Wandern auf den Spuren der Geschichte Karwendelbahn

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte: die Karwendelbahn in der Schlossbach-Klamm | Die Geheimnisse von Hochzirl

Spurensuche: Die Gebirgsbahn, das Militärspital in der Wildnis und die verschwundene Standseilbahn

Verstehen Sie mich nicht falsch – ich liebe es, durch die Natur zu wandern. Die Fauna und Flora in den Tiroler Bergen zu bewundern und zu genießen. Aber oftmals fehlt mir etwas. Was mich irgendwie an den Besuch in einem guten Gasthaus erinnert. Auch wenn die Hauptspeise ausgezeichnet ist, dann ist das Mahl nur perfekt, wenn auch die Beilage passt. Beilage beim Wandern? Mit dieser Frage entstand die Idee für „Spurensuche“ – Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte. Das Naturerlebnis wird durch spannende Geschichten, die sich entlang von Wanderrouten abspielten, bereichert. Die perfekte „Beilage“ also. Und das Wandern macht noch mehr Spaß.

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Als recht abwechslungsreich gestaltet sich die erste Wanderung unter dem Motto „Spurensuche“. In jederlei Hinsicht. Und dies beginnt schon bei der Anreise. Mit dem Privat-Pkw ebenso kein Problem, wie mit dem Postbus oder der Eisenbahn. Und letztere steht auch im Mittelpunkt – was die „Beilage“ betrifft. Wir machen uns nämlich auf, die traditionsreiche Karwendelbahn, die kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende entstand, auf unserer Wanderung zu begleiten.

Und zwar im Bereich Hochzirl und der Schlossbachklamm. Denn die Karwendelbahn steht für zwei ganz besondere Highlights in einer Reihe von vielen Besonderheiten, die sie prägen. Die Karwendelbahn ist nämlich für die Entstehung des Zirler Ortsteils Hochzirl und die Errichtung eines großen Militärspitals, das heutige Landeskrankenhaus, hoch oberhalb von Zirl, verantwortlich. Dazu kommt die technische Meisterleistung des Baus der Schlossbachgrabenbrücke, dem Aushängeschild der an Spezialbauwerken nicht armen Strecke. Erkunden wollen wir aber auch das Verschwinden einer der nur wenigen im 20. Jahrhundert errichteten Tiroler Standseilbahnen, deren Bau ebenfalls mit der Karwendelbahn zusammenhängt.

Unsere Wanderung beginnt an einem Parkplatz wenige hundert Meter oberhalb des Bahnhofs Hochzirl (detaillierte Wegbeschrebung siehe Infobox unten). Apropos Bahnhof. Er wurde ursprünglich angelegt, da er sich ziemlich genau in der Mitte der unwegsamen Strecke zwischen Innsbruck und Seefeld befindet. Eine Ausweiche ermöglichte es entgegenkommenden Zügen auf der eingleisigen Strecke aneinander vorbeizufahren. Im Laufe des ersten Weltkrieges, im Jahr 1917, stach der k.u.k.-Armeeführung dieser einsame Bahnhof in der Wildnis ins Auge. Der ideale, abgeschiedene Ort, um ein Militärspital für die Kriegsverletzten zu errichten. Das Spital wurde oberhalb des Bahnhofs gebaut, das heutige Landeskrankenhaus.

Um Bahnhof und Spital zu verbinden, wurde eine Standseilbahn errichtet. Sie war bis 1968 in Betrieb. Noch heute sind Mauerwerke und Schienenschwellen auf der Strecke im Wald zu sehen. Übrigens genau am Startpunkt unserer Wanderung am Parkplatz knapp oberhalb des Bahnhofs.

Die Wanderroute hinein in die Schlossbachklamm folgt parallel dem Streckenverlauf der Karwendelbahn. Nur ab und zu verschwindet diese – wegen Tunnel. Etwa die Tunnel „Vorberg I“ (148 m), „Vorberg II“ (98 m) oder „Vorberg III“ (47 m). Abgelöst werden die unterirdischen Bauwerke von Brücken und Viadukten, etwa das Vorberg-Viadukt (117 m). Gefolgt von weiteren Tunnel, mit dem Schlossbachtunnel als längstem (722 m). Wir wandern durch den wunderschönen Hochwald, dessen Ruhe nur ab und zu von

Zuglärm unterbrochen wird. Der Ausblick in das Inntal und in die Schlossbachklamm sind grandios. Erst gegen Ende der Strecke wird der Pfad steiler. Die Belohnung ist dort aber dann der spektakuläre Ausblick auf die nicht weniger spektakuläre Schlossbachgrabenbrücke. Ein Stahlbauwerk mit 66 Metern Länge, das an einer Engstelle hoch über dem Boden der Klamm thront.

