Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte: Burg Hörtenberg bei Pfaffenhofen | Die Geschichte von der wohl stärksten Explosion, die es jemals auf Tiroler Boden gab

Spurensuche: Der Blitz, der eine Burg verschwinden ließ, ein Donnerschlag der durch das ganze Inntal hallte

Es war gerade einmal drei Jahre und 13 Tage her, da hatte ein riesiger Donnerschlag durch das Inntal westlich von Innsbruck gehallt. Eine massive Explosion hatte die Burg Fragenstein bei Zirl in Schutt und Asche gelegt. Gesprengt von Zirler Schützen, da sie gegen eine einfallende bayerische Armee nicht zu halten war. Am 5. August 1706 hallte wieder ein massiver Donnerschlag durchs Inntal. Und neuerlich war eine Burg in Schutt und Asche gelegt. Die Burg Hörtenberg bei Pfaffenhafen. In Sichtweite von Fragenstein.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 4:50 Minuten  (Erklärung hier)

Bei „Spurensuche“ haben wir uns diesmal eine leichte Wanderung vorgenommen. Passionierte Wanderer werden es sogar als Spaziergang bezeichnen. Nichtsdestotrotz wandern wir in „Episode 003“ auf den Spuren einer ganz besonderen Geschichte. Die Burgruine Hörtenberg  besteht heute nur noch aus einigen Mauerresten und dem renovierten Burgfried. Dieser thront stolz oberhalb der Gemeinde Pfaffenhofen. Hörtenberg war einmal eine sehr wichtige Burg. Sie war ab dem 13. Jahrhundert Sitz des Gerichts, das für die Gegend westlich von Innsbruck zuständig war. Mit eigener Hinrichtungsstätte auf einem Hügel knapp westlich der Burg.

Unsere Wanderung beginnt im Pfaffenhofener Oberdorf und führt uns über die Wiesen hinauf zur Burgruine (genaue Wegbeschreibung siehe Infobox unten). Es ist still, die Grillen zirpen. Einzig das dumpfe Grollen des Verkehrs auf der entfernten Inntalautobahn stört die Ruhe ein wenig. Es ist ein beschauliches Wandern, die Steigung nicht wirklich anstrengend.

Weit weniger beschaulich dürfte es am 5. August 1706 an gleichem Ort und gleicher Stelle zugegangen sein. Ein schweres Sommergewitter hatte begonnen, sich über dem Inntal zu entladen. Blitze zuckten über den Himmel. Stolz thronte die stattliche Burg über dem Tal. Sie war zu diesem Zeitpunkt ein Munitionslager der Tiroler Armee. Seit dem Einfall der Bayern drei Jahre zuvor, dem die Burg Fragenstein letztlich zum Opfer fiel, hatten die Tiroler für eine Wiederholung vorgesorgt und große Mengen an Schießpulver eingelagert. Etwa 150 Tonnen. Da schlug plötzlich einer der Blitze in Hörtenberg ein. Er zündete das Schießpulver und die Burg verschwand in einer riesigen Explosion. Nur der schwer beschädigte Burgfried blieb stehen.

Um sich eine Vorstellung von dieser massiven Explosion in Pfaffenhofen machen zu können, sehen wir uns einen gut dokumentierten ähnlichen Fall in Holland an. Den so genannten Delfter Donnerschlag . In der Stadt Delft gab es einst ein ähnliches Depot wie auf Hörtenberg. 40 Tonnen Schießpulver waren dort eingelagert, also etwas mehr als ein Viertel der Menge von Hörtenberg. 1654 explodierte das Lager in Delft. Der Knall soll noch in einer Entfernung von 150 Kilometern zu hören gewesen sein. Es gab hunderte Tote. In manchen Quellen ist sogar von über 1000 Toten die Rede. Es gab tausende Verletzte und ein Viertel der Stadt war zerstört. 200 Häuser waren dem Erdboden gleich gemacht, 500 Häuser schwer beschädigt. Die Explosion, die Hörtenberg zerstörte, war mit der vierfachen Menge an detoniertem Schießpulver beinahe viermal so stark. Wohl die stärkste Explosion, die es jemals auf Tiroler Boden gab.

Die Burg Hörtenberg wurde nie wieder aufgebaut. Zuletzt wurde der Burgfried der Ruine, die mittlerweile der Gemeinde gehört, renoviert. Auf dem Burghügel finden heute diverse Veranstaltungen statt. Ein perfekter Ort dafür mit toller Aussicht ins Inntal. Die Wanderung zur Burg dauert nur etwa eine halbe Stunde. Deshalb verlängern wir unseren Ausflug Richtung Weiler Höll, südwestlich von Hörtenberg gelegen. Es geht durch einen idyllischen Mischwald, der uns erst wieder auf dem Plateau beim Weiler Höll in sonnendurchflutete Wiesen entlässt. Entspannung pur. Durch den Wald geht es schließlich wieder zurück nach Hörtenberg und über die Wiesen in die Gemeinde Pfaffenhofen.

