Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte: die Klammbachwaldbahn bei Achenkirch | Außerdem: rätselhafte, 2500 Jahre alte rätische Inschriften am Schneidjoch

Spurensuche: Als russische Kriegsgefangene eine vergessene Eisenbahnlinie im Achenwald bauten

„Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte“ beschäftigt sich diesmal mit einer vergessenen Eisenbahnlinie im hintersten Winkel von Tirol und rätselhaften Felsinschriften aus der Zeit von ca. 500 vor Christus. Während des Ersten Weltkriegs wurden in Österreich an vielen Orten Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt. Viele russische Kriegsgefangene kamen in Tirol zum Einsatz. So auch im Achenwald. Der Auftrag: Bau einer Eisenbahnlinie. Eine Eisenbahnlinie, an die sich heute kaum noch jemand erinnert. Sie führte nordöstlich des Achensees in den Achenwald und diente dem Transport von Holz, das in den Wäldern entlang des Klammbaches und des Grabnerbaches geschlagen wurde. Für Unentwegte bietet sich noch eine zweite Spurensuche im Anschluss an. Jene nach den rätselhaften rätischen Inschriften am Schneidjoch. Dafür benötigt man allerdings viel Ausdauer.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 5:05 Minuten  (Erklärung hier)

Ebenso wie die Erinnerungen an diese einstige Eisenbahnstrecke vergilbt sind, sind es auch die Bauten wie Schienenstrecken und Bahnhöfe, ja sogar eine Standseilbahn, die am Ende der Hauptstrecke hinter dem Zusammenfluss von Mahmoosbach und Grabnerbach errichtet wurde. Eine Lokomotive (eine JW20 der Jenbacher Werke) und Waggons wurden nach der Einstellung des Betriebs 1960 andernorts eingesetzt, die Schienen abgebaut und wiederverwertet. Die Gebäude abgerissen. Was geblieben ist, ist der Streckenverlauf. Nach Abbau der Schienen wurde die Trasse nämlich in Forststraßen umgebaut. Und teils über diese ehemalige Trasse führt uns diesmal der Wanderausflug – also „Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte“ hautnah.

Das Rofan ist wie das Karwendel ein wunderschönes Wandergebiet. Mit vielleicht einem Unterschied – es ist weitaus weniger überlaufen, wie das benachbarte Karwendel. Unsere Wanderung hat ihren Ausgangspunkt in der Gemeinde Achenwald. Wir machen uns von dort entlang des Klammbaches in Richtung Klammbachalm auf den Weg. Im hinteren Talbereich – wie beschrieben – auf der Forststraße, die über die Trasse der alten Klammbachwaldbahn führt. Von dort geht es weiter auf die Blaubergalm in den Blauen Bergen direkt an der bayerischen Grenze. Dreieinhalb Stunden dauert der Wanderausflug in eine Richtung, knapp sieben Stunden, ehe man wieder am Ausgangspunkt zurück ist. Also genug Zeit mitbringen. Und Kondition, die Streckenlänge beträgt knapp 14 Kilometer, der Höhenunterschied fast exakt 700 Höhenmeter. Die Klammbachalm liegt bei etwa Halbzeit der Strecke.

Für ganz verwegene Wanderer bietet sich eine Verlängerung der Tour ab Blaubergalm via Schönleitenalm zur bekannten Gufferthütte, auch Ludwig-Aschenbrenner-Hütte genannt, an. Dafür sind aber für eine Wegstrecke ca. fünf Stunden zu veransschlagen. Der Weg führt immer parallel zur bayerischen Grenze tief hinein in das unberührte Rofan. Sinnvoller ist eine Übernachtung auf der Gufferthütte (nähere Informationen sind hier zu finden). In diesem Fall kann man sich am nächsten Tag noch auf eine weitere Spurensuche begeben und sich die rätselhaften rätischen Inschriften  in einer Quellgrotte am Schneidjoch aus der Zeit von ca. 500 vor Christus ansehen (ein Gipsabguss der Schriftzeichen ist im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck ausgestellt).

Laut den Tiroler Museumsbahnen wurden auf der Eisenbahnstrecke der Klammbachwaldbahn täglich vier Züge abgefertigt, an Spitzentagen bis zu sieben. „Ein Zug bestand aus sechs Garnituren zu je zwei zweiachsigen Wagen. Die gesamte Tagesförderleistung belief sich im Durchschnitt auf ca. 170 Festmeter“ (nähere Informationen sind hier zu finden). Laut einem Foschungsbericht der Universität Innsbruck arbeiteten 1915 in Tirol rund 27.000 russische, serbische, italienische und rumänische Kriegsgefangene. Sie wurden in der Landwirtschaft, bei der Regulierung von Gewässern und beim Bau von Straßen und Eisenbahntrassen eingesetzt, so auch der Klammwaldbahn. Weitere Beispiele sind der Bau der Thierseestraße, der Pitztalstraße und der Grödner Bahn (nähere Informationen sind hier zu finden).

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

KML-LogoFullscreen-LogoQR-code-logoGeoJSON-LogoGeoRSS-LogoWikitude-Logo
Wandern auf den Spuren der Geschichte - Waldbachklammbahn

Karte wird geladen - bitte warten...