Mit den schönen, im Kopf gespeicherten Eindrücken aus Natur und Technik geht es zurück nach Hochzirl. Wem diese Strecke zu kurz ist, für den bietet sich der große Rundwanderweg an. Zu einem Großteil weiter entlang der Bahnstrecke. Dafür müssen allerdings statt etwa 1:20 Stunden, ca. dreieinhalb Stunden Gehzeit veranschlagt werden. Auch ist der Schwierigkeitsgrad um einiges größer, da es viele Steigungen zu überwinden gilt. Als zusätzliches Zuckerl winkt dafür aber eine Stippvisite der Burgruine Fragenstein, an der die lange Route ebenfalls vorbeiführt.

Hartnäckigkeit zahlt sich im Leben immer aus. So auch im Leben des Innsbrucker Baumeisters Josef Riehl. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts versuchte er seinen Traum zu verwirklichen. Den Traum von einer kühnen Eisenbahnstrecke von Innsbruck nach Bayern mit spektakulärem Streckenverlauf quer durch die Martinswand, hoch über dem Inntal. Doch er fand bei offiziellen Stellen viele Jahre kein Gehör. Allerdings gab Riehl nicht auf. 1910 war es dann soweit. Unter seiner Führung wurde das Bahnprojekt umgesetzt. Zwei Jahre Bauzeit wurden veranschlagt, 24,4 Millionen Kronen sollte das Projekt für die Strecke von Innsbruck nach Scharnitz mit vielen aufwändigen Viadukten, Brücken und Tunnel kosten. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet rund 122 Millionen Euro. Und siehe da, in der heutigen Zeit bei derartigen Großprojekten kaum noch der Fall: sowohl der Zeit- als auch der Kostenplan wurden eingehalten.

Riehl brachte große Expertise in das Projekt ein. Er war zuvor schon für die Umsetzung einiger Großprojekte verantwortlich. Etwa die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn, im Volksmund Igler Bahn (1900), die Stubaitalbahn (1904) oder die Hungerburgbahn (1906). Doch die Karwendelbahn war die ultimative Herausforderung für den Tüftler. Die Streckenlänge vom Innsbrucker Westbahnhof bis zur Staatsgrenze bei Scharnitz beträgt 33,2 Kilometer. Gemessen an ihrer Länge gehörte die Karwendelbahn wegen der vielen Bauten zu den seinerzeit teuersten Bahnprojekten. Sie wurde von Anfang an für den elektrischen Betrieb geplant, da die Streckenführung mit damals üblichen Dampflokomotiven aufgrund des teilweise starken Gefälles nicht zu bewältigen gewesen wäre (man hätte eine flachere und damit weitaus längere Streckenführung wählen müssen).

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

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Wandern auf den Spuren der Geschichte - Karwendelbahn

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Landeskrankenhaus Hochzirl: 47.283506, 11.244714
Die Schlossbachklamm: 47.287189, 11.236469
Bundesstraße auf den Zirler Berg: 47.284379, 11.233851
Leithen bei Seefeld: 47.288979, 11.222500
Die Schlossbachgrabenbrücke: 47.295586, 11.238379
Schlossbachtunnel der Karwendelbahn: 47.291366, 11.239700
Fragensteintunnel der Karwendelbahn: 47.292748, 11.235010
Ausgangspunkt und Parkplatz oberhalb Bahnhof Hochzirl: 47.282389, 11.242823
Der Schlossbachklammweg Richtung Leithen (Wegbezeichnung Nr. 13): 47.288295, 11.240143
Aussichtspunkt auf die Schlossbachgrabenbrücke: 47.294708, 11.240231
Abstieg in die Schlossbachklamm auf dem Weg nach Leithen: 47.294257, 11.239050
Der Weg nach Leithen: 47.291576, 11.232943
Der Weg zur Burgruine Fragenstein: 47.282701, 11.235447