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

KML-LogoFullscreen-LogoQR-code-logoGeoJSON-LogoGeoRSS-LogoWikitude-Logo
Wandern auf den Spuren der Geschichte - Burg Hörtenberg

Karte wird geladen - bitte warten...

Die Burg Hörtenberg: 47.294608, 11.079570
Heutige Gebäude auf dem Fundament der ehemaligen Vorburg: 47.295161, 11.080364
Die Gemeinde Pfaffenhofen: 47.297285, 11.082875
Ausgangspunkt an der Brücke am Blahbach im Oberdorf von Pfaffenhofen: 47.296485, 11.083733
Anstieg auf dem Weg über die Wiesen oberhalb von Pfaffenhofen: 47.295670, 11.081743
Der Waldweg von der Burg Hörtenberg zum Weiler Höll: 47.293014, 11.078127
Der Weiler Höll: 47.292556, 11.073900

WEGBESCHREIBUNG FÜR EINE GELUNGENE SPURENSUCHE
punktierte Linie
  • Wanderroute zur Burgruine Hörtenberg: Ausgangspunkt ist der Dorfplatz in Pfaffenhofen. Dort befindet sich auch ein Parkplatz für das Auto. Los geht es zunächst auf der linken Seite des Blahbaches hinauf ins Oberdorf. Dort wird der Bach auf einer Brücke gequert (Markierung „1“ in der Zauberfuchs-Karte) und man folgt der Straße über die Wiesen in Richtung des bereits sichtbaren Burgfrieds der Burgruine Hörtenberg (Markierung „2“ in der
  • Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg
Zauberfuchs-Karte). Am Fuße des Burghügels zweigt ein kleiner Steig ab, über den man zur Burg hochsteigt. Zurück geht es in die gleiche Richtung. Die Gehzeit in beide Richtungen beträgt ca. eine Stunde.
  • Zusatzroute zum Weiler Höll: Als Verlängerung der Wanderung zur Burg Hörtenberg bietet sich der Aufstieg zum Weiler Höll an. Am Fuße des Burghügels wählt man den südwestseitig gelegenen Waldweg (Markierung „3“ in der Zauberfuchs-Karte) hinauf zur Straße nach Höll, der man dann weiter zum Weiler folgt (Markierung „4“ in der Zauberfuchs-Karte). Dort spaziert man auf der Straße an das untere Ende des Weilers, wo dann ein idyllischer Waldsteig zurück Richtung Hörtenberg abzweigt. Die Zusatzrunde dauert etwa eine dreiviertel Stunde bis Stunde.

SPURENSUCHE: WEITERE ARTIKEL
punktierte Linie
Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg
Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg
Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg
Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Hörtenberg
HINTERGRUND: BURG HÖRTENBERG
punktierte Linie
  • Die Entstehung: Die Burg Hörtenberg  wurde ursprünglich Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut und ist bald 800 Jahre alt. Sie hatte im Mittelalter große Bedeutung, denn sie lag an einer wichtigen Wegkreuzung und war Gerichtssitz mit zeitweise eigener Hinrichtungsstätte zur Vollstreckung von Todesurteilen. Der markante Burghügel, auf dem Hörtenberg steht, war bereits vor 2500 Jahren ein Siedlungsplatz.
  • Das Ende: Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Hörtenberg als Lager für Waffen und Munition verwendet. Darunter auch eine erhebliche Menge an Schießpulver (geschätzt 150 Tonnen). Am 5. August 1706 schlug während eines Gewitters ein Blitz in die Burg ein. Dieser entzündete den dort lagernden Schießpulvervorrat. Es folgte eine immense Explosion, die die Burg zerstörte.
  • Die Burg heute: Die Burgruine wechselte in den letzten 200 Jahren mehrfach den Besitzer. Zuerst gehörte sie dem Staat, dann war sie in Privatbesitz. Heute ist sie Gemeindegut von Pfaffenhofen. Die Gemeinde ist um eine Revitalisierung der Burgreste bemüht. Der westseitig des Burgfriedes gelegene Platz wird auch als Veranstaltungsstätte genutzt.
  • Die Vorburg: Unterhalb der Burg Hörtenberg befinden sich mehrere Bauten, die auf den Fundamenten einer ehemaligen zweiten Burg, einer sogenannten Vorburg , errichtet wurden. Fundamentreste dieses Burgenrelikts sind noch zu sehen. Auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg befindet sich auch eine Kapelle unter der man die Fundamente der alten Burgkapelle vermutet.
Fotos: Google Earth,