/Bilderzeug