Achenkirch: 47.543321, 11.703794
Bundesstraße Richtung Deutschland: 47.574000, 11.652810
Achenwald: 47.566492, 11.671006
Bahnhof und Verladestation Weitgries: 47.551895, 11.688258
Klammbachalm: 47.577436, 11.707152
Abzweigung Hauptstrecke und Nebenstrecke Grabnerbach: 47.572369, 11.706165
Bergbahnhof Hauptstrecke und Standseilbahn: 47.578276, 11.710778
Bahnstrecke entlang des Klammbaches - heute die Forststraße: 47.569590, 11.690329
Bergbahnhof Nebenstrecke Grabnerbach: 47.565970, 11.722730
Weg zur Gufferthütte: 47.577537, 11.741098
Blaubergalm: 47.587837, 11.735758

WEGBESCHREIBUNG FÜR EINE GELUNGENE SPURENSUCHE
punktierte Linie
  • Blaubergalm via Klammbachalm: Der Startpunkt der Strecke ist der Weiler Achenwald kurz vor der bayerischen Grenze (etwa drei Kilometer hinter Achenkirch). Man folgt der Beschilderung „Blaubergalm“. Entlang des Klammbaches geht es hinein in den Achenwald (Markierung „2“ in der Zauberfuchs-Karte). Rund 150 Höhenmeter sind hinauf auf die
  • Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn
Klammbachalm zu bewältigen, nach etwa eineinhalb Stunden Gehzeit ist das erste Etappenziel erreicht (Markierung „4“ in der Zauberfuchs-Karte). Von dort geht es weitere zwei Stunden und etwas mehr als 500 Höhenmeter zur Blaubergalm (Markierung „8“ in der Zauberfuchs-Karte).
  • Gufferthütte: Als Verlängerung bietet sich der Weg zur Gufferthütte an (Markierung „7“ in der Zauberfuchs-Karte). Allerdings sind für die Strecke über die Schönleitenalm ab der Blaubergalm noch einmal eineinhalb Stunden einzurechnen, also gesamt fünf Stunden. Sinnvollerweise sollte man eine Übernachtung auf der Gufferthütte in Betracht ziehen – ansonsten einen sehr frühen Start dieses Marathons mit hin und zurück mindestens zehn Stunden reine Gehzeit einplanen.

SPURENSUCHE: WEITERE ARTIKEL
punktierte Linie
Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn
Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn
Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn
Wandern auf den Spuren der Geschichte Klammbachwaldbahn
HINTERGRUND: KLAMMBACHWALDBAHN
punktierte Linie
  • Klammbachwaldbahn: Die Klammbachwaldbahn wurde für die forstlichen Bewirtschaftung der Waldflächen nordöstlich von Achenkirch erbaut. Eine Strecke führte entlang des Klammbaches bis zur Klammbachalm, eine zweite zweigte am Klammkopf ab und führte entlang des Grabnerbaches Richtung Talschluss am Fuße des Rossstandes. Die Gesamtstrecke in den Achenwald betrug knapp sieben Kilometer. Die Schmalspur-Bahn (760 mm Spurweite) hatte direkt an der Bundesstraße zwischen Achenkirch und der Staatsgrenze bei Weitgries einen Verladebahnhof. Bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Holz aus dem Achenwald per Holztrift (nähere Informationen dazu gibt der Zauberfuchs-Artikel über die Holztrift in Brandenberg – hier zu finden) ins Achental gebracht, doch der Klammbach eignete sich für diese Art des Holztransports aufgrund seiner geringen Größe nur bedingt. Deshalb plante man eine Eisenbahnstrecke für die Holzbringung. Diese wurde 1914 von großteils russischen Kriegsgefangenen erbaut. Die Bahn wurde bis 1960 betrieben, dann allerdings durch Holzbringung per Lkw auf neu errichteten Forststraßen ersetzt. Die Forststraßen folgen großteils der Trasse der einstigen Bahn. Am Bergbahnhof der Hauptstrecke wurde unterhalb der Klammbachalm am Mahmoosbach 1928 eine Standseilbahn errichtet. Sie diente als Zugbringer für die Waggons zu einer Bergstation, dem eigentlichen Endpunkt der Hauptstrecke der Klammbachwaldbahn. Intensiv auseinandergestzt mit der Thematik haben sich die Tiroler Museumsbahnen (nähere Informationen sind hier zu finden).
  • Bächentalwaldbahn: Die Bächentalwaldbahn war eine rund zehn Kilometer lange Eisenbahnstrecke, die von Fall in Bayern grenzüberschreitend durch das Dürrachtal und das Bächental führte. Die Bahn transportierte zwischen 1930 und 1956 Holz aus dem hinteren Bächental bis nach Fall. Die Strecke von Fall ins Dürrachtal auf bayerischem Boden war bereits seit 1893 in Betrieb. 1930 erfolgte die Verlängerung nach Tirol. Der untere Streckenverlauf und die ursprüngliche Ortschaft Fall mit dem Verladebahnhof liegt heute auf dem Grund des Sylvensteinstausees, der in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre errichtet wurde. Die Bergstation der Bahn, deren Strecke auf Tiroler Boden knapp drei Kilometer beträgt, war knapp nördlich des Zusammenflusses des Tannauer- und des Baumgartenbaches (nähere Informationen sind hier zu finden).
Fotos: Google Earth, Shutterstock/Rucker, Schima (5)