WEGBESCHREIBUNG FÜR EINE GELUNGENE SPURENSUCHE
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  • Kurze Wanderroute: Ausgangspunkt ist Hochzirl. Entweder man reist mit den ÖBB an (S-Bahn S6) und steigt am Bahnhof Hochzirl aus, oder per Auto. Start der Wanderroute (Markierung „1“ in der Zauberfuchs-Karte) ist entweder der Bahnhof oder der Parkplatz wenige hundert Meter oberhalb des Bahnhofes an der linken Straßenseite (unterhalb des Landeskrankenhauses Hochzirl). Die Beschilderung (Weg Nr. 13) beginnt an der Westseite des Parplatzes. Der Steig Schlossbachklamm Richtung Leithen verläuft parallel oberhalb der Karwendelbahnlinie, die immer wieder einsichtig ist (Markierung „2“ in der Zauberfuchs-Karte). Der Weg verläuft anfangs recht flach durch den sogenannten Zirler Wald. Erst im Finish, kurz vor dem Ziel Schlossbachgrabenbrücke, sind einige Anstiege zu bewältigen. Die beste Aussicht auf die imposante Brücke hat man wenige hundert Meter hinter der Abzweigung des Weges nach
  • Wandern auf den Spuren der Geschichte Karwendelbahn
Leithen in die Schlossbachklamm (Markierung „3“ in der Zauberfuchs-Karte). Zurück wandert man entweder über die gleiche Route oder man zweigt links in Richtung Landeskrankenhaus ab und von dort zurück zum Ausgangspunkt (Beschilderung Richtung Bahnhof folgen). Die Gehzeit beträgt hin und retour 1:20 Stunden.
  • Lange Rundwanderroute: Die Rundwanderroute hat es in sich. Dafür benötigt man etwa dreieinhalb Stunden Zeit, außerdem sind einige An- und Abstiege zu bewältigen. Start ist der gleiche Ausgangspunkt wie bei der kurzen Route, der man bis zur beschriebenen Abzweigung nach Leithen folgt. An dieser steigt man in die Schlossbachklamm ab (Markierung „4“ in der Zauberfuchs-Karte). Von dort geht es dann auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf den Bergrücken hinauf und dann oberhalb der Karwendelbahnlinie Richtung Leithen (Markierung „5“ in der Zauberfuchs-Karte). Dort hat man die Möglichkeit nach Seefeld abzubiegen (wer mit dem Zug angereist ist, kann vom Bahnhof Seefeld oder Reith wieder zurückfahren). Um zurück zum Ausgangspunkt zu kommen folgt man aber der Beschilderung Richtung Burg Fragenstein. Von dort (Markierung „6“ in der Zauberfuchs-Karte) wählt man den ostseitigen Abstieg in die Schlossbachklamm zum Zirler Schießstand und von dort talauswärts. An der Hauptstraße geht es linkerhand zurück hoch nach Hochzirl (alternativ kann man auch per Postbus aus Zirl nach Hochzirl zurückkehren).

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HINTERGRUND: KARWENDELBAHN
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  • Die Errichtung der Bahnstrecke: Die Karwendelbahn , auch Mittenwaldbahn genannt, wurde als elektrische Lokalbahn in den Jahren 1910 bis 1912 erbaut. Die Strecke wurde am 26. Oktober 1912 eröffnet. Bezogen auf die Streckenlänge gehörte die Karwendelbahn seinerzeit wegen der vielen Tunnelbauten und Viadukten laut Wikipedia zu den teuersten Bahnprojekten überhaupt. Sie wurde übrigens in der vorgesehenen Bauzeit ohne Kostenüberschreitungen errichtet. Für die Energieversorgung wurde in der Nähe der Stephansbrücke im Stubaital das Ruetzkraftwerk gebaut.
  • Entstehung von Hochzirl: Auf dem Anfang des 20. Jahrhunderts noch unbebauten Bergrücken, auf dem sich heute Hochzirl befindet, wurde aufgrund der Lage in der Mitte der Strecke eine Ausweiche für die Karwendelbahn errichtet. Im Zuge des ersten Weltkriegs fasste die k.u.k. Armee dann den Entschluss, in der abgelegenen Gegegend mit Bahnanschluss ein Militärhospital für Kriegsverletzte zu errichten (daraus entstand dann später das heutige Landeskrankenhaus).
  • Die ehemalige Standseilbahn Hochzirl: Um den Bahnhof Hochzirl mit dem höher gelegenen Militärhospital zu verbinden wurde 1917 eine knapp 300 Meter lange Standseilbahn errichtet, deren Reste (Schwellen und Mauern) heute noch zu sehen sind (nordseitig des Ausgangspunktes der links beschriebenen Wanderroute). Die Standseilbahn wurde zuerst in der Bauphase des Hospitals für den Materialtransport genutzt, später für den Personenverkehr umgerüstet. Der Betrieb wurde 1968 eingestellt.
  • Die Schlossbachgrabenbrücke: Die Imposanteste einer Vielzahl an Brücken der Karwendelbahn ist die Schlossbachgrabenbrücke zwischen Hochzirl und Leithen (großes Foto oben). Sie überspannt in rund 60 Metern Höhe an einer Engstelle die Schlossbachklamm und ist eine 66 Meter lange Bogenfachwerkbrücke aus Stahl. Die Schlossbachgrabenbrücke ist das längste Brückenbauwerk der Strecke. Sie wurde laut Wikipedia 1912 durch die k.u.k. Hof-Eisen-Construktions-Werkstätte gefertigt und montiert.
Fotos: Google Earth, Schima (8)